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Förderverein und Grüne kritisieren „erschreckenden Umgang der Offiziere mit Öffentlichkeit“

Nationalpark Senne bleibt das Ziel

Bad Lippspringe/Schlangen/Hövelhof

Mit deutlicher Kritik haben der Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge und die Landtagskandidaten von Bündnis 90/Die Grünen auf die Erklärung des britischen Militärs und der Bundeswehr zur Zukunft des Truppenübungsplatzes Senne reagiert. Die Militärs hatten in einer gemeinsamen Erklärung betont, die militärische Nutzung der Senne müsse im Vordergrund stehen (wir berichteten am Samstag).

Ein Nationalpark Senne bleibt ihr Ziel: (von links) Bernd Mester (Landtagskandidat), Dr. Thomas Steinlein (Förderverein), Hans Jürgen Wessels (Förderverein), Norika Creuzmann (Landtagskandidatin) und Ulrich Möhl (Landtagskandidat).

Die Erklärung der Streitkräfte war – wie berichtet – nicht nur in ein Treffen der Bürgermeister der Anrainerkommunen geplatzt, sie überschattete auch eine Gesprächsrunde des Fördervereins und der Grünen.

Diese betonen jetzt in einer eigenen Presseerklärung: „Das hört sich so ganz und gar nicht nach dem Resultat eines gemeinsamen Treffens von Bürgermeistern, Landräten und Militär an, was es eigentlich sein sollte. Vielmehr klingt es wie die Anweisung des britischen Militärs an alle übrigen Beteiligten.“ Das sei umso bedauerlicher, als die britischen Soldaten und ihre Angehörigen über Jahrzehnte als gute Nachbarn ins Herz geschlossen worden seien. „Wir beobachten bei den verantwortlichen Offizieren einen erschreckenden Wechsel im Umgang mit der Öffentlichkeit. Es kommt der Eindruck auf, dass die berechtigten Interessen der Menschen, die in den am Truppenübungsplatz angrenzenden Kommunen leben, ebenso unbeachtet bleiben, wie die Belange des Naturschutzes“, stellen Grüne und Förderverein fest. „Der TÜP-Senne war bisher ein Hot-Spot der Biodiversität mit über 1000 bedrohten Arten. Seine Artenvielfalt steht unter dem besonderen Schutz der Europäischen Union, ist FFH- und Natura-2000-Gebiet. Doch eine Bereitschaft des Militärs in geordneten Strukturen mit den Naturschutzverbänden und Senneinitiativen zu kommunizieren, ist schon lange nicht mehr feststellbar. Das muss sich dringend wieder ändern“, betonen Hans Jürgen Wessels und Dr. Thomas Steinlein, die Vorsitzenden des Fördervereins Nationalpark. „Ein derartig wertvoller Naturraum darf für die Wissenschaft und den Naturschutz nicht zu einer Black-Box gemacht werden.“

„Bereits 30 Jahre ist es der erklärte Wille des Landtages NRW, den Truppenübungsplatz Senne eines Tages zu einem Nationalpark zu entwickeln. An diesem Ziel halten wir mit Nachdruck fest“, erklären Norika Creuzmann, Bernd Mester und Ulrich Möhl, allesamt Landtagskandidaten der Grünen mit Senneanteil im Wahlkreis. Norika Creuzmann: „Auch unser aktuelles Wahlprogramm ist in diesem Punkt eindeutig.“

In drei Punkten waren sich Förderverein und Grüne einig: „Wir wollen die Belastungen durch Gefechtslärm für die Anwohner wieder reduzieren. Zukünftig muss es an Wochenenden regelmäßig heißen: Der TÜP-Senne gehört den Menschen der Region. Wir fordern den regelmäßigen Zugang zu den wertvollen Naturräumen sowohl für die universitäre Forschung als auch für die Naturbeobachtung durch die Naturschutzverbände. Und: Wir wollen der Entwicklung des Nationalparks OWL in den kommenden fünf Jahren zum Durchbruch verhelfen.“

Man sei sich bewusst, dass die Soldaten in einer Demokratie „in unser aller Auftrag eine gefährliche und schwierige gesellschaftliche Aufgabe wahrnehmen“ und begegne deren Arbeit mit Respekt. „Umgekehrt fordern wir von den Verantwortlichen des Militärs aber auch den respektvollen Umgang mit den Interessen der Menschen in OWL sowie den Naturschutzinteressen. Wir hören von Betroffenen immer wieder, dass der Übungslärm derzeit außergewöhnlich intensiv sei.“

Das die Nutzung der Übungsplätze durchaus im Interessensausgleich geteilt werden könne, das machten ausgerechnet Werbevideos des britischen Verteidigungsministeriums für Übungsplätze in Großbritannien deutlich. Unter dem Stichwort „Respect the range“ seien sie im Internet zu finden. So bekämen die Menschen Zugang zu ihrem heimischen Naturraum und gleichzeitig mehr Ruhe. Es sollte in Deutschland keine schlechteren Standards geben als sie in der eigenen Heimat praktiziert würden, so Grüne und Förderverein.

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