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Zwischen Beate Uhse, Oswalt Kolle und 50 Shades of Grey

Neue Ausstellung in Bevern: „Schamlos? Sexualmoral im Wandel“

Bevern

Das Kulturzentrum Weserrenaissance Schloss Bevern   fragt mit seiner kommenden Ausstellung „Schamlos? Sexualmoral im Wandel“ ab dem 24. Juli nach der menschlichen Sexualität und dem rasanten Wandel, den diese seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland bis heute erfahren hat.

Ein Brettspiel zur Verhütung wird auch gezeigt. Foto: Schloss Bevern

So fand Sexualität in den 1950er Jahren noch ausschließlich hinter verschlossenen Türen statt, und nackte Haut im Film sorgte für Empörung. Die 1960er Jahre jedoch lösten eine Welle der Hemmungslosigkeit aus. Journalist und Filmemacher Oswalt Kolle sowie Erotik-Unternehmerin Beate Uhse wurden zu Wegweisern dieser „Sexwelle“: Peepshows, Pornokinos und Nachtclubs vermarkteten Erotik nun in aller Öffentlichkeit. Heute ist nackte Haut auf der Straße oder in den Medien selten noch Sensation oder Provokation. Darstellungen sadomasochistischer Praktiken in der Roman-Trilogie „50 Shades of Grey“ erreichen sogar Millionenauflagen.

Tiefgreifenden Veränderungen von Sexualmoral

Die Ausstellung beleuchtet die tiefgreifenden Veränderungen von Sexualmoral und Geschlechterbeziehungen in Deutschland seit 1945. Dazu werden auch die unterschiedlichen Lebensbedingungen und -erfahrungen im geteilten Deutschland untersucht. Gezeigt werden unter anderem politische Plakate über den Kampf um Frauenrechte bis hin zur „Regenbogenfamilie“ homosexueller Paare. Zeitschriften von der „Brigitte“ bis zur „Bravo“ liefern Frauen Haushalts- und Beziehungstipps und klären die Jugend auf. Zensierte LP-Covers von Roxy Music oder den Rolling Stones mit echtem Reißverschluss werden zum Manifest einer ganzen Bewegung. Eine lila Latzhose steht als Sinnbild der politischen Emanzipation. Und die erste Antibaby-Pille versinnbildlicht die revolutionierte Selbstbestimmung der Frau zwischen Mutterdasein und Lust.

Informative und unterhaltsame Ausstellung aus Bonn

Mit diesem Plakat wurde für einen Kolle-Film geworben. Foto: Schloss Bevern

Die große Zahl an Originalgegenständen aus den jeweiligen Jahrzehnten des Wandels sorgt für eine gleichermaßen informative und unterhaltsame Ausstellung. „Schamlos? Sexualmoral im Wandel“ wurde von der Stiftung Haus der Geschichte, Bonn erarbeitet. Für eine aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten sorgen interaktive Elemente, beispielsweise eine Befragungstafel zum Thema „Wer hat Sie aufgeklärt?“.

Das Kulturzentrum Schloss Bevern eröffnet die Ausstellung am 24. Juli, 11 Uhr. Gastrednerin ist Jasmin Pritha Richter von „pro familia“ Niedersachsen, der Deutschen Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung. Richter wird in ihrem Redebeitrag die sexuelle Bildung im digitalen Zeitalter thematisieren.

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