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Experten rechnen mit Engpässen – Knackpunkt Fahrradmitnahme – Abokunden profitieren ebenfalls

Neun-Euro-Ticket: So geht‘s in OWL

Bielefeld

Die Einführung des Neun-Euro-Tickets im ÖPNV ab Juni wird nach Einschätzung von OWL Verkehr auf „bestimmten Stecken“ innerhalb in der Region zu „Engpässen“ führen. Um welche Linien es sich genau handelt, dazu wagt OWL Verkehr einer Sprecherin zufolge keine Prognose.

Von Paul Edgar Fels

Wie voll werden ab Juni die Regionalzüge? Auch am Bahnhof Bielefeld dürften mehr Fahrgäste mit dem günstigen Neun-Euro-Ticket einsteigen. Foto: Thomas F. Starke

„Gerade touristische Ziele dürften stärker belastet sein als andere“, sagt Annika Fritzlar von der Pressestelle der OWL Verkehr GmbH. Ein Knackpunkt könnte die Mitnahme von Fahrrädern sein. Hierfür wird ein Extra-Ticket benötigt. Doch wenn kein Platz mehr im Waggon für das Rad frei ist, kann der Fahrgast nicht einsteigen. Hier gibt es aber einen Trick. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wo kann man das Neun-Euro-Ticket kaufen?

Die Verkehrsunternehmen arbeiten aktuell auf Hochtouren daran, das Ticket in die bestehenden Vertriebskanäle zu integrieren, dazu gehören zum Beispiel der Kauf über den Ticketautomaten, in den Kundenzen­tren oder per App. Das Neun-Euro-Ticket gilt für einen Monat. Für Juli und August müssen die Tickets jeweils neu gekauft werden.

Wie genau profitieren Abo-Kunden von diesem preiswerten Angebot über drei Monate? Werden Sie angeschrieben?

Auch Abo-Kunden sollen finanziell profitieren: In den Monaten Juni, Juli und August zahlen Abonnenten jeweils nur neun Euro für ihr Abo – also 27 Euro für die gesamten drei Monate. Wie die Abrechnung umgesetzt wird, obliegt dem jeweiligen Unternehmen, das das Abo vertreibt. Die Unternehmen werden ihre Abo-Kunden in Kürze über die Preisreduzierung und die Abwicklung informieren. OWL Verkehr (zuständig für mehrere Verkehrsunternehmen in mehreren OWL-Kreisen) und vermutlich auch die Bielefelder Stadtwerke-Tochter Mobiel werden das Konto ihrer Abokunden mit lediglich neun Euro pro Monat belasten statt des meist deutlich höheren Abo-Preises.

Mit einem Trick kann man auch das Fahrrad im Rahmen des Neun-Euro-Ticket-Projektes mitnehmen. Foto: Thomas F. Starke

Wo gilt das Neun-Euro-Ticket?

Das Ticket kann deutschlandweit im öffentlichen Nahverkehr genutzt werden – also in Bussen, Straßen-, Stadt- und U-Bahnen, Regionalbahnen und Regionalexpressen der zweiten Klasse. Das Ticket gilt nicht im Fernverkehr (IC, ICE und EC) oder für private Anbieter wie etwa Flixtrain.

Kann ich mit dem Neun-Euro-Ticket ein Fahrrad mitnehmen? Und was kostet das?

Das Neun-Euro-Ticket enthält nicht die Möglichkeit einer Fahrrad-Mitnahme! Wer das möchte, muss ein Fahrrad-Ticket kaufen. Für Fahrten innerhalb des gesamten Westfalen-Tarifs kostet das Fahrrad-Tagesticket drei Euro. Damit könnte man etwa von Bielefeld nach Münster reisen. Für weiter entfernt liegende Zie­le innerhalb von NRW gilt indes der NRW-Tarif von 4,80 Euro. Wenn eine deutschlandweite Fahrt un­ternommen wird, können Fahrgäste die Fahrradtageskarte des Deutschlandtarifs für sechs Euro nutzen.

Ist die Fahrradmitnahme garantiert?

Leider nein. OWL Verkehr weist darauf hin, dass das Platzangebot für Fahrräder in Bussen und Bahnen begrenzt ist. „Fahrräder werden generell nur dann befördert, wenn die vorhandenen Kapazitäten und das Platzangebot dies zulassen“, betont Fritzlar. „Der Kauf eines Fahrrad-Tickets garantiert nicht die Mitnahme.“ In der Regel habe jeder Zug einen Waggon, der für Fahrräder vorgesehen ist.

Was ist mit Abos, die die Fahrradmitnahme bereits erlauben? Oder können Kunden noch so ein Abo abschließen?

Ja, Kunden haben auch die Möglichkeit ein Abonnement abzuschließen. Beinhaltet das Abo Zusatzleistungen wie die Mitnahme von Fahrrädern oder Personen, können Abo-Kunden diese Zusatzleistungen in ihrem jeweils gewählten Geltungsbereich wie gewohnt nutzen. Außerhalb des Geltungsbereich gelten die Zusatzleistungen nicht. Abo-Kunden zahlen im Aktionszeitraum Juni, Juli und August nur 9 Euro pro Monat. Abonnements können im Westfalen-Tarif bis zum 15. eines Monats für den nächsten Monat bestellt werden. Im Westfalen-Tarif läuft noch bis zum 15. Juni die Schnupper-Abo-Aktion. Heißt: Für die Abos gilt eine verkürzte Mindestvertragslaufzeit von drei Monaten.

Wie sieht es anderswo in NRW aus?

Die Vorteile gelten auch in anderen ÖPNV-Verbünden, etwa beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) kann der Inhaber ei­nes VRS-Monatstickets im Abo im Juni, Juli und August samstags mit seinem Fahrrad im VRS unterwegs sein, ohne ein Fahrradticket kaufen zu müssen.

Kann man – wie bei einigen Abos möglich – dann auch andere Personen mitnehmen?

Für die Abo-Kunden gilt: Die Zusatzleistungen eines jeweiligen Abonnements, wie die Mitnahme von Personen oder Fahrrädern, bleiben unverändert. Sie gelten aber nur für den ursprünglichen Geltungsbereich des jeweiligen Abos. Außerhalb des Geltungsbereichs gilt das Aboticket als persönliche Fahrkarte der 2. Klasse ohne erweiterte Leistungen. Das gilt nicht nur für die Abo-Kunden in OWL, sondern im gesamten Westfalen-Tarif und NRW. Das Neun-Euro-Ticket beinhaltet keine Zusatzleistungen.

Werden in OWL zusätzliche Busse oder Züge eingesetzt, um den erwarteten Ansturm zu bewältigen?

Dazu wird es eher nicht kommen. OWL Verkehr weist darauf hin, dass es dafür weder personelle Kapazitäten gibt noch ungenutzte Züge oder Busse.

Wie viele Bürger haben in der Region in den vergangenen Jahren den ÖPNV genutzt?

Dazu gibt es bezogen auf das Gebiet des Westfalen-Tarifs keine Zahlen, sagt Fritzlar. Generell aber gilt für ganz Deutschland: Die Zahl der Fahrgäste in Bussen und Bahnen ist 2021 erneut gesunken. Wegen Lockdown und Homeoffice-Pflicht waren es so wenige wie zuletzt im Jahr 2004.

Wie sieht die wirtschaftliche Rechnung für die Anbieter des Neun-Euro-Tickets aus?

„Die Bundesregierung hat die Finanzierung des Neun-Euro-Tickets zugesichert“, betont Fritzlar. Man sei hier zwischen Bund und Ländern „in der Klärung.“ Fritzlar: „Wichtig ist, dass die Gelder kurzfristig bei den Verkehrsunternehmen ankommen, um auch die Liquidität der Unternehmen zu sichern. Der Bund muss gewährleisten, dass alle Kosten durch die Förderung ausgeglichen werden.“

Wer betreibt den ÖPNV in der Region OWL?

Es gibt diverse Verkehrsunternehmen – darunter sind etwa Mobiel in Bielefeld, die Bahn-Tochter BVO, die Eurobahn oder die Nordwest-Bahn. OWL Verkehr fungiert als Servicegesellschaft für über 20 Bus- und Zugunternehmen in den Kreisen Herford, Gütersloh, Lippe, Minden-Lübbecke und der Stadt Bielefeld.

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