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Ab 1. Dezember neuer e-Tarif im öffentlichen Nahverkehr

Nicht viel günstiger, aber unkompliziert

Werther/Steinhagen

Ein e-Tarif im öffentlichen Nahverkehr, in dem kommunale Grenzen wegfallen und die Entfernung in Luftlinie gemessen wird? Die Ankündigung lässt aufhorchen bei denen, die sich seit Jahren über teure Busverbindungen nach Bielefeld ärgern.

Von Margit Brand

Eine Einzelfahrt zum Bielefelder Hauptbahnhof ist auch in Zukunft kein Schnäppchen. Aber ein e-Ticket umgeht den Tarif-Dschungel.Apps wie OWLmobil können den Fahrpreis entsprechend der zurückgelegten Strecke künftig direkt berechnen.Stefan Honerkamp ist Geschäftsführer der VVOWL. Foto: Plambeck/pixelio.de

Stefan Honerkamp, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) dämpft zu hohe Erwartungen, verspricht aber zugleich: „Der neue Tarif, der zum 1. Dezember eingeführt werden soll, wird vor allem sehr unkompliziert.“

Luftlinie zählt

Fünf Euro für ein Einzelticket in die große Nachbarstadt – das ist der aktuelle Preis, den man sowohl in Werther als auch in Steinhagen zahlt. GPS hilft künftig, den ganz individuellen Fahrpreis zu berechnen. Wer demnächst in einer Handy-App beim Einsteigen „Check in“ tippt, anstatt ein Ticket zu ziehen, zahlt 1,40 Euro Grundpreis plus 27 Cent pro Luftlinien-Kilometer. Macht am Beispiel vom ZOB in Werther zum Hauptbahnhof Bielefeld ungefähr 4,10 Euro.

Eine Busfahrt in die City wird damit zumindest etwas günstiger, aber noch lange nicht billig. Stefan Honerkamp erläutert die Hintergründe: „Das neue e-Ticket richtet sich an Gelegenheitsfahrer, die sich dann nicht mehr mit mitunter komplexen Tarifstrukturen beschäftigen müssen. Per Abo wird Busfahren weiterhin günstiger bleiben.“

Günstige Tickets sind teuer

So soll vermieden werden, dass aus Stammkunden wieder Gelegenheitskunden werden. Der VVOWL-Chef gibt zu bedenken, dass billige Fahrpreise auf der einen Seite einen hohen kommunalen Zuschussbedarf auf der anderen Seite verursachen. „Anders ausgedrückt: Wenn ein Bäcker seine Brötchenpreise halbiert, wird er sicher mehr verkaufen. Aber werden es so viel mehr sein, dass er den alten Umsatz erreicht?“

Honerkamp blickt nach Bielefeld, wo die Fahrt von Jöllenbeck nach Sennestadt genauso viel kostet wie von Schildesche nach Mitte. „Das hat das Stadtparlament so entschieden und nimmt dafür ein Millionendefizit in Kauf.“ Für den Alltag bedeutet das: Wertheraner werden auch weiterhin neidisch auf die blicken, die kurz hinter Isingdorf jenseits der Stadtgrenze in den Bus nach Bielefeld steigen. Nicht anders ist es zwischen Obersteinhagen und Quelle.

Einstieg in die Zukunft

Stefan Honerkamp betrachtet das e-Tickets vor allem als wichtiges Werkzeug für die Zukunft. „Das ist jetzt erst der Einstieg. Die Technik bietet uns neue Möglichkeiten. Preise und Bedingungen können viel flexibler angepasst werden. Deshalb ist es ein Erfolg, dass sich die vielen Beteiligten bei diesem NRW-weiten Projekt geeinigt haben.“

Er erinnert daran, dass das aktuelle Fahrpreis-System aus einer Zeit stammt, in der es noch keine Smartphones gab. „Als Hilfsmittel wurden die Preisstufen gewählt, die an den Gemeindegrenzen enden. Deshalb auch die Preissprünge.“ In Zukunft werde es darum gehen, bei der Preisgestaltung im wahrsten Wortsinn „weiträumiger“ zu denken. Honerkamp ist überzeugt, dass nicht allein der Preis ausschlaggebend ist für den Umstieg von Auto in den Bus. „Klar, man hat es immer gern noch günstiger. Doch viele schreckt aktuell doch der Tarifdschungel ab. Das fällt bald weg.“

„Bin gespannt“

Zumindest für die Gelegenheitsfahrer. Und auch hier gibt es – zum Glück – ein paar Regelungen. Zum Beispiel die, dass es am Tag nie teurer als 25 Euro werden kann. Oder dass innerhalb einer Kommune 5,50 Euro das Maximum sind.

Wenn am nächsten Donnerstag der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) wie erwartet grünes Licht gibt, kann der e-Tarif zum 1. Dezember starten. Honerkamp: „Ich bin selbst gespannt, wie die Fahrgäste das Angebot annehmen.“

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