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Welt-Nierentag: Fachleute des Paderborner St.-Vincenz-Krankenhauses helfen bei Problemen mit dem Entgiftungsorgan

„Nierenversagen kann jeden treffen“

Paderborn

An diesem Donnerstag, 10. März, ist Welt-Nierentag. Ziel des weltweiten Aktionstages ist es, die Vorbeugung vor Nierenerkrankungen in den Fokus zu rücken. Schnelle Diagnosen sind entscheidend, um eine rasch fortschreitende Krankheit zu erkennen und somit einen Nierenfunktionsverlust zu verhindern.

PD Dr. Alexander Weidemann (Chefarzt der Medizinischen Klinik III) hat Lisa Puphal behandelt. Während ihrer Schwangerschaft mit Linus bekam sie Probleme mit den Nieren. An diesem Donnerstag ist Welt-Nierentag. Foto: St.-Vincenz-Krankenhaus

So war es auch bei der jungen Paderbornerin Lisa Puphal – ihre Geschichte wird dem Team der Nephrologie (Medizinische Klinik III) des St.-Vincenz-Krankenhauses noch lange in Erinnerung bleiben. Die Paderbornerin leidet unter einer Autoimmunerkrankung. Sie ist im siebten Monat schwanger, als sie plötzlich starke Schmerzen im Oberbauch spürte. „Bis dahin hatte ich eine echte Bilderbuchschwangerschaft. Doch plötzlich bekam ich sehr schlecht Luft und merkte, dass etwas nicht stimmte“, so die 29-jährige. Die Ärzte der Frauen- und Kinderklinik St. Louise stellten fest, dass ihre Autoimmunerkrankung in der Schwangerschaft reaktiviert worden war. Um ein weiteres Nierenversagen bei der Mutter zu verhindern, musste schnell reagiert werden: Der kleine Linus wurde frühzeitig in der 30. Schwangerschaftswoche in der Frauen- und Kinderklinik St. Louise auf die Welt geholt. Bei seiner Geburt wog er nur 1485 Gramm.

„Als gelernte Kinderkrankenschwester war mir bewusst, was alles passieren könnte. Die Zeit danach war für mich Kräfte zehrend“, blickt die junge Mutter zurück. Denn auch für Mama Lisa setze sich die Zeit im Krankenhaus fort – sie wurde in die Medizinische Klinik III des St. Vincenz Krankenhauses verlegt. „Frau Puphal hatte mehr als 20 Liter Wasser in ihrem Körper. Da zu diesem Zeitpunkt die Medikamente nicht mehr wirkten, mussten wir ihr das Wasser mit einer Dialysemaschine entziehen. Die Reaktivierung der Autoimmunerkrankung schädigte die Niere, die roten Blutkörperchen und die Blutplättchen. Eine äußerst gefährliche Situation, sodass wir Plasmaaustausch-Therapien durchführten, um die Nierenfunktion zu stabilisieren. Wir konnten die durch die Schwangerschaft ausgelösten Prozesse bremsen“, erklärt PD Dr. Alexander Weidemann, Chefarzt der Medizinischen Klinik III.

Lisa Puphal

„Ich verbrachte fünf Wochen in der Klinik für Nephrologie und pendelte nach meiner Stabilisierung jeden Tag zu Linus zur Kinderintensivstation. Wir sind so dankbar, dass unser Sohn gesund ist. Nach fünf Wochen konnten wir ihn endlich mit nach Hause nehmen.“ Und auch für die Mama gibt es inzwischen gute Nachrichten. „Frau Puphals Nierenfunktion hat sich mittlerweile deutlich gebessert. Statt des Plasmaaustausches ist nun alle zwei Wochen eine Infusion mit einem speziellen Medikament nötig“, so Weidemann.

Das Team der St.-Vincenz-Nephrologie führt selbst hoch spezialisierte Nierenersatzverfahren und Plasmatherapien durch – nach eigenen Angaben jährlich mehr als 6000 Mal. Viele Betroffene sind während ihres Krankenhausaufenthaltes auf eine Dialysetherapie – die „Blutwäsche“ – zur Entgiftung angewiesen. Auch ambulante Patienten mit zusätzlichen schweren Begleiterkrankungen und Komplikationen werden in der St. Vincenz-Dialyseabteilung sicher versorgt.

PD Dr. Alexander Weidemann

„Ein Nierenversagen kann grundsätzlich jeden treffen. Wir möchten dafür sensibilisieren, dass bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung die Schwere der Erkrankung gemindert werden kann. Sehr häufig gehen langfristige Nierenschäden von den Volksleiden Bluthochdruck und Zuckerkrankheit aus. In Deutschland sind mehr als 80.000 Menschen auf eine Dialyse-Therapie angewiesen. Das bedeutet für die Mehrzahl, dass sie sich dreimal in der Woche für mindestens vier Stunden der Behandlung unterziehen müssen. Mehr als 7000 Menschen warten auf die Transplantation“, erklärt Weidemann. Zwar werden im St.-Vincenz-Krankenhaus keine Transplantationen durchgeführt, allerdings liegt Weidemann als ehemaligem Leiter des Transplantationszentrums Köln-Merheim das Thema am Herzen. Er arbeitet eng mit den Transplantationszentren zusammen, um Vorbereitung und Nachsorge für Patienten in der Region weiter zu verbessern.

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