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Umweltministerin Heinen-Esser: „Dauerhaft wieder mit einem stationären Wolf rechnen“ – mit Video

NRW erweitert das „Wolfsgebiet Senne“ erheblich

Düsseldorf/Paderborn

Sie ist gekommen, um zu bleiben: Die Wölfin mit der Kennung GW1897f ist durch wiederholten genetischen Nachweis über einen Zeitraum von sechs Monaten hinweg in der Senne, in OWL und im Eggegebirge nachgewiesen worden. Das Land Nordrhein-Westfalen erweitert nun laut einer Mitteilung von Freitagvormittag das „Wolfsgebiet Senne“.

Symbolbild. Foto: dpa

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser wird mit den Worten zitiert: „Damit können wir in Ostwestfalen im Bereich der Senne dauerhaft wieder mit einem stationären Wolf rechnen.“

Die Wölfin GW1897f hatte am 8. Januar 2021 in Lichtenau vier Schafe gerissen und dabei genetisches Material hinterlassen. Bereits am 16. Oktober 2020 war das Tier erstmals aktenkundig geworden: Die Wölfin wurde durch einen Kotfund in einem Wald bei Altenbeken erfasst. Ob es sich dabei um jenes Tier handelt, das Ende April und Anfang Mai von Waldarbeitern in Lichtenau mit dem Handy gefilmt wurde, ist bislang nicht bekannt.

Schon zuvor hatte sich die Wölfin GW1044f (German Wolf, female) im Bereich des Truppenübungsplatzes Senne dauerhaft angesiedelt. Daher wurde mit Wirkung vom 20. Dezember 2018 das „Wolfsgebiet Senne“ ausgewiesen. Seit mehr als zwei Jahren gibt es von diesem Tier aber keine Spur mehr. Woher sie kam, ist auch unklar. „Die Wölfin ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr im Bezirk“, sagte Thomas Pusch, Wolfsberater für den Kreis Lippe, vor kurzem dieser Zeitung.

Das bestehende „Wolfsgebiet Senne“ wird wegen der neuen Wölfin GW1897f nun zum „Wolfsgebiet Senne-Eggegebirge“ erweitert. Die neue Abgrenzung umfasst jetzt 1667 Quadratkilometer Wolfsgebiet (zuvor 922) und 2827 Quadratkilometer umgebende Pufferzone.

Das Wolfsgebiet Senne - Eggegebirge mit umliegender Pufferzone Foto: LANUV

Das Wolfsgebiet

Das neue Wolfsgebiet umfasst insbesondere den Truppenübungsplatz, den Naturraum Egge und weitere zusammenhängende waldreiche Gebiete sowie folgende Städte und Gemeinden vollständig oder teilweise (Teilbereiche in Klammern):

Stadt Bielefeld: Teil südwestlich der A 2/B 66

Kreis Gütersloh: Schloß Holte-Stukenbrock

Kreis Lippe: Detmold, Horn-Bad Meinberg, Lage, Oerlinghausen, Augustdorf und Schlangen

Kreis Paderborn: Bad Lippspringe, Paderborn, Lichtenau, Altenbeken, Borchen und Hövelhof

Kreis Höxter: Bad Driburg, Brakel (Teilbereich westlich der B252), Nieheim (Teilbereich westlich der B252), Steinheim (Teilbereich westlich der B252), Warburg (Teilbereiche westlich der B252 und der L837) und Willebadessen (Teilbereich westlich der B252)

Die Pufferzone

Die umliegende Pufferzone umfasst die folgenden Städte und Gemeinden vollständig oder teilweise (Teilbereiche in Klammern):

Kreis Gütersloh: Gütersloh, Rietberg und Verl

Hochsauerlandkreis: Marsberg

Kreis Höxter: Beverungen, Borgentreich, Brakel (Teilbereich östlich der B252), Höxter, Marienmünster, Nieheim (Teilbereich östlich der B252), Steinheim (Teilbereich östlich der B252), Warburg (Teilbereiche östlich der B252 und der L837) und Willebadessen (Teilbereich östlich der B252)

Kreis Lippe: Städte Bad Salzuflen, Barntrup, Blomberg, Lemgo, Lügde und Schieder-Schwalenberg, Gemeinden Dörentrup, Extertal, Kalletal und Leopoldshöhe

Kreis Paderborn: Bad Wünnenberg, Büren, Delbrück und Salzkotten

Stadt Bielefeld: Teil nordöstlich der A2/B66

Bei der Neuabgrenzung werden Lichtenau und Borchen (Kreis Paderborn) sowie Bad Driburg und weitere Teile des Kreises Höxter westlich der B252 (bzw. westlich der L857 und L552 als südliche Verlängerung der B252 in Warburg bis zur Landesgrenze) von der bisherigen Pufferzone in das zukünftige Wolfsgebiet „Senne-Eggegebirge“ überführt. Die Stadt Marsberg im Hochsauerlandkreis wird ein neuer Teil der Pufferzone.

Die genaue Lage der Flächen wird auch unter www.wolf.nrw ( „Wolfsgebiet Senne-Eggegebirge“) dargestellt. 

689.000 Euro für Wolfszäune in OWL

Wie im Mai berichtet, nehmen immer mehr Tierhalter in OWL Fördermittel für Vorkehrungen gegen Wolfsangriffe in Anspruch. Rund 689.000 Euro hat die Bezirksregierung bislang ausgezahlt. Damit wurden nach Angaben der Behörde vor allem mobile und stationäre Zäune finanziert. Deutlich geringer ist Entschädigungssumme für die Eigentümer von Tieren, die durch Wolfsrisse in OWL getötet wurden: Hier gab es insgesamt 3803 Euro.

Das Ministerium führt zu Wölfen in Nordrhein-Westfalen und Wolfsgebieten weiter aus:

„Ein Wolfsgebiet wird bei einer festen Ansiedlung von Wölfen ausgewiesen, das heißt, wenn ein Wolf über die Dauer von einem halben Jahr mehrfach in einem Gebiet nachgewiesen werden kann. Die Abgrenzungen hat das zuständige Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW) auf der Grundlage fachlicher Kriterien vorgenommen.

Das Ziel der möglichst großzügigen Abgrenzung inklusive einer Pufferzone ist, für möglichst viele Nutztierhalter den präventiven Herdenschutz mit öffentlichen Geldern zu fördern. Die Förderung des präventiven Herdenschutzes in Nordrhein-Westfalen entspricht dabei dem bundesweiten Standard, der auch in den Ländern angewandt wird, die bereits seit Jahren über Wolf-Vorkommen verfügen. Die Bearbeitung der Anträge für das ‚Wolfsgebiet Senne-Eggegebirge‘ erfolgt durch die Bezirksregierung Detmold, in Marsberg durch die Bezirksregierung Arnsberg.

1995 wurde der erste Wolf und im Jahre 2000 das erste Rudel in Deutschland nachgewiesen. Seitdem wurde kein einziger Angriff auf Menschen belegt. 2009 erfolgte der erste Nachweis eines einzelnen, durchziehenden Wolfs in Nordrhein-Westfalen, 2018 die erste dauerhafte Ansiedlung einer Wölfin am Unteren Niederrhein. Auch hier gab es seitdem keine Gefahr für einen Menschen. Heute befinden sich in Nordrhein-Westfalen und grenzübergreifend zu Nachbarländern mindestens zwei Rudel, ein Paar und ein Einzeltier.

Beim Landesumweltamt (LANUV) können Hinweise auf Wölfe unter Telefon 02361/3050 gemeldet werden. Außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende in der Nachrichtenbereitschaftszentrale des LANUV unter Telefon 0201/714488.

Informationen zum bundesweiten Monitoringstandard, der auch in Nordrhein-Westfalen angewendet wird, gibt es bei der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW): https://dbb-wolf.de/Wolfsmanagement/monitoring

DNA-Proben mit Verdacht auf einen Wolf werden untersucht durch das Senckenberg Forschungsinstitut, das im Auftrag von Bundes- und Landesbehörden als ‚Nationales Referenzzentrum für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf‘ genetische Proben aus ganz Deutschland untersucht.“

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