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Isländische Gastschülerin erlebt deutschen Schulalltag in Bad Driburg

Nur Klassenarbeiten noch auf Papier

Bad Driburg

Inga Rós Suska, die auf Island geboren und aufgewachsen ist, kennt Deutschland und sie kennt Bad Driburg: Ihre Mutter ist in Bad Driburg geboren, ihr Onkel wohnt immer noch hier, ihre Oma lebt in Altenbeken. Jetzt besuchte sie die Gesamtschule Bad Driburg.

Inga Rós Suska (Mitte) und ihre Gastklasse, die 10e der Gesamtschule, mit den Klassenlehrern Christoph Beklas-Deuling und Julia Busse. Foto: Gesamtschule

So kamen Anfang des Jahres die ersten Überlegungen nach einem verlängerten Aufenthalt in der Heimat ihrer Familie auf: „Es war meine Mutter, die mich auf die Idee brachte“, erzählt Inga. „Sie ist selbst Lehrerin und fragte meine Lehrer, ob ich überhaupt für drei Monate in Deutschland zur Schule gehen könnte“, so Inga. Die isländischen Pädagogen gaben sofort grünes Licht und auch die Gesamtschule war sofort bereit, Inga aufzunehmen und in einer 10. Klasse am Unterricht teilnehmen zu lassen.

So hatte Inga Anfang August ihren ersten Schultag. „Es war ein komisches Gefühl, alles war anders: Die Schüler, die Lehrer, das Gebäude, der Unterricht, einfach alles“, erinnert sich die junge Frau an ihre ersten Eindrücke. Hinzu kamen noch sprachliche Probleme: „Deutsch lesen und schreiben fällt mir noch sehr schwer. An das Sprechen habe ich mich mittlerweile gewöhnt,“ berichtet Inga fast akzentfrei.

Sie sei sehr herzlich aufgenommen worden und zeigt sich von der Gastfreundlichkeit ihrer Lehrer und Klassenkameraden begeistert: „Jeder hat mir immer geholfen, wenn ich mal etwas nicht wusste, was am Anfang öfters der Fall war.“ Während sie in Religion und Mathe per Tablet am isländischen Unterricht teilnahm, wurde Inga in allen anderen Fächern an der Gesamtschule unterrichtet.

Dass nicht nur unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen, sondern auch ganz unterschiedliche Schulsysteme, wird besonders deutlich, als Inga den isländischen mit dem deutschen Schulalltag vergleicht. Ihre Schule auf Island ist einzügig und hat insgesamt 140 Schüler. Die Klassenstärke ist mit 14 Personen nur halb so groß und jeder kennt jeden, was daran liegt, dass auf Island alle Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse zusammen bleiben und erst danach, je nach angestrebtem Schulabschluss, die Schule verlassen oder wechseln. „Wir sind fast alle befreundet“, erzählt Inga stolz.

Die Differenzierung in Grund- und Erweiterungskurse, wie sie an der Gesamtschule vorgenommen wird, ist ihr fremd. „Wir sind alle in einem Klassenraum und bleiben es auch. Ich kenne das nicht, dass man die Räume wechselt. Auch die Lehrer kommen zu uns“, ähnlich wie es in Deutschland in der Grundschule der Fall ist. Dadurch sei der Schulalltag ruhiger.

Zum Stichwort Digitalisierung fügt sie hinzu: „Jeder Schüler hat einen eigenen Schul-PC, der in der Schule bleibt. An ihm bearbeiten wir fast alle gestellten Aufgaben, auf Papier wird nicht mehr viel geschrieben, außer Tests oder Klassenarbeiten. Das ist hier anders“, zieht Inga den Vergleich. „Das Schulnetz können wir auf dem Handy nutzen, mit dem wir in der Pause spielen können.“

Ihr Fazit: „Es war eine tolle Erfahrung, auch mal eine andere Schule in einem anderen Land kennenzulernen. Man lernt, dass die eigene Kultur längst nicht alles ist. Ich werde viele Eindrücke und Erfahrungen mit nach Island nehmen.“ Der nächste Aufenthalt in Deutschland steht schon fest: „Nächstes Jahr fahre ich zu meiner Oma, aber nur um Urlaub zu machen“, fügt sie augenzwinkernd hinzu.

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