Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann (Bielefeld) über den Grünen-Bundesparteitag

Nur mal kurz die Welt retten

Bielefeld/Berlin

Sie ist die einzige Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Ostwestfalen-Lippe, und im Parlament sitzt sie in der ersten Reihe – nicht nur körperlich. Britta Haßelmann hat in diesen Tagen noch viel mehr zu tun als sonst.

Von Andreas Schnadwinkel

Grünen-Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann aus Bielefeld. Foto:

Denn an diesem Freitag beginnt die dreitägige, weitgehend digitale Bundesdelegiertenkonferenz, so nennen die Grünen ihren Bundesparteitag.

14. November 2019 in der Stadthalle Bielefeld: das grüne Spitzenduo Annalena Baerbock und Robert Habeck. Foto: Andreas Schnadwinkel

Als parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Fraktion muss sie die 50 Vorlagen kennen, die von den Regierungsfraktionen allein in dieser Woche eingebracht werden, und heute schon an die Zeit nach der Bundestagswahl am 26. September denken. „Wir werden wachsen, da brauchen wir andere Strukturen“, sagt die Bielefelderin. Die Grünen werden von der derzeit kleinsten Fraktion zur mutmaßlich zweitgrößten, basierend auf den aktuellen Umfragen.

Am Sonntag vor Ort dabei

Britta Haßelmann gehört zu denen, die bis Sonntag am Ort des Geschehens sein werden. Die Parteispitze versammelt sich mit 100 Neumitgliedern in einer ehemaligen Berliner Poststation. Applaus-Emojis von den Delegierten an den Bildschirmen können echten Beifall eben nicht ersetzen.

Und lautes Klatschen soll vor allem Annalena Baerbock gut tun. Die grüne Kanzlerkandidatin verliert im Moment auch wegen der zahlreichen Korrekturen in ihrem Lebenslauf an Zustimmung. Gerüchte darüber, dass sie am Wochenende womöglich zugunsten ihres Mitvorsitzenden Robert Habeck auf die Spitzenkandidatur noch verzichten könnte, verweisen die Grünen ins Reich der Fabel.

3200 Änderungsanträge zum Wahlprogramm werden die Partei beschäftigen. Das „Handelsblatt“ schreibt von einer „linken Revolte“. Steckt hinter der Vielzahl der Anträge ein Aufstand der grünen Basis gegen einen befürchteten Realokurs? „Das empfinde ich nicht so. Viele Leute sind bereit, Dinge anders zu denken und anders zu machen. Das wird bei uns lebendig diskutiert, und das zeichnet die Grünen auch aus“, sagt Britta Haßelmann.

Neben „modifizierten Übernahmen“ – so heißen die aus den Anträgen ergänzten Beschlüsse – erwartet sie auch einige Kampfabstimmungen. Prädestiniert dafür sind Tempo 100 auf Autobahnen und 120 Euro für eine Tonne CO2.

Starker Mitgliederzuwachs

„Wenn wir klimagerechten Wohlstand wollen, dann gibt es auch bei uns unterschiedliche Vorstellungen davon, wie schnell und wie ambitioniert das umgesetzt werden kann“, sagt die 59-Jährige. Dass die Basis da besonders radikal unterwegs sei, findet sie nicht: „Ich fühle mich sehr tief verankert in Bielefeld und in OWL, und ich denke, ich kann das beurteilen.“

Die extrem hohe Zahl der Änderungsanträge hänge auch mit dem starken Mitgliederzuwachs zusammen. „Wir haben jetzt 115.000 Mitglieder, vor drei Jahren waren es etwa 60.000. Viele haben Lust, sich auch beim Wahlprogramm einzubringen.“

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