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Corona in Bielefelder Schulen: Nürnberger fordert geänderte Regeln

"Nur noch infizierte Schüler in Quarantäne"

Bielefeld

Bielefelds Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger bezieht Stellung zur Debatte um Corona-Infektionsfälle und Quarantänen in Schulen: Er fordert das Land NRW dazu auf, die Quarantäneregeln zu ändern.

Ingo Nürnberger schlägt vor, dass künftig vorrangig nur noch infizierte Schülerinnen und Schüler in Quarantäne gehen müssen. Foto: Thomas F. Starke

„Wir müssen den Infektionsschutz und die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen neu austarieren. Unser Vorschlag ist, dass künftig vorrangig nur noch die infizierten Schülerinnen und Schüler in Quarantäne gehen müssen", so Nürnberger.

Zu dieser Frage hätte am Dienstag auch in einer Videokonferenz des Städtetags Nordrhein-Westfalen mit den Gesundheitsdezernenten große Übereinstimmung geherrscht. Nürnberger: "Durch die laufenden Tests in Schulen sind wir in der Lage, das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten. Schule ist nicht der Ort, wo sich die Kinder regelmäßig gegenseitig anstecken. Das zeigen die Erfahrungen der letzten Monate, das zeigen auch die ganz aktuellen Zahlen." Am Dienstag habe es in Bielefeld 35 Infektionsfälle in Schulen gegeben. Nur in vier Fällen wäre es mehr als eine Infektion gewesen, was durch das Testen bereits aufgedeckt worden sei.

"Gute Arbeit in den Schulen"

"Wir haben zwar zurzeit sehr hohe Inzidenzen im Kindesalter, Kinder stecken sich aber entweder in der Familie oder im Freizeitbereich an. Die Quarantäneregeln des Landes – 'rechts, links, vorne, hinten' – haben mit der Praxis in den Schulen nicht mehr viel zu tun. Durch die gute Arbeit in den Schulen werden dort Infektionen weitgehend verhindert, vor allem durch Abstandsregeln, gegenseitige Rücksichtnahme und durch die Einhaltung der Maskenpflicht", erklärt Nürnberger.

Das alles würde dafür sprechen, die Quarantäneregeln zu ändern. Nürnberger: "Hier muss das Land tätig werden. Bis dahin werden wir sehr pragmatisch im Einzelfall prüfen, welche Kontaktpersonen in der Schule wir wirklich noch in Quarantäne schicken müssen und werden das auf das absolute Minimum reduzieren. Damit ermöglichen wir möglichst viel Bildungsteilhabe. Außerdem werden wir mit diesem Vorgehen im Gesundheitsamt auch schneller, weil wir uns auf die wirklich brisanten Aufgaben konzentrieren können – insbesondere darauf, dass infizierte Personen, egal ob erwachsen oder Kind, in Quarantäne gehen."

Ähnlich solle auch in den Kitas vorgegangen werden. Dort seien am Dienstag zehn Corona-Fälle registriert worden, sechs davon seien Mitarbeiter gewesen. "Dort können Hygieneregeln nicht so gut eingehalten werden. Aber die Empirie zeigt, dass kleine Kinder sich wenig gegenseitig anstecken, und durch die vielen Stunden draußen und in gut durchlüfteten Räumen wird das Infektionsrisiko ebenfalls vermindert."

Außerdem appelliert Ingo Nürnberger an die Erwachsenen, die viel dazu beitragen könnten, dass die Infektionsrisiken für die Kinder sinken: "Indem sie sich selbst an die Hygieneregeln halten und weiterhin vorsichtig sind. Vor allem auch, indem sie sich impfen lassen, weil das die Verbreitung des Virus eindämmt."

Der städtische Krisenstabsleiter richtet zudem die Bitte an alle Eltern von über 12-Jährigen, "sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob sie ihre Kinder impfen lassen und damit schützen wollen. Der Nutzen für die Kinder überwiegt bei weitem die Risiken."

Bis zum 18. September können sich Erwachsene wie Kinder und Jugendliche noch im Bielefelder Impfzentrum in der Stadthalle impfen lassen. Auch für die notwendigen Zweitimpfungen werde es weiterhin Angebote geben. Nürnberger: "Wir werden zudem weiterhin Impfangebote in den Quartieren machen, auch in Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen.“

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