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Nieheimer informieren sich in Bad Driburg-Herste über Freiflächen-Photovoltaikanlage – Solarpark in ein Biotop „behutsam integriert“

Ökologie und erneuerbare Energien im Fokus

Bad Driburg/Nieheim

„Wir haben den Ratsbeschluss zur Änderung des Flächennutzungsplanes in den Gemarkungen von Oeynhausen und Himmighausen mitgetragen, weil nur so das Verfahren zur Einholung aller Stellungnahmen und Gutachten sämtlicher Träger öffentlicher Belange ordnungsgemäß starten konnte“, sagte Uta Lücking, Fraktionssprecherin der Grünen im Rat Nieheim.

Eine Fraktionssitzung der Grünen gab es jetzt auf der Öko-Freiland-Photovoltaikanlage in Bad Dirburg-Herste. Auch Bürgermeister Johannes Schlütz und andere Gäste aus Nieheim informierten sich vor Ort. Foto: Grüne Foto:

Kürzlich lud man zu einem außerordentlichen Fraktionstreffen in der Freiflächen-Photovoltaikanlage der „Bad Driburg Solar GmbH & Co. KG“ ein. Begrüßt wurde die Delegation aus Nieheim, die ihre Sitzung bewusst für weitere Interessierte aller Ratsfraktionen an diesem Spätnachmittag geöffnet hatte, von Sabine und Ulrich Cassel. Die beiden Landschaftsarchitekten hießen die Besucher willkommen. Vertreter aller Ratsfraktionen, Nieheims Bürgermeister Johannes Schlütz, der Bundestagskandidat der Grünen, Nik Riesmeier, sowie die Fraktionssprecherin der Grünen im Kreistag, Martina Denkner, waren zu dieser Termin im Freien in Gummistiefeln und wetterfester Kleidung coronakonform angereist.

„Bei besonders wichtigen Ratsentscheidungen“, ergänzt Ratsfrau Patricia Arendes-Meyn, „muss das theoretische Wissen, was vorhanden ist, mitunter auch durch solche praktischen Maßnahmen wie eine Besichtigung ergänzt werden. Schön, dass es dieses wunderbare Vorzeigeprojekt auch noch fast vor der Haustür gibt.“

Man würde schnell erkennen, dass sich die Herster Anlage auch von den umliegenden Anlagen deutlich unterscheidet. Dort sei nämlich der Solarpark in ein Biotop behutsam integriert worden. „Obgleich die Fläche vorher als eine Gewerbefläche ausgewiesen war, so konnten wir dennoch vollständig den ökologischen Wert eines extensiven Offenlands realisieren“, erklärte Ulrich Cassel den interessierten Zuhörern.

„Hier ist einfach alles anders als in den meisten Anlagen“, sagte Sabine Cassel. „Der Abstand der Modulreihen beispielsweise ist viel breiter, damit Licht einfallen kann und mehr Bewuchs möglich wird. Der Boden ist absolut uneben, so dass es nasse und trockene Bereiche gibt. Fauna und Flora haben sich in den vergangenen zehn Jahren derart einzigartig entwickelt und entwickeln können, dass der Mehrwert dieses Projektes für Natur, Umwelt und Artenvielfalt schon lange den reinen Ertragswert der Stromerzeugung übersteigt.“

Skuddenbeweidung, hochwertige Sekundärnutzung im Bereich der Erzeugung von Bio-Honig und eine lange Liste von wieder vorhandenen seltenen Pflanzen und Tieren stünden dort genauso auf der „Haben-Seite“ wie der Erhalt von sicheren feuchten Lebensräumen für Amphibien wie Feuersalamander, Bergmolche, Grasfrösche und Geburtshelferkröten. Nik Riesmeier: „Selbstverständlich lässt sich dieses einmalige Konzept nicht vollständig auf andere Projekte übertragen, aber es zeigt sehr deutlich, dass bei gutem Willen auf Seiten von Projektierern mit einem klaren Blick auf Ökologie, Artenschutz und Umweltschutz immer mehr möglich ist, als eben der Durchschnitt aller Anlagen hergibt.“ Uta Lücking mit Blick auf die Planungen in Oeynhausen: „Wir sind gespannt, was die Gutachten an Erkenntnissen und Empfehlungen aufzeigen werden.“ Vor Entscheidungen der Politik gehöre daher das Gespräch mit denen, die am meisten betroffen sein werden, so die Grünen.

Kritik gab es zuletzt im Rat Nieheim vor allem an der Größe des Vorhabens in Oeynhausen (ca. 14 Hektar). In einer ersten Stellungnahme der Naturschutzbehörde des Kreises wird das Ausmaß der Anlage kritisch gesehen. Aus Sicht der Behörde wäre eine Fläche von maximal 3,8 Hektar für so eine Freiflächenanlage „gerade noch vertretbar“.

Übrigens: Der neue Solarpark könnte rund 5000 Haushalte mit Strom versorgen. Das würde der Leistung von drei modernen Windkraftanlagen entsprechen.

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