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Die Deportation jüdischer Mitbürger am Beispiel der Familie Kohlberg aus Lauenförde

Opfer des Rassenwahns

Boffzen-Lauenförde

„Alles was wir hatten und liebten ist verloren.“ Das schrieb die Lauenförderin Hilde Kohlberg am 20. Oktober 1941 an ihren in die USA emigrierten Bruder. Wenige Wochen später, nachdem Deutschland den USA den Krieg erklärt hatte, brach die Postverbindung mit ihm ab.

Das Bild zeigt Hilde Kohlberg mit ihrem Sohn Joel. Wann und wie genau sie gestorben sind, ist nicht bekannt. Foto: privat

Der Heimat- und Geschichtsverein Lauenförde möchte in diesen Tagen daran erinnern, dass Menschen aus dem Ort vor 80 Jahren zu den Opfern der vom NS-Regime verübten Verbrechen wurden.

Die Familie Kohlberg war seit dem frühen 18. Jahrhundert in Lauenförde ansässig und betrieb dort zunächst einen Holz- und dann einen Landhandel. Die Familie engagierte sich in den örtlichen Vereinen sowie bei der Gründung der Spar- und Darlehenskasse. Walter Kohlberg war aktives Feuerwehrmitglied und musizierte in der Kapelle der Wehr. Paul Kohlberg starb als Kriegsfreiwilliger im 1. Weltkrieg.

Wenige Jahre der NS-Herrschaft genügten, um die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aller Rechte und ihres Eigentums zu berauben. In der so genannten Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden ihre Wohnungen demoliert, der Strom wurde ihnen abgestellt, die Familienmitglieder schikaniert und beschimpft.

Am 26. März 1942 wurden Hilde Kohlberg, ihr Ehemann Walter, ihr dreijähriger Sohn Joel und ihre Schwiegermutter Hedwig um 6 Uhr morgens von Bodenfelder Polizeibeamten zum Lauenförder Bahnhof gebracht und nach Northeim eskortiert. Möbel, Hausrat, Bekleidung und das weitere Inventar wurden versteigert. Das Wohnhaus nutzten nun die Gemeindeverwaltung und die NSDAP. In der zum Haus gehörenden Scheune waren ukrainische Zwangsarbeiterinnen untergebracht.

Gestapo nimmt alles ab

Von Northeim aus wurde die Familie über Hildesheim in das in der ehemaligen israelitischen Gartenbauschule Ahlem eingerichtete Sammellager transportiert. Dort nahm ihnen die Gestapo die letzten Wertgegenstände und auch die Lebensmittelkarten ab.

Am 31. März 1942 wurden die Menschen aus dem Lager zum Bahnhof Hannover-Fischerhof in Linden gebracht. Dort mussten sie vier Stunden bei strömendem Regen unter freiem Himmel auf das Eintreffen des aus Gelsenkirchen kommenden Zuges warten. 1000 Menschen, unter ihnen viele ältere Menschen und Kindern, waren in den Viehwagen zusammengepfercht worden. Ziel des Transportes war das Warschauer Ghetto. Dort kam er am 1. April 1942 an. Die Wagen mit dem Gepäck hatte das Begleitkommando bereits vorher abgehängt. Im Warschauer Ghetto wurden bis zu 500.000 jüdische Menschen auf nur vier Quadratkilometer zusammengepfercht. 180 bis 300 Kalorien standen den Bewohnern täglich für ihre Ernährung zur Verfügung. Hunger, Infektionskrankheiten und willkürliche Morde forderten täglich unzählige Opfer.

Tausende wurden täglich in das Vernichtungslager gebracht

Vier Monate nachdem Familie Kohlberg in Warschau eintraf, begann die SS mit der „Auflösung“ des Ghettos. Täglich wurden Tausende mit der Bahn in die östlich von Warschau gelegenen Vernichtungslager gebracht und dort nach der Ankunft in Gaskammern ermordet.

Wie Walter, Hilde, Joel und Hedwig Kohlberg umkamen, ist nicht bekannt. 1951 wurden sie für tot erklärt.

„Seit Dezember 2010 erinnern vier Stolpersteine an die Menschen, die einst mit uns lebten. Sie wurden Opfer des Rassenwahns. Ihre einzige Schuld war ihre jüdische Herkunft“ – so endet der Bericht des Heimat- und Geschichtsvereins.

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