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Diözesanes Forum: Erzbistum stellt Zielbild für den Diözesanen Weg 2030+ vor – Immobilienkonzept und Katholische Zentren geplant

Paderborner Erzbischof Becker ruft zu Veränderung auf

Paderborn

Mehr als 650 Teilnehmer aus dem gesamten Erzbistum haben am Samstag an sechs Orten beim Diöze­sanen Forum über die künftige Entwicklung der Diözese diskutiert. Erzbischof Hans-Josef Becker forderte in seiner Begrüßung ein neues kirch­liches Selbstverständnis. „Wir müssen jetzt beweisen, dass wir die Kraft zur Veränderung haben“, sagte Becker.

Von Matthias Band

Im Audimax der Katholischen Hochschule haben sich mehr als 90 Teilnehmer mit allen sechs Schlüsselthemen befasst. Foto: Besim Mazhiqi

Mit dem Diözesanen Forum will das Erzbistum den 2020 begonnenen Diöze­sanen Weg 2030+ fortsetzen und die Weichen für die Zukunft der Kirche von Paderborn stellen. Katholische Zentren

Katholische Zentren

Ein Ergebnis des Forums ist, dass künftig ein Netz von Katholischen Zentren entstehen soll, an denen die wesentlichen Dienste der Kirche hauptamtlich geleistet werden. Darüber hinaus soll Kirche dezentral durch beauftragte Präsenz an vielen Orten auch ohne hauptberufliches pastorales Personal verwirklicht werden. Zudem soll die gottesdienstliche Vielfalt weiterent­wickelt werden, etwa durch besondere Gottesdienste mit Trauernden oder mit Menschen, die sich in Umbrüchen be­finden.

Immobilienkonzept

Ein Immobilienkonzept soll ab 2022 neue Nutzungsmöglichkeiten sowie eine langfristige Reduzierung der etwa 3000 kirchlichen Immobilien im Erzbistum ermöglichen. Ziel sei dabei vor allem die Förderung von Innovation, beispielsweise durch gemischte Nutzungskonzepte. Konkrete Maßnahmen würden sich an den pastoralen Zukunftsperspektiven und damit am Zielbild 2030+ orientieren, teilte das Erzbistum mit. Konkret beschlossen sei hier noch nichts, hieß es.

Beteiligung vor Ort

Über einen Livestream hatten Gläubige und die Öffentlichkeit die Möglichkeit, die Hybridveranstaltung, die digital sowie in Präsenz an sechs Orten in Paderborn, Rietberg, Herford, Dortmund, Werl und Freudenberg stattfand, zu verfolgen. Die Beteiligung der Gläubigen vor Ort sollte so auf größtmögliche Weise sichergestellt werden. Live-Schaltungen zu den Präsenzveranstaltungen sollten die Perspektiven der Kirchengemeinden vor Ort einholen. Zudem konnten digital auch vertiefende Workshops zur Veränderung der pastoralen Praxis besucht werden.

Appell des Erzbischofs

Erzbischof Becker sagte, dass es für ihn wichtig sei, wo und wie Kirche sichtbar und ansprechbar sei. „Wie können wir aus dem Evangelium heraus eine Kirche sein, die für die Menschen da ist?“, fragte er. Die Volkskirche, die uns geprägt habe, laufe in dieser Form aus. Die vielen „beeindruckenden Initiativen“, die in den vergangenen Jahren aus dem Zukunftsbild entstanden seien, seien ermutigend für die Zukunft, betonte Becker. „Da sind Menschen, die glauben, anpacken und Gelegenheiten erkennen und nutzen.“ Auf dem weiteren Diözesanen Weg 2030+ gelte es, „die lebensverändernde Kraft des Evangeliums“ zur Grundlage für neue Weichenstellungen zu machen.

Erzbischof Hans-Josef Becker. Foto: Besim Mazhiqi

Das betreffe nicht nur verbindliche Struktur- und Managemententscheidungen, sondern vor allem auch „unsere Haltung und unser gemeinsames Selbstverständnis“. Viele Menschen hätten an den Schlüsselthemen für die Zukunft des Erzbistums gearbeitet. Durch diese offene Beteiligung seien „kluge Handlungsempfehlungen“ für eine menschennahe Kirche entstanden, sagte Becker: „Veränderung ist möglich. Sie verlangt uns Einiges ab: Mut, Disziplin, Ehrlichkeit, Verbindlichkeit.“

Sechs Schlüsselthemen

Als wesentlich für die Zukunft des Erzbistums wurden im Zielbild 2030+, das auf dem 2014 in Kraft gesetzten Zukunftsbild fußt, sechs Schlüsselthemen identifiziert: „Engagement fördern“, „Pastorale Räume weiter denken“, „Liturgie und Sakramente feiern“, „Leitung wahrnehmen“, „Für Menschen da sein“ und „Corona und die Zukunft der Kirche“. Priorität wird im Zielbild der Spiritualität eingeräumt, die weiter vertieft werden soll. Ziel des Diözesanen Forums ist es, konkrete Handlungsempfehlungen für die Kirchengemeinden zu entwickeln, „damit aus der Kirche wieder erfüllte Menschen kommen“, wie es der Erzbischof formulierte.

Monsignore Dr. Michael Bredeck, Leiter des Bereichs Pastorale Dienste, betonte, dass es für den weiteren Weg wichtig sei, sich „auch ehrlich zu machen“. Er sehe die Aufgabe einer Transformation: „Wir müssen eine Kirche entwickeln, die eine andere Kirche ist.“

Austausch wichtig

In den digitalen Workshops und auch an den sechs Orten wollte das Erzbistum in den Austausch mit den Gemeinden und den Gläubigen kommen und auch deren Rückmeldungen zu dem eingeschlagenen Weg einsammeln. Im Audimax der Katholischen Hochschule NRW in Paderborn diskutierten zum Beispiel mehr als 90 Teilnehmer alle sechs Schlüsselthemen, erklärte Theresa Bartz vom Dekanat Paderborn, die mit für die Organisation an der Hochschule zuständig war.

Moderatorin Barbara Hucht ermuntere die Teilnehmer, kreativ zu sein, auch mal Ideen zu spinnen. „Zwei Pastoralverbünde können auch etwas gemeinsam ausprobieren. „Wir sollten nicht jammern, das können wir bei der Kirche gut, sondern nach vorne schauen“, sagte Hucht.

Pfarrer Dr. Thomas Witt, Leiter des Pastoralen Raumes Elsen/Wewer/Borchen, betonte, dass es wichtig sei, zu erkennen, wozu Kirche und die Gemeinden eigentlich da seien. Gemeindereferentin Monika Konegen sagte, dass sie „Christ sein“ in den Begegnungen mit den Menschen erfahre und dass es wichtig sei, auch von unten nach oben etwas zu bewegen. Anna Jakobsmeyer, die sich in Elsen um die Messdiener kümmert, wandte ein: „Ich weiß nicht, ob das Thema Evangelisierung bei den Jugendlichen so Anklang findet.“ Konegen erläuterte, dass für Kinder und Jugendliche vielmehr das Gefühl für Gemeinschaft wichtig sei, das Kirche auch vermitteln könne. Jakobsmeyer erwiderte: „Wir brauchen aber auch mehr Angebote für Jugendliche, die nicht in Kirche organisiert sind.“

Wie geht es weiter?

Auf dem Diözesanen Weg 2030+ soll es künftig immer wieder Anlässe geben, die Zukunft des Erzbistums gemeinsam zu gestalten. Konkret terminiert sind nach Angaben des Erzbistums bereits Pastoralwerkstätten von 2022 bis 2023 an verschiedenen Orten im Erzbistum, an denen Prälat Thomas Dornseifer, Leiter des Bereiches Pastorales Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat, und Monsignore Bredeck teilnehmen. Die Werkstätten sollen als Angebote zur Arbeit an der Ausgestaltung des Zielbildes in den Pastoralen Räumen dienen. Eine Planungsgruppe in Kooperation von Generalvikariat und den Dekanaten soll das Zielbild weiter in der Fläche bearbeiten.

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