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Lastwagen fahren zur ukrainischen Grenze – erste Flüchtlinge angekommen – Friedensgebet vor dem Rathaus

Paderborner Konvoi mit Hilfsgütern ist unterwegs

Paderborn

Fünf voll beladene Lastwagen mit 200 Feldbetten, Medikamenten, Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Kleidung sind am Dienstagabend in Paderborn gestartet. Ihr Ziel ist die polnische Partnerstadt Przemyśl, unweit der ukrainischen Grenze.

Von Ingo Schmitz

Alle haben mit angepackt, damit der Konvoi starten kann: (von links) Feuerwehr von Stadt und Kreis Paderborn, der Arbeiter-Samariter-Bund, das THW, die Malteser und die Johanniter haben Hand in Hand gearbeitet. Fünf Lastwagen mit zehn Fahrern sind nun unterwegs. Sie werden am Donnerstag wieder zurück erwartet. Foto: Oliver Schwabe

Tausende ukrainische Flüchtlinge sind in dem Nachbarland bereits angekommen. Es sind vor allem Frauen und Kinder, die sich vor den Angriffen der Russen in Sicherheit bringen wollen.

Der Paderborner Hilfstransport wird von Maltesern, Johannitern, Technischem Hilfswerk, Arbeiter-Samariter-Bund sowie den Feuerwehren von Stadt und Kreis Paderborn organisiert und durchgeführt. Er wird an diesem Mittwoch um 12 Uhr im rund 1200 Kilometer entfernten Zielort sehnlichst erwartet.

Landrat Christoph Rüther und Paderborns Bürgermeister Michael Dreier ließen es sich am Dienstagabend nicht nehmen, den überwiegend ehrenamtlichen Hilfskräften persönlich zu danken und die zehn Fahrer mit Gottes Segen zu verabschieden. „Kommen Sie heile wieder“, rief Rüther den Helfern zu.

Erste Flüchtlinge in Paderborn angekommen

Bürgermeister Michael Dreier zeigte sich tief bewegt. „Das, was seit Freitag passiert ist, ist mit Worten nicht zu beschreiben“, sagte er. Damit verwies er einerseits auf den Krieg in der Ukraine. Andererseits betonte er damit die große Welle der Hilfsbereitschaft, die sich in Stadt und Kreis Paderborn auf den verschiedensten Ebenen entwickelt habe. Er stehe mit dem befreundeten Bürgermeister der Grenzstadt Przemyśl im steten Kontakt. Er habe ihm versprochen, dass die Paderborner den Polen bei der Aufnahme der ukrainischen Flüchtlinge helfen werden.

„So etwas habe ich noch nie erlebt. Ihnen gilt mein großer Dank“, sagte Dreier in die Richtung der Hilfsorganisationen, die durch ihre koordinierte Unterstützung Großes geleistet hätten.

Per Muskelkraft wurden am Dienstag die fünf Lastwagen mit den Hilfsgütern beladen. Foto: Oliver Schwabe

Er dankte auch den heimischen Unternehmen, die die Hilfsgüter-Spenden angeliefert hatten. Unter anderem hatte die Krankenhausapotheke Paderlog sechs Paletten mit Schmerzmitteln und Verbandsmaterial zur Verfügung gestellt. Rund 20 Lebensmittelmärkte stellten hunderte Tüten Nudeln, Packungen mit Brühe oder Wasserflaschen zur Verfügung. Auch Windelpakete stapelten sich. All das musste in Listen erfasst und die Paletten beschriftet werden. Vom DRK kamen Kleiderspenden mit Jacken und Kinderkleidung. Insgesamt kamen fast 30 Tonnen Hilfsgüter zusammen.

Bei der Vorbereitung des Konvois packten alle in Paderborn vertretenen Organisationen mit an. „Das funktioniert Hand in Hand, obwohl wir in dieser Form noch nie zusammen gearbeitet haben“, zeigte sich der Koordinator der Aktion, Christian Weidlich von den Maltesern, beeindruckt. „Das ist eine absolute Premiere. Jetzt hoffen wir, dass der Konvoi heile in Przemyśl ankommt und die Lastwagen durchhalten“, sagte er. Vor der Abfahrt beteten alle Akteure mit Landrat und Bürgermeister das „Vater unser“.

Michael Dreier nutzte die Gelegenheit, auch den Bürgern zu danken. Innerhalb eines Tages seien 50.000 Euro auf den von der Stadt eingerichteten Spendenkonten eingegangen. Zu den Spendern zählt der Paderborner-Bürger-Schützenverein von 1831. Oberst Thomas Spieker teilte mit, dass aus den Mitteln des Unterstützungsvereins 1500 Euro für die Anschaffung von Hilfsgütern für Przemyśl übergeben worden seien. „Damit zeigen die Paderborner Schützen ihre Verbundenheit zur Partnerstadt und zu den geflüchteten Menschen aus den Kriegsgebieten in der Ukraine“, hieß es.

Stefanie Friemuth, Stadtbeauftragte der Malteser, bittet die Bürger nun ausdrücklich darum, keine gut gemeinten Sachspenden bei den Hilfsorganisationen anzuliefern. Wer helfen wolle, könne Geld auf die Spendenkonten überweisen, damit davon die passenden Hilfsmittel gekauft werden könnten.

Mehrere hundert Bürger haben sich am Dienstagabend vor dem Rathaus zum Friedensgebet getroffen. Foto: Oliver Schwabe

Am Abend fand vor dem Historischen Rathaus in Paderborn ein Friedensgebet statt, an dem mehrere 100 Bürger teilnahmen – darunter Bürgermeister und Landrat. Aus Przemyśl wurde Bürgermeister Wojciech Bakun zugeschaltet. Von Seiten der Kirchen gestalteten Dechant Benedikt Fischer und Superintendent Volker Neuhoff das Gebet.

Der Konvoi wird am Donnerstagmittag wieder in Paderborn zurück erwartet.

Update: 600 Menschen versammeln sich zum Gebet vor dem Rathaus

Über die aktuelle Entwicklung durch den russischen Angriff auf die Ukraine halten wir Sie in unserem Liveticker auf dem Laufenden.

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