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Erzbistum und Evangelischer Kirchenkreis veröffentlichen Zahlen für 2020: weniger Trauungen, weniger Austritte

Pandemie trifft die Kirchen hart

Paderborn

Die Corona-Pandemie hat bereits spürbare Folgen für das kirchliche Leben im Hochstift hinterlassen. Das geht aus den Statistiken für das Jahr 2020 hervor, die das Erstbistum Paderborn und der Evangelische Kirchenkreis Paderborn veröffentlicht haben. Zwar hielt sich der Rückgang der Kirchenmitgliedszahlen durch Kirchenaustritte, wie bereits berichtet, in Grenzen, doch gab es beispielsweise einen drastischen Rückgang von Trauungen und Taufen.

Symbolbild. Foto: dpa

10.104 Menschen im Erzbistum Paderborn haben laut den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen die Katholische Kirche verlassen. Das sind 3005 Austritte weniger als im Jahr davor. Derzeit sind rund 1,44 Millionen Menschen im Erzbistums Paderborn katholisch – 26.807 Menschen weniger als im Vorjahr. Während die Zahl der Taufen von 9538 im Jahr 2019 im vergangenen Jahr auf 6554 zurückgegangen ist, gab es einen noch deutlicheren Einbruch bei den Eheschließungen. Ließen sich 2019 noch 2393 Paare im Erzbistum trauen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 697 – auch eine Folge der Corona-Pandemie.

Für Generalvikar Alfons Hardt seien diese Zahlen „Motivation und Auftrag, weiter konzentriert daran zu arbeiten, der Welt das Evangelium zu verkünden und den Menschen als Kirche heute ein lebensdien­licher Begleiter zu sein“. Hardt weiter: „Natürlich gilt es, wahr- und anzunehmen, dass sich Kirche offenbar hin zu einer Minderheit in einer mehrheitlich religiös-indifferenten Umwelt entwickelt. Aber das ändert nichts daran, dass wir über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg eine lebendige und vielgestaltige Glaubensgemeinschaft sind und bleiben.“

Naturgemäß führten die Corona-Schutzmaßnahmen auch zu einem deutlichen Rückgang der Gottesdienstbesuche. Gab es 2019 noch 120.863 Besucher bei Gottesdiensten im Erzbistum Paderborn, so waren es 2020 nur noch 72.485. Rückläufig ist außerdem die Zahl der Priester im Erzbistum. Sie sank 2020 von 869 auf 833.

Generalvikar Alfons Hardt

Für Generalvikar Alfons Hardt ist die katholische Kirche stark genug, sich den Herausforderungen zu stellen: „Aus dem Markus-Evangelium habe ich den eindeutigen Auftrag des Herrn im Ohr: ‚Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!‘ Ich erinnere mich daran und weiß auch heute, wie wichtig es ist und wie viel Freude es machen kann, diesen Anspruch zu verfolgen. Vor allem die Freude daran dürfen wir uns als Christinnen und Christen trotz der Herausforderungen nicht nehmen lassen. Wenn nicht wir, wer sonst sollte die Frage nach Gott, nach seiner Liebe und Freiheit in dieser Welt wachhalten?“

Auch der Evangelische Kirchenkreis Paderborn mit rund 77.000 Christen in 14 Kirchengemeinden in den Kreisen Höxter und Paderborn vermeldet größtenteils rückläufige Zahlen. Der stellvertretende Synodal­assessor Claus-Jürgen Reihs aus Bad Wünnenberg äußert sich zu den auffälligsten Entwicklungen: „Corona hat auch im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn zu einem drastischen Rückgang der Taufen und Trauungen geführt. Die Taufen nahmen im Kirchenkreis um 49 Prozent ab. Gab es 2019 noch 683 Taufen im Kirchenkreis, waren es 2020 immerhin noch 348. Bei den kirchlichen Trauungen verzeichnen wir im Kirchenkreis einen Rückgang um 72,4 Prozent – von 127 im Jahr 2019 auf 35 im vergangenen Jahr. Viele Taufen und Trauungen werden nachgeholt. Schon jetzt gibt es Kirchengemeinden, die unter den gelockerten Corona-Schutzmaßnahmen an jedem Wochenende mindestens eine Taufe feiern“, sagt Pfarrer Reihs.

Stellvertretender Synodal­assessor Claus-Jürgen Reihs

Die Mitgliederzahlen seien im Kirchenkreis um 1,5 Prozent zurückgegangen – und zwar von 78.329 im Jahr 2019 auf 77.177. „Damit liegt der Evangelische Kirchenkreis Paderborn deutlich unter dem landeskirchlichen Durchschnitt von minus 2,1 Prozent. „Ich bin dankbar dafür, dass die Bindungskraft der Gemeindeglieder zu den Kirchengemeinden hoch ist, was nicht zuletzt an der engagierten Arbeit vor Ort liegt“, sagt Reihs.

Sterbefälle seien ein vorrangiger Grund für den Rückgang der Mitgliederzahl. „2020 sind 964 Menschen aus unseren Kirchengemeinden verstorben, ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber 2019“, erläutert Reihs. Bestattungen nahmen um 3,1 Prozent ab, von 705 auf 683. Beim Rückgang der Mitgliederzahlen spielten die Austritte im Kirchenkreis Paderborn eine weitere Rolle: Sie gingen mit 664 im vergangenen Jahr allerdings um 15,1 Prozent zurück (2019: 782). Rückläufig war auch die Zahl der Kircheneintritte von 166 auf 97. Reihs: „Auch wenn die Austrittszahlen rückläufig sind, tut jeder Kirchenaustritt weh.“

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