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Gemeindeentwicklungsausschuss hört Vortrag über Bestand und Bedarf – Hiddenhausen ist ein beliebter Wohnort

Passender Wohnraum ist Mangelware

Hiddenhausen

Die Gemeinde Hiddenhausen ist sehr daran interessiert, genügend Wohnraum zu schaffen. Laut Expertenmeinung ist es nicht mal so sehr Menge an Wohnraum, an der es hapert. Vielmehr ist passender Wohnraum Mangelware.

Von Karin Koteras-Pietsch

In Hiddenhausen werden vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut Foto: Daniel MaurerFrauke Schumann

„Keiner soll Hiddenhausen verlassen müssen, weil er sich das Wohnen hier nicht mehr leisten kann – weder junge Familien noch ältere Menschen.“ Dieses Ziel haben sich die Hiddenhauser Grünen auf die Fahnen geschrieben. Wichtig dabei ist ihnen, dass man in der Gemeinde mit den vorhandenen Flächen auskommt.

Vor diesem Hintergrund hatten die Grünen bereits im April den Antrag formuliert, Ziele für den Wohnraumbau zu definieren und Flächenversiegelung zu vermeiden. Die Gemeinde wurde gebeten, Expertenmeinungen hinzuzuziehen. Das ist inzwischen geschehen.

Mit der Erstellung einer kreisweiten Wohnraumbedarfsanalyse wurde die Firma InWIS Forschung & Beratung beauftragt. Diplom-Ingenieurin Regina Höbel von der Firma InWIS stellte die Ergebnisse für Hiddenhausen in der jüngsten Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses vor.

Basis für die Analyse, die ihren Fokus eindeutig auf bezahlbaren Wohnraum richtete, waren Daten zum Beispiel aus dem Förderprogramm „Jung kauft Alt“, Auswertungen kommunaler Statistiken, Bevölkerungsprognosen von IT.NRW oder Wohnungsannoncenauswertungen im Portal Immobilienscout 24. „20.000 Annoncen aus sechs Jahren haben wir analysiert“, erklärte Höbel zu letzterem Punkt. Für Hiddenhausen, so die Diplom-Ingenieurin weiter, habe man herausgefunden, dass die Kommune eindeutig von der Nähe zu Bielefeld profitiere. Der Zuzug steige kontinuierlich an. Eine hohe Nachfrage durch Familien sei zu spüren.

Geprägt ist der Bestand an Wohnungen ganz deutlich durch Ein- und Zweifamilienhäuser, damit verbunden eine hohe Eigentümerquote. In Sachen Bauen liegt der Schwerpunkt dementsprechend bei Ein- und Zweifamilienhäusern, diese Zahl bewegt sich hier über dem kreisweiten Durchschnitt.

Bei den durchschnittlichen Mietpreisen schafft es Hiddenhausen auf Platz Drei hinter Herford und Bünde. Gestiegen sind die Preise hier von 5,23 Euro pro Quadratmeter in 2014 auf 6,10 Euro in 2019. Die Eigentümerquote liegt bei 60 Prozent, der Leerstand in den vergangenen Jahren hat deutlich abgenommen, er lag in 2020 bei den Einfamilienhäusern aber immer noch bei 183.

Die hohe Nachfrage nach Eigenheimen von Interessenten aus Bielefeld spricht eindeutig für die Beliebtheit von Hiddenhausen als Wohnort. Der durchschnittliche Angebotspreis liegt in der Gemeinde bei 247.000 Euro für ein Einfamilienhaus, Platz zwei im Kreis Herford hinter Herford.

Die Prognose von Regina Höbel in Sachen Wohnraumbedarf reicht bis ins Jahr 2039. Ihrer Analyse legt sie zugrunde, dass die Hiddenhauser Bevölkerung bis dahin um 3,7 Prozent schrumpft. Rein rechnerisch geht sie vor diesem Hintergrund davon aus, dass bis dahin noch 130 Wohnungen neu geschaffen werden müssen, so dass der Bedarf an Wohnungen gedeckt ist. Allerdings, so räumt die Diplom-Ingenieurin auch ein, bedeutet das nicht, dass jeder Mensch auch die passende Wohnung habe.

So gelte zum Beispiel jeder siebte Haushalt in Hiddenhausen als einkommensschwach, sprich, mehr bezahlbarer Wohnraum muss her. „Viele Wohnungen müssen auch dringend modernisiert werden, zum Beispiel, wenn jemand nach 30 oder 40 Jahren auszieht. Zudem fehlt es an kleinen Wohnungen für Singles, Starterhaushalte oder junge Paare, an barrierefreien Wohnungen oder an Ein- oder Zweifamilienhäusern für Familien“, erläutert die Expertin.

Dass das Thema Wohnraum auch in der Gemeinde Hiddenhausen angegangen werden muss, steht außer Frage. „Als Gemeinde arbeiten wir kontinuierlich daran. Wichtig ist uns, im Inneren der Orte zu bleiben“, meinte Bürgermeister Andreas Hüffmann. Das Stichwort sei „bezahlbar“, sagte Hüffmann und verwies auf das Projekt am Sportplatzweg als gutes Beispiel. Und Eva Hellmann (SPD) warb in Bezug auf dieses und ähnliche Projekten auf Verständnis bei den Anwohnern. Eine Garantie für die freie Sicht aufs Feld gebe es nirgendwo, betonte sie.

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