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Beethovens C-Dur-Messe in der Kaiserpfalz als Auftakt der Internationalen Musiktage am Dom (IMAD)

Persönliches Glaubensbekenntnis

Paderborn

Ursprünglich sollte Ludwig van Beethovens C-Dur Messe op. 86 (1807) bereits im November 2020 aufgeführt werden. Das aktuelle Musikprojekt Internationale Musiktage am Dom (IMAD) hat nun die geeignete Gelegenheit, Beethovens erste Messvertonung, in der Kaiserpfalz zu realisieren.

Von Hermann Knaup

Domkapellmeister Thomas Berning dirigiert in der Kaiserpfalz Beethovens C-Dur-Messe. Am Klavier: Pianist Markus Gotthardt, im Vordergrund die Mitglieder des Streichquartetts der Nordwestdeutschen Philharmonie, im Hintergrund Gesangssolisten und Mitglieder der Domkantore. Foto: Hermann Knaup

Ursprünglich sollte Ludwig van Beethovens C-Dur Messe op. 86 (1807) bereits im November vergangenen Jahres anlässlich des 250. Geburtstages des Komponisten im Paderborner Dom aufgeführt werden. Markus Gotthardt, Pianist und langjähriger Mitarbeiter der Dommusik hatte wegen der Pandemiesituation eigens 2020 eine Fassung für Solisten, Chor und Klavierquintett dieses Werkes erarbeitet.

Erfreulich, dass die Aufführenden dieses Werk ins Programm aufnahmen, steht doch die C-Dur-Messe im internationalen Konzertbetrieb noch immer zu Unrecht im Schatten ihrer großen Schwester, der Missa solemnis in D-Dur, Beethovens zweiter Messvertonung. Das mag in der leidigen Entstehungsgeschichte der C-Dur-Messe, aber auch in der überragenden Bedeutung der genialen Missa solemnis begründet sein.

Die ambitionierte Aufführung der ersten Beethoven-Messe in der Kaiserpfalz offenbarte, dass Beethoven seine Komposition über den Charakter eines Auftragswerkes und einer liturgischen Gebrauchsmusik hinaus als persönliches Glaubensbekenntnis betrachtete. Zwar griff er auf die damals übliche, fünfteilige Abfolge der lateinischen Liturgietexte (Ordinarium) zurück, setzte auch Fugenelemente in Gloria und Credo ein, dennoch zeigte er in dieser Messvertonung neue Wege auf, die ihm wichtig waren. So gewinnen Chorpartien und der Ensemblegesang der Solisten an Bedeutung. Folgerichtig verzichtet Beethoven völlig auf Solo-Arien. Wechsel von charakterisierenden Tonarten, gewagte Harmonien, ungewöhnliche Wechsel von Tempi und Lautstärken sollen dazu beitragen, die Texte der Messe als Glaubensaussagen zu gewichten.

Thomas Berning leitete die Aufführung souverän

Domkapellmeister Thomas Berning leitete die Aufführung souverän mit angemessenen Tempovorgaben, die an keiner Stelle schleppend oder hektisch wirkten. Offensichtlich legte der Dirigent großen Wert darauf, die dramatischen Passagen der Musik adäquat im Sinne der Partitur zur Geltung zu bringen. Damit setzte er sich von manch flacher, schöngeistiger Einspielung des Werkes ab und dürfte mit seiner Interpretation eher den Intentionen des Komponisten entsprochen haben.

Wie immer man zu Bearbeitungen großer Orchesterpartien stehen mag: In der Konstellation dieser Aufführung erwies sich das gelungene Arrangement des originalen Orchesterparts für ein Klavierquintett von Markus Gotthardt als kongenial. So kam die Struktur des Werkes exzellent nuanciert und transparent zur Geltung. Dazu trugen die Instrumentalisten Markus Gotthardt (Klavier) und das Streichquartett der Nordwestdeutschen Philharmonie maßgeblich bei, die bestens aufeinander abgestimmt musizierten.

Kompliment für das zwölfköpfige Solistenensemble

Ein Kompliment gilt insbesondere dem zwölfköpfigen Solistenensemble, dem die renommierten Konzertsängerinnen und Konzertsänger Anna -Sophie Brosig (Sopran), Anne Schuldt (Alt), Michael Connaire (Tenor) und Klaus Mertens (Bass) sowie vier Sängerinnen und vier Sänger der Domkantorei angehörten. Schade, dass die beteiligten Chormitglieder im ansonsten sehr informativen Programmheft nicht namentlich erwähnt wurden. Die immensen Chor- und Solistenanteile wurden zutiefst beeindruckend mit überzeugender Stimmpräsenz makellos und höchst professionell gemeistert. Erstaunlich, welch großartigen Höreindruck eine versierte Minimalbesetzung bewirken kann.

Zwischen den Chorblöcken spielte das Streichquartett der Nordwestdeutschen Philharmonie einzelne Sätze aus Beethovens Streichquartetten op. 18,4 und op. 18,5 und den Quartetten op. 59,2 und 59,3 (Rasumowsky). Die Instrumentalisten hatten Sätze ausgesucht, die musikalisch dem Charakter der vorangegangenen Chorpartien entsprachen und somit wie reminiszierende Meditationen wirkten. Auch hier erlebten die Zuhörer ein bestens aufeinander abgestimmtes und höchst sensibel musizierendes Streicherensemble. Für das gelungene Konzept sowie für die äußerst brillante und einzigartige Aufführung gab es viel begeisterten Applaus.

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