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Radwegepflicht entfällt auf immer mehr Abschnitten der Stadt Paderborn

Radfahrer dürfen mehr Straßen nutzen

Paderborn

Dass man oftmals auf der Straße sicherer radelt als auf dem Radweg, ist eigentlich nichts Neues mehr, könnte man meinen. Bereits seit mehr als zehn Jahren hebt die Stadt Paderborn zur Erhöhung der Sicherheit die Radwegbenutzungspflicht – da wo es nach der Straßenverkehrsverordnung möglich ist – auf.

Auch in Marienloh müssen Radfahrer nicht auf dem Rad-/Gehweg unterwegs sein, sondern können auf der Straße fahren. Foto: Oliver Schwabe

Das bedeutet, dass die blauen runden Verkehrszeichen mit den weißen Fahrradsymbolen, die bisher die Benutzungspflicht eines Radweges anzeigten, an diesen Stellen entfernt wurden. Der Radfahrer hat dann die Wahl, ob er auf der Fahrbahn oder auf dem Radweg fahren möchte.

Für Autofahrer bedeutet das, dass sie mit Radfahrern auf der Straße rechnen und ihnen Platz zugestehen müssen. Besonders für das Überholen von Radelnden gilt aus Sicherheitsgründen nämlich mindestens eineinhalb Meter Abstand halten. Es bestehe nach Wahrnehmung der Stadt fälschlicherweise häufig die Auffassung, dass Radwege im Seitenbereich die Radfahrer besser schützen, dabei sei das Gegenteil der Fall: Wer auf der Straße radele, fahre immer im Sichtfeld des Autofahrers. Die bessere Sichtbarkeit des Radfahrers bedeute somit gleichzeitig mehr Sicherheit.

„Gerade an Einmündungen und Zufahrten entstehen bei Radwegen im Seitenbereich teils kritische Stellen hinsichtlich der gegenseitigen Erkennbarkeit. Auf der Fahrbahn sind die Radfahrer dagegen immer im Blick der Autofahrer. Dies geht auch aus entsprechenden Studien der Unfallforschung hervor“, erklärt Arne Schubert vom Straßen- und Brückenbauamt der Stadt Paderborn. Durch das Radeln auf der Straße werden auch mögliche Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern entschärft. Für viele Autofahrer sei die geänderte Regelung aber immer noch irritierend. Sie seien oftmals der Ansicht, dass ein Radweg immer benutzt werden müsse. Nicht selten werde auch ein aggressives Verhalten gegenüber Radfahrern beobachtet und der gesetzliche Mindestabstand von eineinhalb Metern beim Überholen missachtet.

Hier wünscht sich Arne Schubert mehr Verständnis seitens der Autofahrer und Rücksichtnahme gegenüber den schwächeren Verkehrsteilnehmer. „Radfahrer haben an vielen Stellen im Stadtgebiet das Recht, auf der Straße zu radeln. Auch wenn man sich unter Zeitdruck mit dem Auto gerne mal schnell am Radfahrer vorbeiquetscht, so sollte man bedenken, dass sich das Überholen mit zu geringem Abstand auf dem Fahrrad viel unangenehmer anfühlt, als es sich der Pkw-Fahrer vielleicht vorstellt“, sagt Schubert. Leider gebe es kein Schild dafür, dass die Radwegbenutzungspflicht aufgehoben ist. Ist aber kein blaues Schild mit weißem Fahrradsymbol im Seitenbereich erkennbar, so muss dem Radfahrer Raum auf der Straße eingeräumt werden.

Durch die Straßenverkehrsordnungsnovelle, die zum Ziel hat, die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu erhöhen, sind die Städte dazu verpflichtet, die Radwegbenutzungspflicht zu überprüfen. Nur besondere Gründe können eine Benutzungspflicht aufrechterhalten – zum Beispiel ein zu hohes Verkehrsaufkommen auf der Straße oder eine höhere zulässige Fahrgeschwindigkeit der Kraftfahrzeuge.

In den vergangenen Monaten kamen die Gesselner Straße (An den Brodwiesen bis Elser Hude), der Schatenweg (Dubelohstraße bis Trakehnerstraße), die Steubenstraße und die Fürstenallee hinzu. Um zu verdeutlichen, dass die Radwegbenutzungspflicht an einer Straße aufgehoben wurde und man jetzt die Wahl hat, auf Straße oder Radweg zu radeln, wurden bis vor Kurzem noch Radfahrpiktogramme auf der Straße beziehungsweise auf dem Radweg markiert. Dies ist jedoch aufgrund eines Landeserlasses momentan nicht mehr erlaubt.

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