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Blues- und Soul-Sängerin Kyla Brox beeindruckt in Paderborn mit musikalischer und physischer Präsenz

Rau, direkt und ehrlich

Paderborn

Große Erwartungen hat der Jazzclub in das Konzert der britischen Blues- und Soul-Sängerin und Songwriterin Kyla Brox gesetzt. Schließlich wird sie in England als neuer Shooting Star der Szene gehandelt. Mehrere Blues Awards wurden ihr bereits zuteil. Und die Erwartungen sollten sich erfüllen. Mit beeindruckender musikalischer und physischer Präsenz hatte Kyla Brox den Saal vom ersten Moment an in der Hand.

Die Blues- und Soul-Sängerin Kyla Brox mit (von links) Paul Farr, Mark Warburton und Danny Blomeley. Foto: Volker Kukulenz

Der Jazzclub hatte das Publikum gebeten, sich zusätzlich zu 2G im Vorfeld selbst zu testen. Gute Lüftung und CO2-Ampeln taten ein Übriges, so war das Konzert gut besucht und die Stimmung im großen Saal der Kulturwerkstatt entspannt. Der minimale Aufbau der Band ließ eine klassische Bluesrock-Combo erwarten, wie es sie hundertfach gibt. Doch welch eine Offenbarung: Die drei Instrumentalisten spielten keinen Ton zu viel, aber dermaßen auf den Punkt, dass selbst ein typischer Blues-Shuffle nicht im Geringsten angestaubt klang. So geht Blues im 21. Jahrhundert! Herausragend die Gitarrensoli von Paul Farr, getragen von Mark Warburton am Schlagzeug und Danny Blomeley am Bass.

Kyla Brox stand als Tochter eines professionellen Bluesmusikers schon im Alter von zwölf Jahren mit dem Vater auf der Bühne. „Being A Bluesman’s Child“ erzählt von diesen Zeiten, wo fehlender Schlaf schonmal auf der Schulbank nachgeholt wurde. Wenig später nahm sie einige Jahre Unterricht bei einer Opernsängerin. Diese hätte die junge Kyla gern am Konservatorium gesehen, doch die Liebe zu Blues und Soul war stärker als das Interesse am klassischen Metier. Welch ein Glück, denn diese Kombination erlaubt ihr, von bluesmäßigem Growling in tiefer Alt-Lage bis zu souligen ad-libs in höchste Höhen zu gehen, alles zwischen Etta James und Gladys Knight ist ihr mühelos möglich. So gelingt es der Künstlerin, den Inhalten ihrer Songs eine immense musikalische Tiefe zu verleihen. Gleichzeitig bleibt es das, was Blues und Soul ausmacht – etwas rau, immer direkt und ehrlich.

Als „neue Etta James“ angekündigt, gab es neben Eigenkompositionen eine umwerfende Hommage an das auch nach eigenem Bekunden große Vorbild in Form von „I’d rather go blind“ und als Zugabe eine Interpretation von Cohens „Halleluja“, mit der Kyla Brox das Publikum erst sprachlos und dann in tosenden Applaus ausbrechend zurückließ. So etwas hat man im Jazzclub lange nicht gehört.

Das nächste Konzert soll am 10. Dezember mit Pete Alderton sein. Hinter den Kulissen wird bereits am Programm für 2022 gefeilt. Informationen gibt es auf jazzclub-paderborn.de.

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