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Mutige Aktion von Verkäuferin, Kunden und Passanten nach Überfall in Bielefeld 

Räuber nach 150 Metern Flucht gefasst

Bielefeld

Dank des mutigen Einschreitens einer Verkäuferin (51) und von Kunden sowie Passanten an der Bielefelder Fußgängerzone Niedernstraße ist ein bewaffneter Räuber nach etwa 150 Metern Flucht gefasst worden. Der offenbar stark alkoholisierte Mann hatte zuvor das Lösekann-Modegeschäft an der Niedernstraße 8 unweit des Jahnplatzes überfallen und war mit dem Kasseneinsatz geflüchtet.

Von Jens Heinze

Polizisten führen den gefassten Räuber in den Gefangenentransporter ab. Foto: Jens Heinze

Der Überfall ereignete sich gegen 12 Uhr in der gut besuchten Fußgängerzone. Wie Geschäftsinhaber André Lösekann berichtete, hatte sich ein verwahrlost wirkender Mann durch die Kundschaft geschlängelt und hinter die Kasse direkt am Eingang geschlichen. Dort standen zwei Verkäuferinnen, von denen der Täter eine mit einer größeren Schere am Unterleib  bedrohte und Geld forderte.

Womit der Räuber nicht gerechnet hatte: Eine dritte Verkäuferin stürmte aus dem Geschäft auf den Kriminellen zu, schrie ihn lautstark an und rief gleichzeitig um Hilfe. Der Mann war so überrascht von der Aktion der 51-Jährigen, dass eine Kollegin aus dem Kassenbereich flüchten konnte. Die mutige Verkäuferin zog ihre zweite Kollegin über den Kassentresen, um sie aus dem Gefahrenbereich des Scherenmanns zu bringen.

"Du kannst da nicht stehen und zu gucken, wie eine Kollegin bedroht wird. Ich hatte Angst, dass er sie absticht", erklärte die 51-Jährige ihr mutiges Einschreiten. Der Räuber habe vor seinem Verschwinden den schweren, metallenen Kasseneinsatz aus dem  Tresen gerissen, ihr beim Rausrennen aus dem Geschäft mit einer Hand auf den Kopf geschlagen und sei dann auf der Niedernstraße verschwunden, schilderte die Verkäuferin die dramatischen Minuten.

Zahlreiche Passanten auf der Niedernstraße, die auf das Geschehen aufmerksam geworden waren, und Kunden, die sich beim Überfall aus dem Modegeschäft geschlichen hatten, alarmierten bereits die Polizei, als der Täter noch zu sehen war. Der Mann soll über die Niedernstraße nach links in die Straße Altstädter Kirchplatz und dann wieder nach links in die Renteistraße gelaufen sein. In dem Eckhaus, wo auch eine namhafte Galerie untergebracht ist, versuchte sich der Räuber nach etwa 150 Metern Flucht mit seiner Beute in einer Garage zu verstecken.

Dank Zeugenhinweisen von Verfolgern des Flüchtigen nahmen mehrere uniformierte Schutzpolizisten den stark nach Alkohol riechenden Täter fest. Der wehrte sich offenbar vehement gegen den Polizeizugriff. Nachdem die Uniformierten Pfefferspray gegen ihn eingesetzt und den Kriminellen überwältigt hatten, wurde er in einen Rettungswagen gebracht. Dort spülten Notfallsanitäter dem Räuber die Augen aus.

Anschließend wurde der Täter mit auf den Rücken gefesselten Händen in einen Gefangenentransporter der Polizei geführt und in eine Gewahrsamszelle im Polizeipräsidium gebracht. Im Präsidium  wurde der Mann später vernommen. Aller Voraussicht nach soll der gefasste Räuber dann einem Ermittlungsrichter des Amtsgerichtes zur Verkündung eines U-Haftbefehls vorgeführt werden.

Auch die Beute des Kriminellen - der geraubte Kasseneinsatz samt Inhalt - wurde nach dem missglückten Überfall sicher gestellt. Geschäftsinhaber André Lösekann sprach davon, dass sich in der Kasse ein geringer Bargeldbetrag befunden habe. Dem Strafgesetzbuch zufolge stehen auf derartige Taten mindestens fünf Jahre Haft.

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