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Hans-Jürgen Wessels neuer Vorsitzender des Fördervereins Nationalpark Senne-Eggegebirge

„Region OWL will den Nationalpark“

Bad Lippspringe/Augustdorf

Beim Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge ist eine Ära zu Ende gegangen. Jahrzehntelang war Erdmute von Voithenberg dessen Gesicht. Bei der Jahreshauptversammlung am Samstag in Augustdorf trat sie nach zehn Jahren aus familiären Gründen nicht erneut für das Amt der Vorsitzenden an. Als ihr Nachfolger wurde der ehemalige Altenbekener Bürgermeister Hans-Jürgen Wessels gewählt.

Von Dietmar Kemper

Hans-Jürgen Wessels dankt Erdmute von Voithenberg. Foto:

Er war schon länger Beisitzer und will die Arbeit des Vereins engagiert weiter fortsetzen: „Borkenkäfer, Hochwasserereignisse, Rückgang der Biodiversität – die Menschheit hat die Signale des Klimawandels und der Umweltzerstörung in den letzten Jahrzehnten leider nicht ernst genug genommen. Auch in Deutschland müssen wir unsere Anstrengungen noch deutlich verstärken, sowohl mit Blick auf den CO2-Ausstoß als auch im Hinblick auf den Verlust von Naturraum und Arten. Die Zeit ist reif, das Tor zur Nationalparkentwicklung in der Senne und nördlichen Egge wieder weit zu öffnen.“

Das gehe nicht ohne klaren politischen Willen, die Menschen in OWL und NRW wollten diesen Nationalpark „nachweislich mit großer Mehrheit“, betont Wessels. Wissenschaftliche Gutachten untermauerten dessen Sinnhaftigkeit. Der neue Vorsitzende: „Es wird Zeit, dass wir eine Ministerpräsidentin oder einen Ministerpräsidenten und einen Landtag bekommen, die dies Anliegen der Menschen im Land mit Entschlossenheit voranbringen.“

„Politische Vernetzung von Vorteil“

Erdmute von Voithenberg selbst setzt große Hoffnung in ihren Nachfolger: „Er hat jahrelange Erfahrungen als Bürgermeister in Altenbeken und somit auch in der Verwaltung. Das ist von erheblichem Vorteil für die schwierigen Aufgaben in der Senne. Die politische Vernetzung ist ebenfalls von großem Vorteil. So bilden Dr. Thomas Steinlein und Hans-Jürgen Wessels in Zukunft ein gutes Team als die beiden Vorsitzenden.“

Von Voithenberg hat seit langem ihr Herz an die Senne verloren: „Die Senne beschäftigt mich seit 1980 hauptamtlich mit meiner Tätigkeit bei der Bezirksregierung Detmold in den Bereichen der Raumordnung und Regionalplanung und im Naturschutz und später im Ehrenamt. Die Senne lässt mich einfach nicht los, und so ist mein Engagement das einer Überzeugungstäterin.“ Ihre Arbeit als Vorsitzende sei von Leidenschaft für die Sache, Verantwortungsgefühl und Augenmaß geprägt gewesen. Den Nationalpark habe man trotz Rückschlägen in der öffentlichen Diskussion gehalten. Von Voithenberg erinnert an die vom Verein initiierte Meinungsumfrage im Oktober 2012 durch TNS-Emnid zum Nationalpark Senne-Teutoburger Wald-Egge: 86 Prozent der Befragten in NRW und 76 Prozent in OWL sprachen sich damals für einen Nationalpark aus. Im September 2017 führte der Förderverein mit Partnern ein Symposium zum Thema „Nationalpark und Regionalentwicklung/Tourismus“ in Bad Lippspringe durch, in dem die positiven regionalökonomischen Effekte durch einen Nationalpark betont wurden und der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer ein Plädoyer für den Nationalpark hielt. 2018 wurde die Broschüre „Naturerbe Senne“ veröffentlicht. 2020 und 2021 unterstützte der Förderverein die Volksinitiative Artenvielfalt NRW der drei Landesnaturschutzverbände Nabu, BUND und LNU und sammelte selbst Stimmen. Insgesamt kamen gut 115.000 zusammen.

Geschäftsführerin legt Amt nach fast 20 Jahren nieder

Neben der Vorsitzenden hat auch Ulrike Koch als Geschäftsführerin des Fördervereins aufgehört. Und das nach fast 20 Jahren. In ihre Amtszeit fiel auch die Weiterentwicklung des Prinzenpalais in Bad Lippspringe. Dort sind das Nabu-Natur-Infozentrum Senne und die Ausstellung „Faszination Senne“ untergebracht.

Die aktuellen Sondierungen in Berlin für eine neue Bundesregierung nutzt der Verein, um seine Ziele auch auf Bundesebene zu formulieren: „Wir fordern die Einrichtung eines Nationalparks in OWL in der Senne, dem südlichen Teutoburger Wald und nördlichen Eggegebirge sowie notwendige vorbereitende Naturschutz-Maßnahmen.“ Ob die militärische Nutzung des Truppenübungsplatzes Senne erforderlich sei, müsse rechtlich überprüft und im Hinblick auf den Umfang kritisch hinterfragt werden. Zuletzt hatten die Briten mit dem Hinweis auf die weitere intensive militärische Nutzung der Senne und Flugverkehr Bedenken gegen 13 geplante Windräder des Stephan Prinz zur Lippe an der Gauseköte geltend gemacht.

„Soweit militärisch möglich, sind die Flächen zeitnah dem Naturschutz zur Verfügung zu stellen; sie sollen dem Land NRW (gegebenenfalls der NRW-Stiftung oder der DBU/Naturschutzstiftung David) in die Tranche 4 oder eine neue Tranche 5 des Nationalen Naturerbes und zur Einrichtung eines Nationalparks übergeben werden.“ Dazu auch die Bundesflächen des „Naturschutzgroßprojekts Senne und Teutoburger Wald“ und des Naturschutzgebietes „Moosheide“. Für die verbleibende Zeit der militärischen Nutzung sollten die Flächen, die noch der Bundesverwaltung unterliegen, zur Vorbereitung der Nationalparkentwicklung genutzt und entsprechend bewirtschaftet werden.

Runden Tisch gefordert

Der Verein wünscht sich einen „Runden Tisch Senne“ mit Vertretern von Bundesministerien, Fachbehörden des Landes wie dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv), regionalen ehrenamtlichen Naturschutzakteuren inklusive dem Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge und den Streitkräften. In einem solchen Gremium könnten gemeinsame Lösungen zum Miteinander von militärischer Nutzung und Naturschutz, insbesondere in den Waldflächen, erarbeitet werden.

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