Trecker-Demo vor Kernkraftwerkstor in Würgassen: Bauern legen sich die versprochene grüne Wiese selbst an

Rollrasen statt Riesen-Atommülllager

Würgassen

Rollrasen statt Atommüll: Während einer Traktoren-Demonstration haben Landwirte aus dem Kreis Höxter und Nordhessen am Donnerstagnachmittag vor dem Tor zum ehemaligen Kernkraftwerksgelände in Würgassen gegen das riesige dort geplante zentrale Zwischenlager für 90 Prozent des schwach- und mittelschwer strahlenden Atommülls der bald abgeschalteten deutschen Kernkraftwerke protestiert.

Von Michael Robrecht

Spektakuläre Aktion: Hubertus Hartmann (BI „Lebenswertes Bördeland“) und Josef Jacobi (rechts/deutschlandweit bekannter Biobauer) füllen Saatgut in die Drillmaschine, danach wird Rollrasen für die grüne Wiese am Kernkraftwerkstor ausgelegt. Foto: Michael Robrecht

„Leute, ihr müsst immer wieder protestieren. Nächstes Mal bringen wir noch mehr Trecker mit. Wir haben hier in der Region mehr Traktoren als in Gorleben“, wollte der bundesweit bekannte Bauer Josef Jacobi aus Körbecke seine Sätze durchaus als Drohung verstanden wissen.

30 Jahre protesterprobte Mitstreiter

Dass der 75-jährige Jacobi und seine 30 Jahre protesterprobten Mitstreiter aus der BI „Lebenswertes Bördeland und Diemeltal“ noch immer wissen, wie man viele Medien für eine kreative Anti-Atom-Protestaktion anlockt, das haben sie in Würgassen erneut bewiesen. Wenn schon auf dem Kraftwerksgelände keine grüne Wiese entsteht, dann legten die Protestler sich ihre Grünfläche eben selbst an. Es wurde Erde abgekippt, geeggt, gesät und echter Rollrasen ausgelegt. Fertig war die Protestwiese.

BI-Sprecher Hubertus Hartmann sagte, dass die BI durch die Einsaataktion genau das einfordern wolle, was den Bürgern im Dreiländereck mündlich und schriftlich immer wieder versprochen worden sei: Als letzter Rückbauschritt würden alle Gebäude abgerissen und das KKW-Gelände rekultiviert. Die Pläne für eine 325 Meter lange Halle für Tausende Atommüllcontainer, die dort Jahrzehnte stehen würden, müssten sofort gestoppt werden.Josef Jacobi sagte, dass 600.000 Kubikmeter Schutt ins Zwischenlage kommen könnten. Schacht Konrad habe übrigens nur eine Kapazität von 300.000 Kubikmetern. Er befürchte, dass der Müll dauerhaft in Würgassen in einem einmal bestehenden Zwischenlager stehen bleibe. Die BGZ führe die Bürger doch an der Nase herum.

Scharfe Kritik von Grimm

Scharfe Kritik äußerte Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), die mit den Vertretern der Region bisher nicht ein Gespräch geführt habe. Grimm warf den Planern Arroganz vor. Er verwies darauf, dass die Bezirksregierung Detmold erklärt habe, dass in Würgassen eine solche Halle nicht gebaut werden dürfe. Geltendes Baurecht gelte es zu beachten. Es könne doch nicht sein, dass am Ende zwei staatliche Behörden um das Lager gegeneinander prozessieren würden. Grimm und Jacobi riefen die Bürger auf, im Widerstand nicht müde zu werden. Es müsse weiter gegen die Pläne protestiert werden.

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