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Eckart Hachmann schreibt ein Buch über jüdische Friedhöfe im Warburger Land

Ruhestätten aus der Abschottung holen

Warburg

Selbst im Tode wurden viele Juden abgeschottet. Ihre Friedhöfe wurden oftmals abseits angelegt, etwa an steilen Hängen, in tiefen Tälern oder dort, wo der Boden schlecht war. Dieser Diskriminierung wollte Eckart Hachmann in Buchform entgegentreten – und dazu beitragen, das Leben der Juden im Hochstift sichtbarer machen.

Eckart Hachmann hat ein Buch über jüdische Friedhöfe im Warburger Land und naher Nachbarschaft geschrieben. Foto: Daniel Lüns

Sein neues Buch „Heilige Orte – Jüdische Friedhöfe im Warburger Land und naher Nachbarschaft“ fußt auf einer Begebenheit im Frühjahr 2020. Hachmann, ein Borchener mit Warburger Wurzeln, wollte den jüdischen Friedhof zwischen Herlinghausen und Wettesingen besuchen – und musste dafür erst einmal auf die Suche gehen.

„Der Friedhof war komplett versteckt, abgeschottet“, erklärt er. Gäbe es das dortige, undurchdringliche Grün nicht, so könne man von dort den Blick über das Diemeltal bis zum Eggegebirge schweifen lassen. „Davor herausgehoben Warburg, Wettesingen, Calenberg, die Altstädter Warte und die Holsterburg“, schildert Hachmann.

Da er nur sein Zeichenbuch dabei hatte, hielt der Autor die Szene damit fest. Die Bäume und Sträucher ließ er einfach weg. Künstlerisch rückte er außerdem die Städte näher zusammen – und holte den jüdischen Friedhof damit auch aus der Weite der Landschaft in die Nähe der Orte. Und damit auch der Gesellschaft.

62 DIN-A4-Seiten

Auf Basis dieser Zeichnung malte Hachmann zu Hause ein Aquarell – und machte sich auf den Weg zum nächsten jüdischen Friedhof. Insgesamt besuchte und malte der Autor 19 Friedhöfe im Kreis Höxter. Sein Material reicherte er mit Fotos, Scherenschnitten, Ölbildern und Informationen an und brachte es auf 62 DIN-A4-Seiten zu Papier.

Unter anderem erklärt Hachmann, wo die jeweiligen Friedhöfe zu finden sind. Zudem erfährt der Leser etwa, wie die Grabsteine gestaltet wurden und welche Inschriften darauf zu lesen sind. Auch wird erklärt, wer dort seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Zum Beispiel ist das Grab des berühmten Journalisten Felix Fechenbach, der von den Nazis im Wald zwischen Kleinenberg und Scherfede ermordet wurde, auf dem jüdischen Friedhof in Scherfede-Rimbeck zu finden.

Verkauf passend zur Ausstellung

Manche Ruhestätten haben im Laufe der Jahre auch deutlich gelitten. So sind zum Beispiel vom jüdischen Friedhof in Willebadessen nur noch sieben Grabsteine erhalten, erklärt Eckart Hachmann. Der Friedhof in Volkmarsen sei in der NS-Zeit besonders geschändet worden, nur Reste der Grabsteine seien erhalten geblieben. Aus ihnen sei ein Gedenkstein erstellt worden.

Bezüglich der jüdischen Friedhöfe empfinde er „eine eigenartige Lücke des Erinnerns, des lebendig-emphatischen Austausches, der konkreten Nähe“, schildert der Autor. „Allzu oft habe ich vor Ort erfahren müssen, dass die Existenz des jüdischen Friedhofes vielen Menschen in Stadt und Land kaum oder gar nicht bewusst ist.“ Selbst wenn die Friedhöfe in der Nähe des eigenen Wohnortes liegen. Daher wolle er mit dem Buch Brücken bauen.

„Machen wir die jüdischen Friedhöfe zu einem emphatischen Teil unserer Gegenwart, machen wir sie zu einem Teil unseres Lebens, Teil der Landschaft, in der die Verstorbenen gelebt haben“, sagt Eckart Hachmann.

Das Buch „Heilige Orte – Jüdische Friedhöfe im Warburger Land und naher Nachbarschaft“ kostet acht Euro. Es wird, passend zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung, im Warburger Museum im „Stern“ verkauft.

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