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Paderborner Firma installiert und wartet die Technik in den Logistikzentren – Auftragsbücher gut gefüllt

Samont hält Onlinehandel am Laufen

Paderborn

„Ich könnte sofort 50 Mitarbeiter einstellen“, sagt Jasmin Sarkinovic. Seine Firma Samont Industrieanlagen profitiert vom boomenden Onlinehandel. Unternehmen wie Amazon oder Zalando investieren in neue Logistikzentren und in Fördertechnik, zu der Transportbänder für Pakete und Sortieranlagen gehören.

Von Dietmar Kemper

Die Mitarbeiter Rajko Dajevic (links) und Manuel Voits der Paderborner Firma Samont bauen eine Transportanlage im Paderborner Testzentrum auf. In der EU und darüber hinaus installiert und wartet das Unternehmen die für Logistikzentren erforderliche Technik.Der Chef von Samont Industrieanlagen Jasmin Sarkinovic sitzt auf einem Förderband im Testzentrum in Paderborn. Foto: Dietmar Kemper

Und genau diese Technik installiert, wartet und modifiziert Samont mit Sitz an der Marienloher Straße in Paderborn.

Laut dem Magazin „Focus Business“ gehört das heimische Unternehmen über alle Branchen hinweg zu den 35 umsatzstärksten in Deutschland, und im Bereich Maschinen- und Anlagenbau rangiert es auf Platz 3. „Beim Umsatz haben wir uns von 2015 bis 2020 jährlich verdoppelt“, sagt der Gründer und Geschäftsführer Jasmin Sarkinovic nicht ohne Stolz. Und trotz Corona habe Samont auch 2020 beim Umsatz ein zweistelliges Plus erwirtschaftet. „Wegen der Pandemie haben wir mit vielen Problemen wie Reisebeschränkungen, Hygienevorschriften, Tests und Quarantänepflichten gekämpft“, erzählt der Chef, der aber optimistisch in die Zukunft blickt: „Die Auftragsbücher für die nächsten zwei Jahre sind schon voll.“

Dass sich das in näherer Zukunft ändert, glaubt Jasmin Sarkinovic nicht. Der Onlinehandel werde weiter boomen, längst würden ja nicht mehr nur Bücher und CDs im Internet angeboten, sondern auch Lebensmittel. Die Kunden wüssten den Onlinehandel zu schätzen, „weil es bequem ist und wenig Zeit in Anspruch nimmt“.

Jasmin Sarkinovic stammt aus Montenegro. Seine Eltern kamen Ende der 1960er Jahre als „Gastarbeiter“ nach Deutschland: erst ins Allgäu, 1974 dann nach Paderborn. Der Vater arbeitete bei Benteler. Sein Sohn Jasmin folgte 1989 mit seinen Geschwistern vom Balkan nach. Er machte eine Ausbildung zum Mechatroniker, war erst bei einer Paderborner Firma angestellt, machte sich dann 2001 selbständig und arbeitete als Projektleiter, bis er 2008 die Samont GmbH gründete. Spätestens als Amazon 1999 sein Logistikzentrum im hessischen Bad Hersfeld hochzog, war Jasmin Sarkinovic nach eigenen Worten davon überzeugt, dass für ihn auf diesem Geschäftsfeld viele Chancen liegen. Er behielt recht, mit der Zahl der Aufträge stieg die der festangestellten Mitarbeiter von bescheidenen 20 im Jahr 2014 auf jetzt 120. Über sie hinaus kann Sarkinovic auf ein Netzwerk von Subunternehmen mit rund 400 Arbeitskräften zurückgreifen. Gut 220 Projekte hat die Firma inzwischen realisiert.

Der Chef von Samont Industrieanlagen Jasmin Sarkinovic sitzt auf einem Förderband im Testzentrum in Paderborn. Foto: Dietmar Kemper

Und wie gesagt würde der Chef gerne weitere Bauleiter, Projektmanager, Servicetechniker, Monteure und Bürokaufleute einstellen. Aber das ist schwer, denn Samont Industrieanlagen ist in den Ländern der EU aktiv, aber auch in Asien und Australien. Die Installation von Fördertechnik bei Onlineriesen wie Amazon oder Paketversendern wie UPS dauert Wochen bis Monate. Es seien aber immer weniger Menschen dazu bereit, längere Zeit von zu Hause wegzubleiben, weiß Jasmin Sarkinovic.

Dass ein Fachkräftemangel auf ihn zukommen würde, merkte er schon vor sechs Jahren. Er nutzte ein 2015 von der Bundesregierung aufgelegtes Förderprogramm, wodurch Menschen aus den Ländern des Balkans mit Visum in Deutschland beschäftigt werden dürfen. Mit Hilfe der Stadt Paderborn, des Ausländeramtes und der Agentur für Arbeit konnte Sarkinovic zahlreiche Mitarbeiter gewinnen, die mittlerweile auf den Baustellen im In- und Ausland komplexe Fördersysteme wie Behälter- und Palettenfördertechnik, Regalbedienanlagen und Gepäckbeförderungssysteme installieren.

Anwender dieser Technik sind der Versandhandel, Logistik-Dienstleister, der Einzelhandel und auch Flughäfen. „Wir können 15 Kilometer Fördertechnik in 17 Wochen an einem Standort installieren“, beschreibt der Geschäftsführer ein Beispiel aus der Praxis. Über die Montage hinaus betreut, inspiziert, wartet und repariert Samont jede Art von Förder- und Sortiertechnik. Das gewinnt immer mehr an Bedeutung, weil in immer kürzerer Zeit immer mehr Ware bewegt und auf die Reise zu den Kunden geschickt werden muss. Und das setzt einwandfrei funktionierende Technik voraus. Kommt Sand ins Getriebe der Förderanlagen, muss schnell reagiert werden. Je nach Vertragsinhalt kann das bedeuten, dass Samont-Servicekräfte standby bereitstehen oder Stillstände innerhalb einer vereinbarten Zeit beseitigt werden müssen.

Samont sorgt nicht nur dafür, dass Technik „in Bewegung bleibt“, sondern auch dafür, dass sie umziehen kann. „Relocation“ wird die Verlagerung technischer Anlagen von einem Standort an einen anderen genannt.

Zuletzt richtete die Firma ein Testcenter ein. Hier können Hersteller von Fördertechnik ihre Anlagen in Paderborn von Samont-Mitarbeitern aufbauen und dann testen lassen, ob die Teile zusammen reibungslos funktionieren. Danach werden sie wieder abgebaut und an ihren eigentlichen Bestimmungsort verschickt. Um den Herstellern diese Möglichkeit zu bieten, erwarb Jasmin Sarkinovic 2020 eine 3500 Quadratmeter große Halle an der Talle.

Das Testzentrum soll ein Bekenntnis zum Standort Paderborn sein – so wie die geplante neue Firmenzen­trale, mit deren Bau nur deshalb noch nicht begonnen wurde, weil die Materialpreise zuletzt in die Höhe schossen. „Wir wollen abwarten, bis sich die Lage wieder entspannt“, erläutert der Firmengründer, der Paderborn seine „Heimat“ nennt. Außer in der Domstadt ist Samont mit Niederlassungen in Brühl und Mettmann vertreten.

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