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Kreisfeuerwehrverband Herford hält Rückschau in Hiddenhausen

Sie bieten Sicherheit in unsicheren Zeiten

Hiddenhausen

Die Feuerwehren im Kreis Herford haben in einer unsicheren Zeit weiterhin für die Sicherheit der Bürger gesorgt: Das ist während des 32. Verbandstages des Kreisfeuerwehrverbandes am Samstag in Hiddenhausen-Eilshausen wieder einmal deutlich geworden.

„Familientreffen“ der Feuerwehren im Kreis Herford: Kreisbrandmeister Bernd Kröger, Matthias Kuhle (Geschäftsführer), Frank Rieke (Kirchlengern), Fabian Stadelmann (Hiddenhausen), Klaus Westerholz (Kirchlengern), Dirk Erdbrügger (Kirchlengern), stellv. Kreisbrandmeister Holger Klann, Torsten Stürzebecher (Löhne), Andreas Wiegner (Herford), Dirk Thoeren (Spenge), Klaus Greulich (Spenge) und Klaus Obermann (Bünde) waren zum Verbandstag gekommen. Foto: Jens Vogelsang

110 Delegierte aus den neun Wehren im Wittekindsland und einige Ehrengäste waren zu der Veranstaltung in der Fahrzeughalle der Kreisfeuerwehrzentrale zusammengekommen.

Landrat Jürgen Müller machte in seinem Grußwort die besondere Situation deutlich, in der die Feuerwehrleute durch die Corona-Pandemie weiterhin stecken. „Sie müssen jeden Handgriff immer wieder üben und sind somit auf einen engen Kontakt untereinander angewiesen; denn nur so können Sie sich im Einsatz blind aufeinander verlassen.“ Doch das sei wegen der Kontaktbeschränkungen schwierig. Zuletzt hatten 130 Feuerwehrleute aus dem Kreis Herford die Aufräumarbeiten im Märkischen Kreis während der Hochwasserkatastrophe unterstützt. „Ich möchte mich dafür noch einmal persönlich bei Ihnen bedanken!“

Hiddenhausens Bürgermeister Andreas Hüffmann fand ebenfalls lobende Worte: „Die Menschen stehen hinter euch und wissen eure gute Arbeit zu schätzen.“

Kreisbrandmeister Bernd Kröger erinnerte in seinem Bericht an die Corona-Situation im März 2020. Damals war unter anderem der Übungs- und Ausbildungsbetrieb abrupt gestoppt worden, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. „Wir mussten schnell reagieren, um die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren zu gewährleisten“, schilderte der Feuerwehrchef.

Ein Impfangebot für alle

Anfang April dieses Jahres konnte allen Feuerwehrkräften, die zur Sicherstellung der öffentlichen Ordnung in der Gefahrenabwehr eingesetzt sind, ein Impfangebot unterbreitet werden. Kröger sprach von einem Meilenstein zum Schutz der Feuerwehrleute gegen das Infektionsrisiko und einem großen Schritt zurück zur Normalität. „Mittlerweile haben alle Feuerwehren ihren Regelbetrieb wieder aufgenommen.“ Es sei gelungen, die Mitgliederzahlen stabil und größere Infektionsketten aus den Wehren fern zu halten. Der Kreisfeuerwehrverband zählt momentan allein mehr als 1.500 Aktive. Ein Großteil von ihnen ist ehrenamtlich tätig.

Kröger kam auch auf die Hochwasserkatastrophe vor sechs Wochen zu sprechen. „Gemeinsam geben wir alles, damit andere nicht alles verlieren“: Unter diesem Leitspruch seien zeitweise bis zu 40.000 Helfer gleichzeitig im Einsatz gewesen. Alle Feuerwehrbereitschaften des Landes NRW, darunter die 2. Bereitschaft Herford/Minden-Lübbecke, seien ausgerückt. Spezialkräfte aus dem Kreis Herford seien zudem im Rahmen der Mobilen-Führungsunterstützung (MoFüst) in Bad Neuenahr-Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) und Psychosozialen-Unterstützung (PSU) in Euskirchen im Einsatz gewesen. „Verwüstungen in einem noch nie dagewesenem Ausmaß, fast 190 Todesopfer, dazu das unendliche Leid vieler Betroffener. Wir alle waren von den Ereignissen und Schäden übermannt“, sagte Kröger mit bewegter Stimme.

Sirenen haben nicht ausgedient

Die Feuerwehren aus NRW und aus ganz Deutschland hätten über Tage hinweg alles gegeben. „Ich bin stolz darauf, Mitglied einer solchen Institution zu sein, die so engagiert Hilfe leistet“. Es gelte aber auch, Lehren aus der Katastrophe zu ziehen. Eine Erkenntnis sei sicherlich, dass die Bevölkerungswarnung verbessert werden müsse. Handy-Warn-Apps hätten nicht oder zu spät funktioniert. „Die Sirene vor Ort ist immer noch das beste Warnmittel – auch in der heutigen Zeit“, meinte der Kreisbrandmeister. Außerdem müsse das Gefahrenbewusstsein der Bevölkerung weiter geschärft werden. „Und wir als Feuerwehren müssen mehr denn je Katastrophenlagen trainieren.“

Matthias Kuhle, der an diesem Nachmittag im Amt bestätigte Geschäftsführer des Verbandes, erklärte anschaulich, welche Veränderungen sich durch die Pandemie ergeben haben. „Corona hat viele Aktivitäten auf Eis gelegt. Besonders das kameradschaftliche Beisammensein fehlt uns.“ Er appellierte an die Versammlung, den Zusammenhalt der Einheiten zu stärken.

Der Lehrgangsbetrieb an der Kreisfeuerwehrzentrale endete bereits im September 2020, nachdem die Corona-Zahlen drastisch gestiegen waren. „23 Seminare und Lehrgänge mussten abgesagt werden“, sagte stellvertretender Kreisbrandmeister Holger Klann. Besonders hart traf es die Jugendfeuerwehren. Zwar wechselten im letzten Jahr 32 Jugendliche mit ihrem 18. Geburtstag in die aktive Wehr; doch wegen der Unterbrechung des Dienstbetriebs gab es kaum Neuaufnahmen.

Ein Großteil der 18 Jugendgruppen sei im Sommer 2021 neu gestartet, berichtete Kreisjugendfeuerwehrwartin Natascha Meier während des Verbandstages. „Wir versuchen das Beste aus der derzeitigen Situation zu machen und optimistisch nach vorne zu schauen.“ Anfang Oktober ist für alle Jugendlichen eine Fahrt zum Film- und Freizeitpark Movie Park Germany in Bottrop geplant. „Das soll ein kleines Geschenk für die lange Zeit des Wartens sein“, so Kreisbrandmeister Bernd Kröger.

Ehrenwehrführer Dieter Rethmeier, Ehrenkreisbrandmeister Wolfgang Hackländer, Ehrenkreisbrandmeister Dieter Wilkening, Kreisbrandmeister Bernd Kröger, der stellvertretende Kreisbrandmeister Holger Klann und Geschäftsführer Matthias Kuhle haben auf anspruchsvolle Zeiten der Feuerwehren im Kreis zurückgeblickt. Foto: Jens Vogelsang
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