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Die SPD gewinnt vier Wahlkreise direkt, die CDU drei

So lief die Bundestagswahl in OWL

Die ganz große Überraschung ist in Ostwestfalen-Lippe ausgeblieben: Sechs Bundestagsabgeordnete aus der Region konnten ihr Direktmandat verteidigen. Die SPD konnte den Wahlkreis Lippe I zurückgewinnen.

Von Andreas Schnadwinkel

Kann sich über den Wiedereinzug in den Bundestag freuen:  CDU-Bundestagabgeordneter und Unions-Fraktionsvize  Carsten Linnemann (Mitte). Glückwünsche kommen von , CDU-Kreisvorsitzender Christoph Rüther (links) und Stadtverbandsvorsitzender  Daniel Sieveke. Foto: Jörn Hannemann

In den sieben Wahlkreisen siegen die Sozialdemokraten viermal, dreimal die CDU.

Im Wahlkreis 132 (Bielefeld-Gütersloh II) liegt eine Sozialdemokratin vorne: Wiebke Esdar (SPD) konnte ihren Wahlkreis erneut direkt gewinnen - mit knapp 30 Prozent. Angelika Westerwelle (CDU) und Britta Haßelmann (Grüne) erhielten jeweils um die 22 Prozent.

Klare Sache im Wahlkreis 137 (Paderborn):  CDU-Bundestagsabgeordneter Carsten Linnemann schafft es erneut, den Wahlkreis mit rund 47 Prozent der Erststimmen direkt zu gewinnen. Burkhard Blienert (SPD) kommt auf knapp 19 Prozent.

„Das ist ein ganz bitterer Abend für die CDU. Wir müssen jetzt alles daran setzen, mit den Grünen und der FDP eine Jamaika-Koalition zu bilden als Zukunftsregierung, die für Erneuerung und Aufbruch steht“, sagt Carsten Linnemann über das Bundesergebnis.

Deutlich auch der Vorsprung für den CDU-Kandidaten im Wahlkreis 136 (Höxter - Gütersloh III - Lippe II). Christian Haase aus Beverungen im Kreis Höxter erreicht knapp 40 Prozent - vor Ulrich Kros (SPD) mit rund 28 Prozent. Haase: „Ich habe besser als erwartet abgeschnitten und spüre starke Rückendeckung im Wahlkreis.“

Im Wahlkreis 135 (Lippe I) verpasst Kerstin Vieregge (CDU) mit nur rund 26 Prozent der Erststimmen das Direktmandat und muss hoffen, über die Liste wieder in den Bundestag einzuziehen.  Jürgen Berghahn (SPD) gelingt dies mit etwa 30 Prozent der Erststimmen.

Zum vierten Mal in Folge gelingt es Achim Post (SPD) im Wahlkreis 134 (Minden-Lübbecke I), direkt in den Bundestag gewählt zu werden. Rund 38 Prozent der Erststimmen entfallen auf Post, Oliver Vogt (CDU) kommt auf knapp 26 Prozent.

„Die SPD hat in den letzten Wochen eine wirklich beeindruckende Aufholjagd hingelegt. Nach den ersten Zahlen zeichnet sich ein starkes Mandat für Olaf Scholz als Bundeskanzler ab“, sagt Achim Post und begründet es mit den Gewinnen und Verlusten: „Die SPD gewinnt deutlich gegenüber der letzten Wahl hinzu, die Union verliert massiv. Armin Laschet hat ein historisch schlechtes, gemessen an den eigenen Ambitionen desaströses Ergebnis eingefahren.“ Das Wahlergebnis, so der SPD-Fraktionsvize aus Espelkamp, sei auch Rückenwind für die SPD in NRW im Hinblick auf die Landtagswahl im Mai 2022.

Klare Sache auch für Ralph Brinkhaus (CDU) aus Rheda-Wiedenbrück: Im Wahlkreis 131 (Gütersloh I) erhält der Unions-Fraktionsvorsitzende knapp 40 Prozent. Elvan Korkmaz-Emre (SPD) kommt auf rund 26 Prozent.

Der einflussreichste Politiker aus OWL bedankt sich bei seinen Wählern im Kreis Gütersloh: „Ich möchte dafür danken, dass sie mir wieder ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Ich werde mich weiterhin mit ganzer Kraft in Berlin für meinen Wahlkreis einsetzen.“ Brinkhaus, der auch CDU-Bezirksvorsitzender in OWL ist, zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis in der Region und hätte sich „wirklich ein besseres Ergebnis gewünscht.“ Trotz des Resultats sieht er die Union weiterhin als Regierungspartei. „Das Ergebnis ist enttäuschend. Wir wollen eine Koalition, in der sich Stabilität mit Innovation, zukunftsfähigen Arbeitsplätzen und Klimaschutz verbindet. Daran werden wir nun arbeiten“, so Brinkhaus.

Sein Direktmandat verteidigen konnte auch Stefan Schwartze (SPD) im Wahlkreis 133 (Herford - Minden-Lübbecke II) mit rund 36 Prozent. CDU-Kandidat Joachim Ebmeyer erzielte rund 27 Prozent.

Mindestens sieben Politiker aus OWL schaffen es nach jetzigem Stand über die Landeslisten in den nächsten Bundestag: Britta Haßelmann, Shahina Gambir, Robin Wagener (alle Grüne), Frank Schäffler, Jens Teutrine, Christian Sauter (alle FDP) sowie Udo Hemmelgarn (AfD).

Einer der Wahlsieger ist die FDP. Auf Bundesebene und in OWL. Mit Frank Schäffler (Minden-Lübbecke), Christian Sauter (Lippe) und Jens Teutrine (Herford/Bad Oeynhausen) ziehen drei Kandidaten in den Bundestag ein. Vier werden es nicht, weil Patrick Büker (Kreis Gütersloh) es über Platz 25 der Landesliste nicht geschafft hat. „Das wäre eine Verdoppelung unserer Mandate in OWL gewesen, trotzdem bleibt ein einmaliges Ergebnis für die OWL-FDP“, sagt der Bezirksvorsitzende Schäffler und betont: „Die FDP ist zum ersten Mal in der Geschichte zweimal hintereinander bei einer Bundestagswahl zweistellig. Das ist ein großer Substanzgewinn. Es war uns wichtig, dass es keine linke Mehrheit aus Rot-Grün-Dunkelrot geben wird. Das haben wir erreicht. Und die SPD kann uns mit der Drohung eines Linksbündnisses nicht erpressen.“

Die FDP werde jetzt Sondierungsgespräche mit Union, SPD und Grünen führen und schauen, „welche Inhalte wir in der jeweiligen Konstellation umsetzen können“. Eine Ampelkoalition sieht Schäffler, „wie wahrscheinlich ein Großteil der künftigen FDP-Fraktion, sehr skeptisch“. Inhaltlich habe man mit Grünen und SPD nur wenig Überschneidungen.

Britta Haßelmann (Grüne, Bielefeld) gab zu, dass „wir uns mehr erhofft hätten“. Die Bundestagsabgeordnete zieht als Spitzenkandidatin der NRW-Grünen und Listenerste natürlich wieder ins Parlament ein, wo sie bislang Geschäftsführerin ihrer Fraktion ist. Und Haßelmann wird nicht mehr die einzige Grüne aus OWL in Berlin sein. Über die Liste erhalten auch Robin Wagener aus Lippe und Schahina Gambir aus dem Wahlkreis Minden-Lübbecke I Mandate.

„Das ist das stärkste Ergebnis, das Grüne je erzielt haben. Wir werden eine große Fraktion haben und sind gut darauf vorbereitet. Die Aufgabe ist größer als das Ergebnis. Wir haben ein klares Mandat für Klimaschutz in der Regierung bekommen“, so Britta Haßelmann.

Im nächsten Bundestag ist auch Udo Hemmelgarn von der AfD wieder vertreten. Sein Listenplatz hat – Stand Sonntagabend – gereicht. „Es sieht ganz gut für mich aus. In OWL liegen wir über dem Schnitt von 2017“, freute sich Hemmelgarn.

Dagegen wird Friedrich Straetmanns (Linke) dem Bundestag nicht mehr angehören. Sein Listenplatz hat angesichts des schlechten Ergebnisses der Partei nicht gereicht. Straetmanns: „Ich bin ein bisschen traurig und werde nun vier Monate Übergangsgeld in Anspruch nehmen. Danach werde ich wieder als Richter arbeiten.“

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