Amateurastronom Hubert Hermelingmeier betreibt Privatsternwarte Boker Heide

Sonne, Mond und Sterne über Delbrück

Delbrück

Als sich am Donnerstag in der Mittagszeit der Mond ein Stückchen vor die Sonne schob, hatte Hubert Hermelingmeier aus Delbrück das Teleskop in seiner Privatsternwarte Boker Heide an der Anreppener Straße längst in Stellung gebracht.

Von Jürgen Spies

Hubert Hermelingmeier beobachtete am Donnerstag die etwa zweistündige partielle Sonnenfinsternis Foto: Jürgen Spies

Das nicht alltägliche Himmelsspektakel einer partiellen Sonnenfinsternis lassen sich Amateur­astronomen natürlich nicht entgehen. „In unseren Breiten beträgt die maximale Abdeckung der Sonne durch den Mond heute rund 13 Prozent“, berichtet Hermelingmeier in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Faszination, die Himmelsbeobachtung, Astronomie und Raumfahrt auslösen, hat den 63-Jährigen Delbrücker schon vor 52 Jahren gepackt und seither nie wieder losgelassen. Das einschneidende Erlebnis war die erste Mondlandemission (Apollo 11) im Juli 1969.

„Mein erstes eigenes Teleskop habe ich mir in den frühen 70er Jahren von meinem Taschengeld und einem Zuschuss der Eltern gekauft“, erzählt Hermelingmeier. Er besitzt das gute Stück immer noch, hat sich aber schon vor vielen Jahren im Dach des Wohnhauses an der Anreppener Straße mit viel handwerklichem Geschick seine eigene Sternwarte eingerichtet, mit freiem Blick auf den Südhimmel und unter anderem ausgestattet mit einem Teleskop, mit dem der Amateurastronom auch Objekte einfangen und beobachten kann, die Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt sind. Er besitzt aber auch noch weitere Teleskope, darunter ein Reise­teleskop.

Der Schwerpunkt seiner Beobachtungstätigkeit liegt relativ nahe an der Erde – bei der Sonne, beim Mond und den Planeten. Hermelingmeier: „Auch nach jahrzehntelanger Beobachtung gibt es während der verschiedenen Phasen immer wieder interessante Oberflächendetails zu entdecken. Die Veränderungen in der Planetenatmosphäre des Jupiters, die Bewegung des Großen Roten Flecks, den Tanz der Monde, die Ringstellung des Saturn zu beobachten, ist immer wieder interessant.“

Auch das Erscheinen und Verschwinden von Kometen wie etwa Hale-Bopp (1995) oder Neowise (2020) beeindruckt den Delbrücker, der seine Beobachtungen zwar auch fotografiert, sie aber lieber als Beschreibung oder in Zeichnungen festhält. „Das Zeichnen ist angenehm entspannend“, nennt der Technische Angestellte im Energiemanagement der Firma Miele einen weiteren Aspekt für seine Leidenschaft. „Wer wirklich gute Astrofotografie betreiben möchte, müsste zusätzlich in ein entsprechendes Equipment investieren“, erläutert der Sternenfreund.

Die Beobachtung einer partiellen Sonnenfinsternis wie am Donnerstag ist für Astronomen eine Art schöne Pflichtaufgabe, aber auch nicht wirklich aufregend. Eine totale Sonnenfinsternis dagegen ist weitaus spektakulärer. „Die nächste wird in Deutschland erst wieder 2078 zu sehen sein“, weiß Hubert Hermelingmeier, dessen Privatsternwarte Partnerstation der Planetariumsgesellschaft OWL ist. In Bad Lippspringe leitet der 63-Jährige Führungen auf dem Planetenweg und gibt auch sonst vielfach sein großes Wissen gern weiter.

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