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Paderborns Citymanager will mit allen Interessengruppen die Innenstadt „neu erfinden“

Sorge um Geschäfte in den A-Lagen

Paderborn

Innenstädte erfüllen viele Funktionen – sie sind Aufenthaltsort, dienen der Versorgung, werden bewohnt und bilden zahlreiche Dienstleistungen ab. Schon immer unterliegen Stadtzentren einem stetigen Wandel – am auffälligsten zeigt dieser sich in den Fußgängerzonen großer Städte.

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Die Westernstraße gehört zu den Top-Lagen in Paderborn. Nach Ansicht von Paderborns Citymanager Heiko Appelbaum werden Geschäftsräume in A-Lagen weiter stark nachgefragt werden. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn macht da keine Ausnahme, meint Citymanager Heiko Appelbaum. Er beobachte, dass die Corona-Pandemie die Veränderungen in dem Oberzentrum stark beschleunigt: „Wir erleben in diesen Monaten einen Umschwung, der absehbar zu zahlreichen Veränderungen vor allem im Einzelhandel führt.“ Unter Druck stehe vor allem die Textilbranche mit ihrem hohen Filialisierungsgrad.

„Auch wenn sie von manchen Bürgerinnen und Bürgern kritisch gesehen werden, üben Filialisten eine Magnetwirkung aus und sind daher für eine Fußgängerzone wichtig“, sagt Heiko Appelbaum.

Auch relativ junge Konzepte – wie TK Maxx und Decathlon – gehören nach Angaben des Citymanagers zu den starken Frequenzbringern. Die Mitte April erfolgte Eröffnung der Decathlon-Filiale dürfte nach Appelbaums Einschätzung der Libori-Galerie und dem Kamp als Verbindung zwischen der Galerie und dem Rathausplatz einen Schub geben.

Neueröffnungen in der Pandemie

Dass es auch in der aktuellen Situation Neueröffnungen gibt, ist für Heiko Appelbaum ein gutes Signal: „Hier zeigt sich, dass Paderborn als Oberzentrum mit einem ländlich geprägten Umland für den Einzelhandel nach wie vor sehr attraktiv ist.“ Sorgen bereiten ihm drohende Geschäftsschließungen auch in den bisher unkritischen A-Lagen.

Ein wichtiger Hebel sei dabei die Ladenmiete. „Seit einem Jahr erlebe ich einzelne Zeichen der Solidarität, die von Immobilienbesitzern ausgehen“, freut sich Heiko Appelbaum. „Mitunter wird die Miete gesenkt oder es gibt andere einvernehmliche Lösungen. Dieses Entgegenkommen rettet Existenzen!“

Auf der anderen Seite gebe es aber auch lange Leerstände in guten Lagen. Diese hat der Citymanager im Blick: „Mich erreichen nach wie vor regelmäßig Anfragen nach Ladenlokalen und gerne bin ich dabei Moderator, um Interessierte zusammenzubringen. Durch zahlreiche Kontakte und Vergleiche mit anderen Städten kann ich einschätzen, welche Mieten in welchem Quartier realistisch sind.“

Kippquote liegt bei 20 Prozent

In anderen Innenstädten sei die Transformation, der Wechsel zu neuen Nutzungsformen, in vollem Gange. Bei einem Leerstand von 20 Prozent spreche man von der Kippquote. Dann dauere es nicht lange und ganze Quartiere gingen sprichwörtlich den Bach her­unter.

„In Paderborn ist der Druck noch nicht so hoch, aber wir müssen auf der Hut sein und uns jetzt vorbereiten“, sagt Heiko Appelbaum. Er prognostiziert für die Stadt, dass die A-Lagen – dazu zählt die Westernstraße – weiter stark nachgefragt werden, während in den B-Lagen mit sinkendem Interesse und damit einhergehend einem fallenden Mietpreis-Niveau zu rechnen sei.

Der Citymanager lobt die Zusammenarbeit mit der Werbegemeinschaft, die auch das Ziel verfolge, die Transformation vor allem im Bereich Einzelhandel erfolgreich zu begleiten.

Mieten sinken bundesweit

Bundesweit sei in den Innenstädten von sinkenden Mieten im Bereich der Gewerbeimmobilien auszugehen. „Das könnte neuen Konzepten und Nutzungsformen eine Chance bieten. Werkstattläden, Co-Working-Büros und individuelle Gastronomie könnten Leerstände vor allem in den B-Lagen füllen. Daher dürfte die Corona-Pandemie manchen Innenstädten einen Entwicklungsschub in Richtung Nachhaltigkeit geben, meint Appelbaum.

In Paderborn müssten möglichst schnell alle Interessengruppen an einen Tisch gebracht werden: „Man muss miteinander sprechen und gemeinsam überlegen, was wo möglich ist. Das hat in den vergangenen Monaten bereits an vielen Stellen funktioniert und ich freue mich immer darüber, ins Vertrauen gezogen zu werden. Wir haben jetzt die Chance, unsere Innenstadt in Teilen neu zu erfinden und die müssen wir gemeinsam nutzen.“

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