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Sparkassenkunden legen weniger Geld auf die hohe Kante – Verband: Folge der Inflation

Sparsumme in OWL bricht ein

Münster

Bürger in Ostwestfalen-Lippe können angesichts der Rekordinflation immer weniger Geld auf die hohe Kante legen. Das lässt sich an den Halbjahreszahlen der Sparkassen in der Region ablesen. Wie der Sparkassenverband Westfalen-Lippe am Montag mitteilte, ist die Sparsumme der Privatkunden gegenüber dem Vorjahreszeitraum von fast 4 Milliarden Euro auf nur noch 1,8 Milliarden eingebrochen.

Das Leben ist teurer geworden, deswegen haben die Leute weniger Geld, um es zu sparen. Foto: Cathrin Müller/M.i.S.

Erstmals sei dabei mehr Geld in Wertpapiere (1,3 Milliarden) geflossen als auf klassische Spar- und Girokonten (0,5 Milliarden) – wohl auch als Reaktion auf die Realwertverluste bei Inflationsraten von mehr als 7 Prozent und meist noch fast unverzinster Sparguthaben. „Die hohen Inflationsraten setzen viele Haushalte finanziell unter Druck“, sagt die westfälisch-lippische Sparkassen-Präsidentin Liane Buchholz. Mehr als 40 Prozent der Haushalte sei es gar nicht mehr möglich gewesen zu sparen. Bis Jahresende könne der Anteil wegen weiter steigender Preise und Energiekosten auf bis zu 60 Prozent steigen.

Bei den 13 Sparkassen in OWL verringerte sich die Sparsumme zur Vermögensbildung von Januar bis Ende Juni auf noch 552 Millionen Euro nach 1,04 Milliarden im Vorjahr. Auf Sparkonten flossen dabei unterm Strich lediglich 160 Millionen Euro – gegenüber 695 Millionen im ersten Halbjahr 2021. Positiv war der Saldo nun einzig noch bei Giro- und Tagesgeldkonten, der sich aber binnen Jahresfrist von 570 auf 214 Millionen Euro reduzierte. Bei Termingeldern, Sparbüchern und -briefen wurde unter dem Strich mehr Geld abgezogen als neu angelegt. Bei den Wertpapieren – Aktien, Investmentfonds und Anleihen – wuchs der Nettoabsatz zum Vorjahr um 12,2 Prozent von 349 auf 392 Millionen Euro.

Gefragt waren im Umfeld der Leitzinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) nun auch wieder festverzinsliche Papiere wie Staatsanleihen, während der Absatz von Investmentfonds deutlich zurückging. „Wir erleben unsichere und unklare Zeiten. Das spiegelt das Anlegerverhalten wider“, sagt Buchholz. Ein Teil der Kunden setze nach den Einbrüchen an den Börsen auf Renditechancen, der andere auf hohe Sicherheit. „Für beide Entscheidungen gibt es gute Argumente“, so die Präsidentin. Auch sei im zweiten Quartal die Nachfrage nach Immobilienkrediten abgeflaut.

Nach einem Plus zum Vorjahr von 20 Prozent im ersten Quartal, steht zum Halbjahr für ganz Westfalen-Lippe nur noch ein Zuwachs von 14 Prozent zu Buche. Bei den Sparkassen in OWL liegt der Zuwachs noch bei 11 Prozent – während das Volumen neuer Konsumentenkredite um 18 Prozent auf 300 Millionen Euro gestiegen ist. Derweil fragten auch Firmen verstärkt nach Krediten. Nicht zuletzt wegen zunehmender Lagerhaltung und steigenden Einkaufspreisen erhöhte sich das Kreditneugeschäft im Verband um fast 23 Prozent auf nahezu 8 Milliarden Euro. In OWL vergaben die Sparkassen indes mit 1,7 Milliarden nur knapp 12 Prozent mehr Neukredite als im Vorjahr.

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