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Wissenschaftler der Uni Paderborn befragen Olympioniken und Paralympioniken zum Einfluss von Corona

Sportler sorgen sich um ihre Gesundheit

Paderborn

Mit einem Jahr Verspätung sind die Paralympischen Spiele in Tokio eröffnet worden. Rund 4500 Sportlerinnen und Sportler aus 160 Ländern gehen unter besonderen Umständen an den Start. Schon bei der Vorbereitung auf diesen Höhepunkt hatten die Spitzensportler mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen. Welche Auswirkungen die Pandemie auf das subjektive Wohlbefinden der Athletinnen und Athleten hat und mit welchen Belastungen sie sich konfrontiert sehen, untersuchen Forscherinnen des Arbeitsbereichs Inklusion im Sport an der Universität Paderborn.

Mit einer farbenfrohen Show sind am Dienstag die Paralympics in Tokio eröffnet worden. Rund 4500 Athletinnen und Athleten aus 160 Ländern kämpfen um Medaillen. Foto:

In einer Studie haben die Sportwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Sabine Radtke und Dr. Marie Biermann 1043 Kaderangehörige aus olympischen und paralympischen Sportarten zu Belastungen, Bewältigungsstrategien und Folgen der Coronapandemie befragt. Die Ergebnisse zeigen: Einige Para-Sportler machen sich Sorgen um die eigene Gesundheit und fühlen sich durch den Mangel an Trainingsmöglichkeiten während der Lockdowns nicht optimal auf die Spiele vorbereitet.

Sechs Prozent der Mitglieder des deutschen Paralympics-Kaders, die an der Paderborner Studie teilgenommen haben, gehören nach eigenen Angaben zur Corona-Risikogruppe, verglichen mit nur vier Prozent der Befragten des Olympia-Kaders. Laut Radtke befürchten die Para-Athleten deshalb, im Falle einer Covid-19-Erkrankung von einem schwereren Krankheitsverlauf betroffen zu sein als Sportler ohne Behinderung.

64 Prozent der Befragten aus dem Paralympics-Kader geben an, bei der Vorbereitung auf die Spiele stärker als Athleten ohne Behinderung von den Auswirkungen der Coronapandemie beeinträchtigt gewesen zu sein. Die Sportler begründen das mit dem eingestellten beziehungsweise stark reduzierten Trainings- und Wettkampfbetrieb im Pandemieverlauf, und den – je nach Behinderungsart – nicht vorhandenen Möglichkeiten eines alternativen Trainings. Marie Biermann erklärt: „Sportlerinnen und Sportler mit Prothesen oder im Rollstuhl konnten ihr Training auf der Tartanbahn oder in der Halle nicht einfach durch Jogging auf unebenem Waldboden ersetzen.“

Doch nicht nur das tägliche Training, sondern auch Trainingslager und Wettkämpfe gibt es seit etwa anderthalb Jahren so gut wie nicht mehr. Die aktuelle Studie der Universität Paderborn macht deutlich, dass 40 Prozent der Sportler, die der höchsten Kaderstufe des Deutschen Behindertensportverbands angehören, in den ersten zwölf Monaten der Pandemie an keinem Wettkampf teilgenommen haben. „Es ist nicht verwunderlich, dass angesichts dieser Umstände 14 Prozent der befragten Paralympics-Kadermitglieder im März 2021 darüber nachgedacht haben, ihre Sportkarriere vorzeitig zu beenden“, resümiert Radtke.

Knapp ein Drittel der Mitglieder des Paralympics-Kaders, die an der Umfrage teilgenommen haben, sprachen sich im März dagegen aus, dass die Paralympischen Spiele in diesem Jahr stattfinden. Dabei verwiesen sie unter anderem auf die Proteste von Teilen der japanischen Bevölkerung gegen die Austragung der Spiele trotz Pandemie. Wenige Tage vor der Eröffnungsfeier hat sich die Coronalage in Japan verschlechtert und auch im Paralympischen Dorf gibt es bereits Corona-Fälle. Dazu Radtke: „Bei manchen Paralympics-Teilnehmern schwingt daher die Angst mit, dass ihnen Ähnliches widerfahren könnte wie dem während der Olympischen Spiele positiv getesteten Radsportler Simon Geschke.“

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