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Bad Lippspringer Stadtfest mit einer Ausstellung des Heimatvereins eröffnet

Stadtgeschichte zum Greifen nah

Bad Lippspringe

Auch wenn das am Freitag gestartete Bad Lippspringer Stadtfest eine Nummer kleiner ausfällt, an einer Tradition haben die Verantwortlichen auch in diesem Jahr festgehalten. In einem Ladenlokal am Arminiuspark 3 ist eine Ausstellung zur wechselvollen Geschichte der Badestadt zu sehen.

Von Klaus Karenfeld

Ein Modell, das Alt-Lippspringe etwa um das Jahr 1925 zeigt, ist das Schmuckstück der Stadtfestausstellung (von links): Nico Grosse, Marie Schröder, Herbert Franz Gruber, Dr. Klaus Hölscher und Niclas Püster. Foto: Klaus Karenfeld

Der Heimatverein und die Schülervertretung der Gesamtschule erinnern dieses Mal an die Wiedererlangung der Stadtrechte vor genau 100 Jahren. Schmuckstück der Ausstellung ist ein Modell, das Bad Lippspringe etwa um das Jahr 1925 zeigt.

„Die Idee für diese Ausstellung haben wir bereits Anfang dieses Jahres entwickelt. Ob wir sie auch realisieren könnten, war da coronabedingt noch völlig offen. Das Stadtfest 2021 schien uns aber ein geeigneter Zeitpunkt zu sein“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins, Herbert Franz Gruber.

Gruber fand schnell begeisterte Mitstreiter und Unterstützer. Zu nennen seien Nico Grosse, Sprecher der Schülervertretung, Niclas Püster, sein Stellvertreter, und Marie Schröder, ebenfalls Mitglied der Schülervertretung. Unzählige historische Dokumente, Bilder und Fotografien hat das Team in den vergangenen Monaten gesichtet und thematisch zusammengestellt.

Reise in Vergangenheit

Es ist eine Reise in die Vergangenheit, die 1841 beginnt. In jenem Jahr erließ die preußische Regierung eine folgenreiche Landgemeindeverordnung: Städte sollten zukünftig eine Mindestgröße von 2500 Einwohnern haben. Lippspringe verfehlte diese Vorgabe mit 1600 ortsansässigen Bürgern deutlich. Die Folge: Zwei Jahre später gingen die Stadtrechte verloren, und Lippspringe wurde Teil des neu geschaffenen Amtsbezirks Lippspringe. Dem gehörten im Übrigen auch die Orte Altenbeken, Neuenbeken, Benhausen, Marienloh, Buke und Schwaney an.

Die Entdeckung der ersten Heilquelle gab dem Kur- und Badebetrieb in den folgenden Jahrzehnten deutlichen Auftrieb. Gleichzeitig stieg die Zahl der Einwohner bis zum Ende des Ersten Weltkrieges auf mehr als 4000.

Am 14. Februar 1920 fasste die Gemeindevertretung den Beschluss, „für die Gemeinde Lippspringe die Stadtrechte nachzusuchen als selbstständige Bürgermeisterei und damit aus dem Amtsbezirk Lippspringe auszuscheiden“. Ein entsprechendes Gesuch leitete der Landrat nur kurze Zeit später an die preußische Staatsregierung in Berlin weiter. Eine Reihe langwieriger Verhandlungen folgten. Dann aber, am 8. Februar 1921, traf im Kur- und Badeort die langersehnte Nachricht ein: Bad Lippspringe bekommt seine Stadtrechte endlich wieder zurück.

Kuriose Episoden

Die diesjährige Stadtfestausstellung geht auch auf andere Ereignisse jener Zeit ein. Zu den lustig-kuriosen Episoden zählt der rechtswidrige Versuch der Stadt, 1921 eigenes Notgeld zu drucken und auszugeben. Auch die besondere Geschichte der Liboriusquelle wird thematisiert. Die Heilkraft des Wassers machte Sylvester Hecker am Ende sogar zum päpstlichen Hoflieferanten.

Schmuckstück der Ausstellung aber ist ein Modell im Maßstab 1 zu 43, das den Bereich rund um Lippequelle und Burgruine etwa um das Jahr 1925 zeigt. „Da wird Geschichte lebendig und anschaulich erfahrbar“, freut sich Nico Grosse.

Auch Gebäude, die in den folgenden Jahrzehnten dem Abrissbagger zum Opfer fielen, lassen sich wieder entdecken – die ehemalige Burgmühle zum Beispiel oder das einstige Badehaus Fischer, später erstes Rathaus der Stadt.

Die inzwischen verstorbenen Heimatvereinsmitglieder Johannes Schwarzenberg und Werner Thiele haben das detailgenaue Modell um das Jahr 2000 geschaffen und wenig später dem Heimatmuseum zu treuen Händen übergeben.

Modell zeigt Jahr 1925

Obwohl sich die Corona-Lage aktuell zwar deutlich entspannt hat, fällt das Stadtfest in diesem Jahr eine Nummer kleiner aus. Das hatte auch Auswirkungen auf die Planungen von Heimatverein und Schülervertretung. „Uns war schnell klar, dass wir die Ausstellung nicht vor großem Publikum präsentieren können. Wir haben deshalb alternativ das Schaufenster eines leerstehenden Ladenlokals am Ar­miniuspark mit Fotos und Infotafeln dekoriert. Schmuckstück unserer Präsentation ist natürlich das Modell von 1925, das seit wenigen Tagen die Blicke der Besuchern in der Fußgängerzone auf sich zieht.“

Infostand am Sonntag

Der Umzug des Modells vom Heimatmuseum zum Ladenlokal war eine logistische Herausforderung – das betonen Niclas Püster und Marie Schröder: „Mit vereinten Kräften und viel Vorsicht ist aber alles schadlos vonstatten gegangen.“

Dankbar sind die Detektive der Geschichte auch dem Bad Lippspringer Unternehmer Klaus Hölscher, der ihnen die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung gestellt hat. „Eine so vorbildliche Idee muss unterstützt werden“, betont Hölscher im Gespräch. Auf einem der vielen Fotos ist übrigens auch sein Großvater Johann Karl Hölscher zu sehen, der zu dieser Zeit ehrenamtlicher Bürgermeister Bad Lippspringes war und an den erfolgreichen Verhandlungen über die Wiedererlangung der Stadtrechte maßgeblichen Anteil hatte.

Übrigens: Am Sonntagnachmittag, 10. Oktober, wird der Heimatverein mit einem eigenen Informationsstand vor dem Ladenlokal vertreten sein.

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