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Landrat Christoph Rüther beklagt beim Neujahrsempfang des Kreises Paderborn die Spaltung der Gesellschaft durch die Pandemie

Stille Helden des Alltags ausgezeichnet

Paderborn

er Neujahrsempfang des Kreises Paderborn stand erneut im Zeichen von Corona. „Die Pandemie hat uns ein großes Stück des Zusammenhalts genommen“, bedauerte Landrat Christoph Rüther am Freitag in seiner Rede vor mehr als 200 Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Kultur, die digital zugeschaltet waren. Zudem wurden drei Menschen aus dem Kreisgebiet mit Ehrenamtspreisen ausgezeichnet.

Von Dietmar Kemper

Landrat Christoph Rüther zeichnete Annelie Päschke-Kocar, Christine Niesel und Gerhard Osterholz Foto: Meike Delang/Pressestelle Kreis Paderborn

Der Riss in der Gesellschaft mache die Situation brenzliger als zuvor. Die Stimmung in der Bevölkerung schwanke zwischen Verständnis und Dank für die Anti-Corona-Maßnahmen und Wut angesichts der Einschränkungen. Rü­ther dankte dem Team im Impfzen­trum in Salzkotten, das „Großes geleistet“ und allein bis Ende September 2021 knapp 170.000 Impfungen betreut und ermöglicht habe. Aber auch Arztpraxen und Krankenhäuser hätten 2021 „weit über 100 Prozent“ gegeben, lobte der Landrat.

Von der Pandemie wolle sich die Kreisverwaltung nicht in eine Schockstarre versetzen lassen, sondern sich noch stärker als moderner Dienstleister für die Bürger weiterentwickeln. Als wichtige Betätigungsfelder nannten Rüther und seine Dezernenten die Digitalisierung, den Hochwasser- und Katastrophenschutz sowie Umweltschutz und nachhaltiges Bauen.

Dem Flughafen Paderborn-Lippstadt attestierte Rüther „eine tolle Entwicklung“, neue Verbindungen wie die nach Istanbul würden den Airport noch attraktiver machen. Wie am Donnerstag berichtet, will die Airport-Geschäftsführung im laufenden Jahr die Marke von 250.000 Passagieren schaffen.

Der Landrat zeichnete drei „stille Helden“, die von der Bevölkerung vorgeschlagen worden waren, mit dem Ehrenamtspreis aus. Er ist mit einer Urkunde, einem Blumenstrauß und 1000 Euro verbunden. Christine Niesel, Annelie Päschke-Kocar und Gerhard Osterholz wurden für „vorbildlichen Einsatz für ihre Mitmenschen und die Gemeinschaft“ gewürdigt.

Christine Niesel

Die 1934 geborene Christine Niesel aus Paderborn zeichnet sich nicht nur allein dank ihres Alters aus. Mit ihren 87 Jahren packt sie an drei Tagen in der Woche bei der Tafel Paderborn mit an. Seit 15 Jahren engagiert sie sich dort ehrenamtlich, zunächst an fünf Tagen in der Woche. Die Reduzierung auf drei Tage ist eines der wenigen Zugeständnisse an ihr fortgeschrittenes Alter. „Christinchen“, wie sie liebevoll von ihren Mitstreitern genannt wird, strahle Lebensfreude und Lebensmut aus, hieß es in der Laudatio. Die Erlebnisse in der Nachkriegszeit haben sie geprägt: „Wir hatten nur das, was wir anhatten und mussten betteln gehen.“ Dass Lebensmittel weggeworfen werden, könne die 87-Jährige nicht verstehen.

Annelie Päschke-Kocar

„Den Menschen einfach das Leben so schön wie möglich zu machen“ – das möchte Annelie Päschke-Kocar. Neben weiteren ehrenamtlichen Aufgaben in ihrer Kirchengemeinde oder im Sportverein engagiert sie sich seit ihrem beruflichen Ausscheiden mit großen Einsatz im Haus St. Kunigunde der Caritas Paderborn für Menschen mit Behinderung. Sie gestaltet nach deren Wünschen die Freizeit mit Spielen, Spazierengehen, Ausflügen oder Einkäufen. „Man bekommt sehr viel zurück von den Menschen, und das macht mir Freude“, sagt sie.

Gerhard Osterholz

Gerhard Osterholz ist Niederntudorfer mit Leib und Seele. Seit Jahrzehnten engagiert er sich für sein Heimatdorf. „Niemand kann alleine leben, man hat nur Zukunft, wenn man auch eine Gemeinschaft hat“, sagt Osterholz. Damit diese Gemeinschaft auch einen Ort hat, an dem sie sich treffen kann, war er von Anfang an mit dabei, als die ehemalige Dorfgaststätte erworben und zum Heimathaus „Spissen“ umgebaut wurde. Seit rund zwei Jahrzehnten arbeitet er daran mit, das Haus ständig zu verbessern. Hier organisiert er kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Wanderungen oder Klön- und Spieleabende. 18 Jahre lang war er Vorsitzender des Heimatvereins Niederntudorf.

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