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Landwirte im Kreis Minden-Lübbecke weisen auf ihre Leistungen hin und beklagen zu niedrige Erzeugerpreise

„Tag der Milch“ diesmal nur Symbol

Kreis Minden-Lübb...

Täglich, an 365 Tagen im Jahr liefern sie den weißen Trunk. Die Rede ist von den heimischen Milchkühen und der Milch. Einmal im Jahr ist ihnen ein besonderer Tag gewidmet: Heute, am 1. Juni, wird jährlich in vielen Ländern der Erde am „Internationalen Tag der Milch“ gedacht.

„Für uns Kuhbauern gehören unsere Kühe zum Leben“, sagt Marcel Kölling. Er und seine Eltern bewirtschaften einen Milchviehbetrieb in Bad Oeynhausen. Diesmal können die Landwirte nicht zum Aktionstag einladen. Foto: Landwirtschaftskammer

„Für die Kuhbauern gehören die Kühe zum Leben“, erklärt Rainer Meyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke. „Jeden Tag versorgen sie die Tiere. Sie füttern, melken und schauen, ob alles in Ordnung ist. Für sie ist es selbstverständlich, zu jeder Tages- und Nachtzeit, wenn beispielsweise einer Kuh bei der Geburt ihres Kalbes geholfen werden muss oder sonst etwas mit den Tieren ist, sich um sie zu kümmern.“

Die Milchpreise aber ließen mehr als zu wünschen übrig. Sie seien für die Bauernfamilien schlichtweg unbefriedigend, sagt der Vorsitzende. Der Milchmarkt sei zwar im Aufschwung. Aber einzelne Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) wollten derzeit die Preise drücken – entgegen aller Marktentwicklungen.

Rainer Meyer

„Wir brauchen deutlich höhere und damit faire Erzeugerpreise“, fordert Meyer. Seit 30 Jahren sei der Milchpreis der gleiche und das bei deutlich gestiegenen Kosten. Der Handel diktiere ständig neue Erzeugerkriterien, wolle aber kaum dafür bezahlen. Dieses passe ganz und gar nicht zu der Nachhaltigkeit, mit denen auch der Einzelhandel gerne werbe. Zur Nachhaltigkeit zähle für Meyer ganz eindeutig, „dass die Milchbauern von ihrer Arbeit leben können.“

Spaziergänger und Freizeitsportler sehen im Mai und Juni die Landwirte mit Treckern und Erntemaschinen auf den Grasflächen. Die Bauern nutzen nun das kommende trockenere Wetter für den Grasschnitt. „In diesem Frühjahr war es erst zu kalt“, sagt der Vorsitzende. Die niedrigen Temperaturen hätten das Wachstum der Gräser gebremst. Dann sei es aufgrund der feuchten Witterung schwierig gewesen. Nur vereinzelt konnten bisher trockene Zeitfenster genutzt werden.

„Wir haben endlich mal wieder einen Frühling mit ausreichendem Regen. Das ist gut für die Bäume, die gesamte Natur und die Landwirtschaft“, unterstreicht der Vorsitzende. Nach der alten Bauernregel: „Ist der Mai kühl und nass, füll’s Scheun‘ und Fass“, können die Bauern auch auf eine gute Getreideernte hoffen.

„Das Gras, wird gemäht und als Futter für den Winter eingefahren“, unterstreicht Meyer. Luftdicht verschlossen und gut konserviert ist der erste Grasschnitt, der erste Aufwuchs in diesem Jahr, in der Regel die wichtigste Ernte für die Milchvieh- und Rinderhalter. Dieser stellt die Grundfuttersicherung für den nächsten Winter dar.

Gemähtes Gras für die Silage

Für die Silage bleibt das gemähte Gras ein bis zwei Tage lang liegen, damit es antrocknet. Dann wird es mit dem Ladewagen oder dem Feldhäcksler aufgenommen und zum Fahrsilo transportiert, wo es aufgeschichtet, verdichtet und mit einer Folie luftdicht abgedeckt wird. Sind die Mengen nicht so groß, wird es häufig in Rundballen oder Vierkantballen gepresst und dann mit einem Wickelgerät in Folie eingewickelt.

„Luftdicht verpackt ist die Silage dann bis zum nächsten Frühjahr haltbar“, sagt der Vorsitzende. Abgeschlossen von der Luft läuft der Gärungsprozess ab, die Milchsäuregärung. Dieser ist vergleichbar mit den Prozessen, die sich bei der Herstellung von Sauerkraut abspielen.

Abschließend erinnert Meyer daran: „Nur Wiederkäuer wie Kühe, Rinder oder Schafe können das Gras – das Grünland – für den Menschen nutzbar machen. Sie stellen aus Gras hochwertiges Eiweiß für die menschliche Ernährung her.“ Die Wiederkäuer würden somit einen sichtbaren und wichtigen Beitrag zur Pflege der Kulturlandschaft leisten.

Infos rund um die Kuh

Viele Infos rund um Kühe, wie sie leben, warum sie Ohrmarken tragen oder wie ein Kalb geboren wird, sind im „Agrar-info für Kinder – Landwirtschaft für die ganze Familie“ zu finden. Das Heft ist seit Februar auch digital verfügbar und richtet sich mit kindgerechten Inhalten aus der Landwirtschaft an die jüngste Generation, an interessierte Kinder und Jugendliche. Es erscheint immer am ersten Wochenende des Monats und ist kostenlos. Es kann über eine E-Mail an redaktion@wlv.de abonniert werden.

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