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Quax-Verein baut am Flughafen Paderborn-Lippstadt eine Halle für die Junkers 52

Tante JU bekommt neues Zuhause

Büren

Am Flughafen Paderborn-Lippstadt hat der Verein zur Förderung historischen Fluggeräts wieder seine Türen für die Besucher geöffnet. Oldtimerflugzeuge, Flugzeugteile, Hangar und Räumlichkeiten können angeschaut werden.

Von Johannes Büttner

Werkstattleiter Matt Fulleck mit den beiden Azubis Robin Greune und Carl Vogt an einem der drei Sternmotoren der Junkers 52. Mitte August können Besucher dabei sein, wenn der Rumpf der JU wieder aufs Fahrwerk gestellt wird. Foto: Johannes Büttner

Die Räume stehen den Gästen samstags, sonntags und an den Feiertagen in der Zeit von 12 bis 18 Uhr für eine Besichtigung offen. Auf Wunsch bietet der Verein auch Führungen an. Tickets können direkt am Hangar erworben werden.

Seit November war der Flugzeug-Hangar des Quax -Vereins aufgrund der Pandemie für die Öffentlichkeit geschlossen. In dieser Zeit haben die Vereinsmitglieder ihre Aktivitäten nicht nur weitergeführt. Ihnen ist mit der Übernahme einer JU 52 sogar ein echter Coup gelungen. Die 1936 in den Dessauer Junkers-Werken gebaute Maschine hat ihren neuen und vermutlich auch endgültigen Standort in Ahden gefunden. Zwar ist das Flugzeug seit dem Transport nach Ahden noch in Teile zerlegt, doch das ändert sich. „Wir werden die Maschine wieder in ihrem Originalzustand aufbauen“, sagt Quax-Vorstandsmitglied Peter Sprockhoff.

Vermutlich am Samstag, 21. August, wird der Rumpf der Junkers wieder auf sein Fahrwerk gestellt, so dass die „Quaxe“ endlich mit dem Zusammenbau der großen alten Dame der Luftfahrt beginnen können. Zunächst werden Werkstattleiter Matt Fulleck und sein Team das Fahr- und das Leitwerk anbauen. Anschließend folgen die Tragflächen und später die drei Motoren.

Übernahme der JU 52 ist für den Verein ein echter Glücksgriff

Die Übernahme der JU 52, Eigentümerin bleibt die Deutsche-Lufthansa-Berlin-Stiftung, ist für den Verein zwar ein echter Glücksgriff, aber es gibt auch ein Problem. Die vereinseigenen Räume am Airport reichen nicht aus, um die JU würdig auszustellen. „Wir haben uns daher zum Bau eines neuen Hangars entschlossen“, sagt Sprockhoff. Rund eine Million Euro wird das neue Gebäude, das sich an das bestehende Quax-Gebäude in nördlicher Richtung anschließen wird, kosten. Viel Geld für den 750 Mitglieder zählenden Verein. Umso mehr hoffen diese darauf, dass Flugzeugbegeisterte, Freunde, Förderer und Sponsoren das Projekt unterstützen.

Die JU 52 war im vergangenen Jahr von ihrem Standort Bremen mit Schwerlasttransportern nach Ahden gebracht worden. Die Lufthansa-Stiftung hatte zuvor den Entschluss gefasst, die Maschine im April 2019 außer Dienst zu setzen. Vorausgegangen war der Absturz einer baugleichen Maschine in der Schweiz. Seither bemühte sich der Quax-Verein um die alte Dame. Kein leichtes Unterfangen, denn es gab weitere Interessenten, darunter auch Museen.

Mit der Übernahme des historischen Flugzeugs hat der Verein auch die Aufgabe übernommen, die JU als historisches Verkehrsmittel zu erhalten. Dafür stellt das Land NRW 100.000 Euro an Fördermitteln bereit. Der Rat der Stadt Büren hat bereits beschlossen, die JU 52 in die Denkmalliste aufzunehmen.

Auch die anderen Oldtimerflugzeuge sind faszinierend

Die JU 52 ist zwar der Star im Quax-Hangar, aber auch die anderen Oldtimerflugzeuge sind faszinierend, und alle haben ihre besondere Geschichte. Zwölf Maschinen sind aktuell zur Besichtigung ausgestellt. Jüngst freute sich der Verein über ganz besonderen Besuch. Der 100 Jahre alte Edmund Schmitz nahm in Begleitung einiger Familienangehöriger die Oldtimer in Augenschein. Zu einigen der Flugzeugmuster hat Schmitz eine besondere Beziehung, weil er auf ihnen vor etwa 80 Jahren das Fliegen gelernt hat. Später war er als Pilot bei den Nachtjägern. Auch für die beiden „Quaxe“ Christoph Heggemann und Hubert Schmidt war es ein aufregender Vormittag, weil beiden sehr wohl bewusst war, dass ein Zusammentreffen mit Zeitzeugen aus den frühen 1940er Jahren nicht mehr so häufig zu erleben ist.

Der 100-jährige Edmund Schmitz hat mit großem Interesse und gemeinsam mit Tochter und Schwiegersohn die Ausstellung im Quax-Hangar besucht. Die Extraführung übernahmen gern Christoph Heggemann (rechts) und Hubert Schmidt (links) von den Quaxfliegern.Der 100-jährige Edmund Schmitz hat mit großem Interesse und gemeinsam mit Tochter und Schwiegersohn die Ausstellung im Quax-Hangar besucht. Die Extraführung übernahmen gern Christoph Heggemann (rechts) und Hubert Schmidt (links) von den Quaxfliegern. Foto: Quax-Verein

Übersichtlich aufgereiht, bieten die Flugzeuge einen beeindruckenden Einblick in die Geschichte der Luftfahrt. Zu den Hinguckern gehört auch eine glänzende Messerschmidt BF 108 aus dem Jahr 1940. Der am Bug aufgetragene Namenszug „Elly Beinhorn“ erinnert an eine Frau, die in ihrer Zeit zu den populärsten deutschen Messerschmidt-Pilotinnen gehörte. Die 1907 in Hannover geborene Fliegerin machte besonders mit ihren Langstreckenflügen auf sich aufmerksam.

Die alten Flugzeuge sollen wieder in die Luft

Aber auch der Bücker Student B 180 ist eine Besonderheit. Das Sport- und Anfängerschulflugzeug aus dem Jahr 1939 ist das letzte seiner Bauart, das noch fliegt. Überhaupt, sagt Peter Sprockhoff, sei es nicht das Ziel des Vereins, die alten Flugzeuge am Boden verstauben zu lassen, sondern sie wieder am Himmel zu sehen.

Diesem Bestreben geht der Verein seit nunmehr 15 Jahren erfolgreich nach. Ein Garant dafür sind die hoch qualifizierten Mitarbeiter. Derzeit sind vier Flugzeuggerätemechaniker und zwei Auszubildende bei der Quax-Technik GmbH angestellt.

Die gemeinnützige Quax-Technik hat ihren Sitz in Bienenfarm/Brandenburg, wo der Quax-Verein noch einen weiteren Standort hat. Von August an wird das Werkstattteam um zwei weitere Auszubildende erweitert.

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