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Geldspenden dringend benötigt – Paderborner Einrichtung beklagt hohe Spritkosten

Teure Energie belastet Tafeln

Neuss/Paderborn

Die Preisexplosion für Gas und Benzin setzt die Tafeln in Nordrhein-Westfalen unter Druck. „Wir haben 172 Tafeln mit 500 Ausgabestellen in Nordrhein-Westfalen, die meisten Räume sind gemietet“, sagte die Sprecherin der NRW-Tafeln, Petra Jung.

Von dpa und Ingo Schmitz

Der Andrang in den Ausgabestellen der Tafeln wird immer größer. Aktuell kommen auch Geflüchtete aus der Ukraine dazu. Foto: dpa

„Viele bekommen demnächst Nachzahlungsschreiben von ihren Vermietern. Und der Sprit für die Autos, die die Supermärkte anfahren, ist um rund ein Drittel teuer geworden.“

Gerade die Spritkosten machen auch der Tafel Paderborn e.V. sehr zu schaffen. Dort werden aktuell 3800 Kunden versorgt. Um die Lebensmittel bei Supermärkten und Herstellern abholen zu können, sind an sechs Tagen die Woche fünf Transporter im Einsatz. Im Monat kommt die Tafel auf Tankkosten in Höhe von 2000 Euro.

Aktuell komme man damit nicht aus. Geschäftsführer Wolfgang Hildesheim rechnet mit Mehrkosten von 600 Euro. Er hat am Montag einen Hilferuf gestartet: Benötigt werden neben Geldspenden auch haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Mehl und Öl, denn immer mehr Geflüchtete aus der Ukraine kommen seinen Worten zufolge nun auch zur Paderborner Tafel. Doch gerade diese Lebensmittel seien knapp.

Die Geldspenden seien dringend notwendig, um auch den Strom für die Kühlschränke und die Kühlhäuser bezahlen zu können. „Die Situation ist dramatisch. Leidtragende sind die Bedürftigen“, sagte Jung.

2020 hätten Tafeln deutschlandweit rund 190 Lastwagenladungen gespendeter Lebensmittel wegen fehlender Kapazitäten ablehnen müssen. Nun verschärfe sich die Situation, weil viele abgebende Supermärkte aktuell knapper kalkulierten. Vor allem bei Obst und Gemüse würden Chargen mit kleinen optischen Mängeln nun nicht mehr an Tafeln abgegeben, sondern zu reduzierten Preisen noch verkauft, berichtete Jung. „Es bleibt weniger übrig.“

Gleichzeitig wachse die Zahl der Tafelkunden – wohl ebenfalls wegen der hohen Energiepreise – derzeit spürbar an. Und häufig seien es dieselben Ehrenamtler, die bei den Tafeln mithelfen, die nun auch in NRW-Kommunen Aufnahmemöglichkeiten für geflüchtete Ukrainer organisierten. Neben Geld freuten sich die Tafeln deshalb auch über weitere Helfer. In NRW engagieren sich bereits rund 12.600 Helfer, viele sind Rentner.

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