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Guter Nationalismus, schlechter Patriotismus

Was bestimmt das eine, was das andere - und wo verläuft die Grenze?

Münster

Interessanter Spannungsbogen in der Halle Münsterland: Auf der einen Seite demonstrieren am Samstag knapp 1000 Menschen gegen die Teilnahme des AfD-Politikers Volker Münz beim Katholikentag. Einen Kuckucksruf entfernt, in der Messehalle Mitte, dreht sich zeitgleich alles um das Thema Heimat.

Elmar Ries

v.l. Martin Kastler (Moderator), Elmar Brok, Neil MacGregor (Gründungsintendant des Humboldt Forums), Erzbischof Angelo Kardinal Bagnasco, Malu Dreyer, Linn Selle (Moderatorin). Foto: Ries

Guter Nationalismus, schlechter Patriotismus. Was bestimmt das eine, was das andere und wo verläuft die Grenze? Gute Frage, keine leichte Antwort, das wird im Laufe der Debatte deutlich.

Für die Analyse ist die Politikwissenschaftlerin Prof. Tine Stein aus Göttingen zuständig. Ins Nationale, Ausgrenzende flüchtet vor allem, wer sich abgehängt fühlt und Globalisierung wie  Digitalisierung gleichermaßen als Bedrohung der eigenen Existenz empfindet, sagt sie. Heimat wird so zum Kampfbegriff.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gibt sich auch selbstkritisch. Jene, die derart abdriften, seien vielfach politisch verbittert, sagt sie. „Das sind Menschen, die wir als Politiker nicht mehr erreichen.“ Auch, weil Politik nicht zu verstehende Zustände akzeptiere - „beispielsweise, wenn beim VW-Konzern Vorstände im Zuge des Dieselskandals abgelöst und dann mit Millionen-Boni nach Hause geschickt werden“.

Elmar Brok, CDU-Urgestein im Europaparlament, schlägt einen Bogen zwischen Stein und Dreyer in Richtung Europa. Für ihn ist die EU gleichermaßen Problemlöser wie Werte-Garant. „Wir müssen den Menschen deutlich machen, dass wir nur gemeinsam die Kraft haben, Lösungen für die Probleme zu finden“, sagt er - und erinnert an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der bei der Karlspreis-Verleihung mehr „europäische Souveränität“ gefordert hat.

Kritisch äußert sich Brok zum Wiederstarken des Nationalstaatlichen in Ländern wie Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Polen. Die dortigen Führungen hätten eine Vorstellung von Freiheit, „die erschreckend ist“. Enttäuscht zeigte sich der CDU-Politiker in Polen auch von der katholischen Kirche, „die all das in Teilen mitträgt“.

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