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Neurochirurg: Opfer Susanne F. hätte gerettet werden können

»Horror-Haus«: Neues Gutachten belastet die Angeklagten

Paderborn (WB). War es doch Mord? Im »Horror-Haus«-Prozess stellt ein am Dienstag bekanntgewordenes neues medizinisches Gutachten einen Teil der bisherigen Beweisaufnahme auf den Kopf.

Christian Althoff

Wilfried W. und Angelika W. im Gericht. Foto: Ann-Christin Lüke

Die Ausgangslage

Die Staatsanwaltschaft ging in ihrer Mordanklage davon aus, dass die misshandelten Frauen Anika W. (33) und Susanne F. (41) überlebt hätten, wären sie rechtzeitig zum Arzt gebracht worden.

Der Rechtsmediziner

Während sich zur Todesursache von Anika W. keine seriöse Aussage machen lässt (ihre Leiche soll 2014 zerstückelt und verbrannt worden sein), äußerte sich im Juli 2017 Prof. Dr. Wolfgang Grellner, der Leiter der Rechtsmedizin an der Uni Göttingen, im Prozess. An seinem Institut war Susanne F. (41) obduziert worden. Wilfried W. (47) und seine Exfrau Angelika (48) hatten das Opfer nach eigenen Angaben im April 2016 in der Küche hin- und hergeschubst. Susanne F. schlug mit der linken Schläfe gegen einen Küchenschrank und erlitt wohl eine Gehirnblutung. Ihr Zustand verschlechterte sich extrem, und am folgenden Abend wollte das Paar die Frau deshalb in ihre Wohnung nach Bad Gandersheim bringen. Das Auto blieb liegen, und Susanne F. kam ins Krankenhaus. Dort starb sie Stunden später an einer Gehirnblutung. Rechtsmediziner Prof. Grellner sagte, selbst wenn Susanne F. eher ins Krankenhaus gebracht worden wäre, hätte das nicht ihr Überleben garantiert. Je nach Erfahrung der Klinik stürben 30 bis 80 Prozent der Menschen, die eine Hirnblutung erlitten, selbst wenn sie sofort behandelt würden.

Nach dieser Aussage schien ein Mord nicht länger beweisbar.

Neues Gutachten

Wie gestern bekannt wurde, gab Oberstaatsanwalt Ralf Meyer ein weiteres Gutachten in Auftrag, diesmal bei der Neurochirurgie der Uniklinik Münster. Deren Direktor Prof. Dr. Dr. Walter Stummer kommt jetzt zu dem Ergebnis, Susanne F. hätte »mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überlebt«, wäre sie rechtzeitig ins Krankenhaus gekommen.

Die Folgen

Der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus sagte, man werde das neue Gutachten in den Prozess einführen und den Neurochirurgen hören müssen. »Vielleicht laden wir auch Prof. Grellner aus Göttingen noch einmal, damit die beiden Experten sich mit ihren gegensätzlichen Gutachten auseinandersetzen können.«

Kritik der Anwälte

Die Anwälte der Angeklagten, denen das Gutachten seit gestern vorliegt, kritisieren die Staatsanwaltschaft. Dr. Carsten Ernst sagte, es irritiere ihn, dass die Staatsanwaltschaft im laufenden Prozess »hinter dem Rücken des Gerichts« ein Gutachten in Auftrag gegeben habe, »nur weil ihr das erste Gutachten nicht gepasst hat«. Anwalt Peter Wüller nannte das Vorgehen der Staatsanwaltschaft »sehr ungewöhnlich«.

Lesen Sie die gesamte bisherige Bericherstattung unter:

www.westfalen-blatt.de/OWL/Kriminalfall-Hoexter-Bosseborn

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