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Kohlschreiber: Davis-Cup-Sieg bedeutender als Top-Ten-Platzierung

Voller Tatendrang

Halle (WB). Auch mit 34 Jahren hat man als Tennisprofi noch Träume. »Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, einmal unter die Top Ten vorzurücken«, sagte Philipp Kohlschreiber am Freitag in Halle. Es gibt aber etwas, das ihm mehr wert wäre.

Hans Peter Tipp

Auf dem Grün fühlt er sich wohl: Tennisprofi Philipp Kohlschreiber. Foto: dpa

»Für mich persönlich wäre der Gewinn des Davis Cups mit dem deutschen Team sogar noch bedeutender als eine Top-Ten-Platzierung. Früher wäre der Gedanke an einen Sieg im Davis Cup ein Wunschtraum gewesen. Nun aber ist das absolut machbar. Schließlich haben wir mit Alexander Zverev einen, der jeden Gegner schlagen kann.« Auch medial wäre solch ein Triumph wohl eine ganz andere Hausnummer, vermutet Kohlschreiber: »Wenn ich unter die ersten Zehn käme, wäre das wahrscheinlich eine Randnotiz in der Sportschau. Wenn wir den Davis Cup gewinnen, kämen wir ins Sport-Studio.«

»Ich will optimal gerüstet sein für mein erstes Match hier«

Zurzeit aber ist Philipp Eberhard Hermann Kohlschreiber, wie er mit vollem Namen heißt, in Halle. Die Anreise am Mittwoch war komplizierter als gedacht. Sechseinhalb Stunden dauerte die Fahrt von Stuttgart nach Ostwestfalen: »Auf der Autobahn ist direkt vor uns ein Lkw ausgebrannt. Wir standen in einer Totalsperrung.«

Tags darauf floss fünf Stunden lang auf dem Rasen und im Fitnessraum der Schweiß. »Ich will optimal gerüstet sein für mein erstes Match hier. Außerdem war ich ja noch nicht so ganz zufrieden mit meiner Performance in Stuttgart. Die Auftaktniederlage in zwei Tiebreaksätzen war allerdings auch etwas unglücklich«, sagte Kohlschreiber, der sich für die 26. Gerry Weber Open (bis 24. Juni) einiges vorgenommen hat. Die deutsche Nummer zwei und aktuelle Nummer 22 der Welt will in Ostwestfalen um den Titel mitspielen. »Ich habe in Halle immer gutes Tennis gespielt und mich sehr wohl gefühlt«, sagte der GWO-Champion von 2011 und sechsfache Halle-Halbfinalist am Freitagmorgen: »Hier ist alles möglich. Auf Rasen rutscht das Niveau zusammen.«

Wie weit es für ihn bei seinem 14. Turnierstart gehen könne, hänge bei einem solch stark besetzten Turnier aber auch von der Auslosung ab. Kohlschreiber: »Auf Rasen ist es immer schwer, in ein Turnier zu finden. Da möchte man nicht gleich einen absoluten Kracher haben.« Die Frage nach dem Favoriten der grünen Woche beantwortete er so, wie es jeder tun würde: »Das ist immer Roger Federer. Wenn er nur 95 Prozent seiner Leistung abrufen kann, wird ihn keiner schlagen.«

Ein Karriereende ist noch nicht in Sicht

Grundsätzlich aber sei auch gegen Federer auf Rasen ein Sieg möglich. Kohlschreiber: »Wenn er Anpassungsprobleme hat und dann einer die Courage hat, ihn nicht spielen zu lassen, kann man es schaffen.« Aber es komme immer auf Federer selbst an, auf »King Roger«, wie Kohlschreiber sagte: »Er entscheidet die Matches.«

Mit seiner eigenen Zwischenbilanz in dieser Saison ist Kohlschreiber »absolut zufrieden«. In München stand er im Endspiel, und auf Mastersebene erreichte er dreimal das Achtelfinale (Monte Carlo, Madrid und Rom) und in Indian Wells sogar die Runde der letzten Acht. »Ich schaffe es auch jetzt, mit Mitte Dreißig, noch regelmäßig, über viele Wochen sehr gute Leistungen zu bringen. Ich spiele allerdings auch weniger Turniere, um mir meine Kräfte gut einzuteilen«, erklärte Kohlschreiber. Wie viele Kollegen aus seiner Generation will der Deutsche noch ein paar Jahre weiterspielen. »Ich denke, dass ich noch eine gute Zeit vor mir habe. Man muss sich immer bewusst machen, was für ein sensationeller Beruf das ist«, so Kohlschreiber: »Wenn ich zurückblicke, hatte ich viel mehr Höhen als Tiefen.«

Die Veranstaltung in Halle, bei der er seit 2005 aufschlägt, ist dabei nie zur Routine geworden: »Ich bin zwar fast schon ein Veteran hier. Die Lust, dieses Turnier zu spielen, hat aber nie nachgelassen«, so der Augsburger: »Es ist immer eine Mega-Stimmung auf den Courts, eine ganz spezielle Atmosphäre.«

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