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Gertrud Tölle aus Bad Wünnenberg erhält Verdienstkreuz für kulturelles und soziales Engagement

Toleranz und Akzeptanz vorgelebt

Bad Wünnenberg

Gertrud Tölle aus Bad Wünnenberg ist für ihr jahrzehntelanges Engagement im kulturellen und sozialen Bereich mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden.

Landrat Christoph Rüther (links) hat Gertrud Tölle (im Bild mit Ehemann Heinrich Tölle) im privaten Rahmen in Bad Wünnenberg das Verdienstkreuz überreicht.

Als „offenes Haus“, in dem jeder Mensch jederzeit vorurteilsfrei willkommen sei, beschreibt ihr Lebensumfeld das Zuhause der Familie Tölle. Gertrud Tölle wirbt nicht nur für gegenseitige Toleranz und Akzeptanz, sondern lebt sie aktiv vor. Jetzt hat der Bundespräsident der 72-Jährigen das Verdienstkreuz am Bande verliehen. Landrat Christoph Rüther überreichte die Ordensinsignien an Gertrud Tölle während eines persönlichen Besuches.

„Sie wollten nie im Mittelpunkt stehen, sondern mit Ihrer ruhigen und bescheidenen Art beständig Ihre Ideen voranbringen“, hob Rüther in seiner sehr persönlichen Ansprache hervor. In vorbildlicher Weise setze sich die geborene Paderbornerin, die mit ihrem Ehemann seit vielen Jahren in Bad Wünnenberg lebt, dafür ein, die Erinnerungen an die Geschehnisse während des Dritten Reiches zu bewahren und zu verhindern, dass ähnliches Unrecht sich noch einmal wiederholen kann.

Gründungsmitglied von „Kunst und Kultur“

Als Gründungsmitglied der ehrenamtlich tätigen Gruppe „Kunst und Kultur“ hat sie unter anderem Literatur- und Theateraufführungen organisiert. Dabei wurde häufig die Verfolgung jüdischer Menschen während der NS-Zeit thematisiert.

Gertrud Tölle schrieb selbst einen Dokumentationsband mit dem Titel „Wir waren Nachbarn – Spuren jüdischen Lebens in der Stadt Bad Wünnenberg“. „Ganz wichtig ist Ihnen, dass wir nicht nur an die dunkle Vergangenheit erinnern, sondern auch unsere Lehren draus ziehen“, verdeutlicht Landrat Rüther. So setze sich Gertrud Tölle im besonderen Maße in der Asyl- und Flüchtlingsarbeit ein. Sie half Geflüchteten in Bad Wünnenberg, sich in ihrer neuen Heimat zurecht zu finden. Zum Beispiel gab sie Nachhilfe in Deutsch, Mathematik und Gesellschaftslehre, begleitete Geflüchtete zu Behördengängen oder Arztbesuchen.

Gertrud Tölle unterstützte auch bei der Wohnungssuche oder bei der Bewerbung um Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsstellen. Durch ihre offene und warmherzige Art haben sich inzwischen freundschaftliche Verhältnisse zwischen der Familie Tölle und den Geflüchteten entwickelt.

Der Heimat eng verbunden

Ihrer Heimat und insbesondere der Stadt Wünnenberg ist sie eng verbunden. Sie ist Mitglied in der „Initiativgruppe Stadtrundgang Bad Wünnenberg“, in der sie zu historischen Gebäuden und Plätzen Text-, Foto- und Archivmaterial zusammenstellt. Bereits 1990 hat sie ein Buch herausgegeben mit dem Titel „Das Kraut- und Weihbund“, das Traditionen und Bräuche der Region darstellt.

Sie ist unter anderem ehrenamtlich tätig in der Westfälischen Kulturkonferenz, dem Heimatverein Bad Wünnenberg und dem Verbund „Literaturland Westfalen“. Von 2004 bis 2008 gehörte sie dem Rat der Stadt Bad Wünnenberg an.

Gertrud Tölle feierte in diesem Jahr Goldene Hochzeit mit ihrem Mann Heinrich. Zusammen haben sie zwei Töchter. Gertrud Tölle war Lehrerin für Deutsch, Französisch und Mathematik und bis zum Eintritt in den Ruhestand 2010 als Konrektorin an der Heinz-Nixdorf Realschule tätig.

„Ihr Handeln, ihr außergewöhnliches Engagement erfolgt aus einer zutiefst empfundenen Menschlichkeit und ist in jeglicher Hinsicht vorbildlich“, dankte Christoph Rüther der 72-Jährigen.

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