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Neue CD der Analogue Birds: Jeder Musiker hat seine Tracks einzeln eingespielt

Eine Studio-Produktion voller Sommer-Melancholie

Herford

Alles sei lahmgelegt gewesen. Und diese Corona-Atmosphäre spiegele sich in den Liedern wider. Ein für ihn ungewöhnliches Album hat der Herforder Musiker Tom Fronza produziert. Während seine Band Analogue Birds für tanzbaren Beat steht, dominiert auf der neuen Veröffentlichung eine Art chillige Melancholie.

Von Hartmut Horstmann

Der Multi-Instrumentalist und Produzent Tom Fronza in seinem Studio: Die meisten der am neuen Album beteiligten Musiker haben hier ihre Tracks eingespielt. Fronzas Band Analogue Birds ist mittlerweile auf ein Duo mit David Bruhn (Drums) geschrumpft. Foto: Hartmut Horstmann

„Es ist eine Musik, die ich schon immer mal machen wollte“, sagt der 52-jährige Multi-Instrumentalist – und nennt als Einflüsse TripHop und Ambient. Verschiedenste Stile und Kulturen verbindet er miteinander. Herausgekommen ist ein aus acht Songs bestehendes Album, dessen Richtung der Musiker als Ethnic Fusion bezeichnet.

Tom Fronza hat Lieder geschrieben, die auch zu vorgerückter Stunde in einer Cocktailbar gespielt werden könnten – wenn von der lethargisch machenden Sommerhitze etwas sanft Schwermütiges ausgeht. Gleich das erste Stück „Alley Cats“ mit der ausdrucksstarken Stimme der Sängerin Pat Appelton strahlt diese Slow-Motion-Sinnlichkeit aus – eine Stimmung, die sich, dargeboten von unterschiedlichen Formationen, durch das Album zieht.

Mit einer Vielzahl an Instrumenten schafft der Produzent und Musiker Fronza einen ausgefeilten Klangteppich. Von großer atmosphärischer Dichte ist insbesondere die Abfolge der drei letzten Songs, ein Soundtrack für viele Lebenslagen.

Bemerkenswert ist aber nicht nur die Musik, sondern auch die Art und Weise, in der das Album entstanden ist. Insgesamt 17 Musiker sind an der Produktion beteiligt und haben doch nie zusammen im Studio gearbeitet. Wegen Corona war gemeinsames Proben lange Zeit nicht möglich. Fronza: „Die meisten Musiker sind nach Herford gekommen und haben ihre Stücke einzeln eingespielt.“

Zum Glück sei davon auf dem fertigen Album nichts zu spüren, hätten ihm Vorab-Hörer bescheinigt. In den meisten Fällen hat Fronza die Texte und Melodien der einzelnen Songs genau definiert – was ein großes Maß an Vorarbeit bedeutete. Begonnen habe er mit „musikalischen Skizzen“, aus denen er dann die Lieder sukzessive entwickelte. Inspirationen lieferten ihm dabei die abstrakten Fotografien Ulrich Raschkes, mit denen auch Cover und Booklet gestaltet wurden.

Probleme, adäquate Mitwirkende zu finden, hatte der Herforder nach eigenen Angaben nicht. Was die Besetzung angehe, so habe er klare Vorstellungen gehabt: „Ich wusste immer sofort, wer was spielen soll.“ Fronza spricht von einer „kreativen Magie“. Die Musiker hätten gerne mitgemacht: „Es waren schöne Erfahrungen in finsteren Zeiten.“

Wer den 52-Jährigen reden hört, erahnt, wie viel Herzblut in dem Album steckt. Dass man die diese Produktion in dieser Form niemals live auf die Bühne bringen kann, zählt zu den Begleiterscheinungen, die er in Kauf nimmt. Aber es ist eben auch typisch, dass die Idee zu einer solchen Produktion in einer Zeit entstanden ist, in der Auftritte nicht möglich waren.

Mittlerweile gibt es wieder Konzerte. Doch weil sich deren Zahl noch in Grenzen hält, geht der Albummacher andere Wege als bisher. Während der CD-Verkauf zuvor überwiegend von den Live-Auftritten abhängig war, bemustert Fronza jetzt auch potenzielle Interessenten wie Magazine oder Fanzines.

Mittels Crowdfunding hat hat er zudem die Finanzierung der CD-Herstellung (im Januar soll eine LP-Fassung erscheinen) sichergestellt. Und das Corona-Künstler-Stipendium „Auf geht‘s“ tat ein Übriges.

Für den Preis von 15 Euro ist die CD „Azimut“ ab 1. August über den Direktvertrieb erhältlich: www.umlaut.de

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