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Hotels, Pensionen und Restaurants suchen händeringend qualifiziertes Personal

Tourismus zieht in Paderborn wieder an

Paderborn

Tourismus-Boom nach Corona-Flaute: Der Kreis Paderborn verzeichnete im ersten Halbjahr des Jahres 2022 rund 393.000 Übernachtungen von Gästen aus dem In- und Ausland. Das sind 83 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2021. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) beruft sich dabei auf Angaben des Statistischen Landesamtes.

In Paderborn steigen die Übernachtungszahlen wieder: Auch das familiengeführte Hotel Kaiserpfalz in Paderborn-Elsen berichtet von einem Aufwärtstrend. Insbesondere in den vergangenen vier Monate sei die Zahl von Hotelgästen nach der Lockdown-Phase wieder deutlich gestiegen. Foto: Jörn Hannemann

Die erhebliche Steigerung hängt vor allem mit dem Corona-Effekt zusammen: Im Jahr 2021 galt zum Teil noch ein Beherbergungsverbot bei Privatreisen, das als „Tourismus-Bremse“ gewirkt hat, teilt die Gewerkschaft mit.

„Dass wieder viel mehr Urlauber und Geschäftsreisende in den Kreis Paderborn kommen, ist für das Hotel- und Gaststättengewerbe eine gute Nachricht – vor allem auch für die Beschäftigten. Nach zweieinhalb Jahren Pandemie kehrt die Branche Stück für Stück auf das alte Niveau zurück“, meint Thorsten Kleile, Geschäftsführer der NGG-Region Detmold-Paderborn.

Stück für Stück auf das alte Niveau zurück

Von einer „Normalität“ seien viele Hotels, Pensionen und Restaurants aber noch weit entfernt. Der Grund: Den Unternehmen gelingt es nach Beobachtung der Gewerkschaft kaum, genug Personal für die wachsende Arbeit zu finden.

Zwar hätten derzeit viele Branchen mit dem Mangel an Fachleuten zu kämpfen, doch im Gastgewerbe falle die Suche nach qualifizierten Kräften besonders schwer. Das liege vor allem an den Arbeitsbedingungen, urteilt Kleile. So klagen im aktuellen Ausbildungsreport des DGB NRW 80 Prozent der angehenden Hotelfachleute und 60 Prozent der Azubis in der Küche, regelmäßig Überstunden machen zu müssen – ein Spitzenwert.

„Wer im Gastgewerbe arbeitet, ist nicht nur spätabends oder am Wochenende im Einsatz. Die Beschäftigten erfahren oft auch erst am Vortag vom Chef, dass sie einspringen sollen. Zum Beispiel, weil sich die Wettervorhersage geändert hat und einen Run auf den Biergarten erwarten lässt. So kann aber niemand seinen Alltag planen – schon gar nicht, wer Kinder hat“, meint Kleile. Nach Einschätzung des Gewerkschafters ist ein erheblicher Teil der rund 5140 Menschen, die das Gastgewerbe im Kreis Paderborn laut Arbeitsagentur beschäftigt, von dieser „Arbeit auf Abruf“ betroffen.

Bekenntnis zu tariflichen Standards gefordert

Wer sich für die Branche entscheide, wisse, dass die Arbeitszeiten anders seien als in einem Büro-Job. „Wichtig ist zugleich eine Personaldecke, die dick genug ist, um auch kurzfristig Events wie Geburtstage oder Hochzeiten ausrichten zu können“, betont der Geschäftsführer der NGG-Region Detmold-Paderborn. Um Arbeitszeit und Dienstplanung fair zu regeln, sollten sich die Betriebe zu tariflichen Standards bekennen. Dort, wo es einen Betriebsrat gebe – etwa in Hotelketten oder in der Systemgastronomie – könnten sozialverträgliche Lösungen mit der Arbeitnehmervertretung gefunden werden.

In einem entscheidenden Punkt seien nach Meinung der NGG Hotels und Gaststätten als Arbeitgeber bereits attraktiver geworden: Die Löhne in der Branche sind nach dem aktuellen Tarifvertrag für Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr um bis zu 28 Prozent gestiegen, stellt Gewerkschafter Thorsten Kleile fest. „Das ist ein enormer Schub fürs Portemonnaie der Beschäftigten. Jetzt kommt es darauf an, dass die Firmen den Tariflohn auch zahlen – und bei den Arbeitsbedingungen nachlegen“, meint die Gewerkschaft.

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