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Stemweder Haushalte bekommen Post: Gemeinde beginnt eine Info-Kampagne gegen Schottergärten

„Überzeugen, nicht drangsalieren“

Stemwede

Sie sind pflegeleicht und modern, sagen die einen. Sie sind grau, steril und weitgehend ohne Leben, sagen die anderen.

Schottergärten wie dieser stehen zunehmend in der Kritik, weil sie ökologisch alles andere als von Vorteil sind. Foto: Carmen Jaspersen

Auch in der Gemeinde Stemwede scheiden sich die Geister an der steinernen Vorgartengestaltung, den sogenannten Schottergärten.

Ein striktes Verbot dieser Steingärten planen Stemwedes Gemeinderat und Verwaltung nicht. Anstatt neue bürokratische Regelungen zu beschließen, setzen sie auf Informationen und Beratung und haben deshalb eine entsprechende Kampagne gestartet.

Bürgermeister Kai Abruszat informierte während der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause über die Aktion „Grün statt Grau“. So steht es auf den Informationsflyern, die die Gemeinde entworfen hat. Darin werden zum einen die Vorteile naturnaher Vorgärten benannt, zum anderen auch die Nachteile von Schottergärten aufgezählt.

„Gerade im Sommer speichern mit Schotter und Kies versiegelte Flächen die Hitze und geben diese an die Umgebung ab. Sie lassen Niederschläge schlechter versickern und beschleunigen Überschwemmungen bei Starkregen“, warnt die Gemeindeverwaltung. „Dass sie sich negativ auf Artenreichtum auswirken und Insektensterben beschleunigen, ist unumstritten.“

„Ich mag es nicht, Verbote auszusprechen und Keule schwingend Sanktionen anzudrohen“, erklärt Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat die Zurückhaltung in Sachen Schottergarten-Verbot. „Wir wollen überzeugen und nicht drangsalieren.“ Deshalb gehen die Infoflyer auch nicht nur an alle Bauwilligen in Stemwede, die sich in der Gemeindeverwaltung melden, sondern in Kürze auch per Post an alle Stemweder Haushalte.

Mit Blick auf das geplante Baugebiet „Wohnquartier Historischer Ortskern“ in Levern könnte steinernen Gärten von Anfang an der Riegel vorgeschoben werden. „Im Zuge des Bebauungsplans beabsichtigt die Verwaltung, den politischen Gremien entsprechende Vorgaben zur Beschlussfassung vorzuschlagen“, sagt der Bürgermeister. Rechtsgrundlage hierfür sei die Landesbauordnung NRW. Die Durchsetzung der Vorgaben obliege allerdings der Kreisverwaltung. In Stemwedes Nachbarstadt Preußisch Oldendorf hatte man sich kürzlich gegen ein Schottergarten-Verbot entschieden.

„Nach Beobachtung der Verwaltung haben die Hauseigentümer in Stemwede im ganz überwiegenden Fall ein Herz für Gartengestaltungen, die die Flora und Fauna vor Ort im Blick haben“, findet Kai Abruszat.

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