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Überwachung der Stadt und der Einreisenden erfolgte über das Sacktor und den Sackturm

Verein kürt Denkmal des Monats Juni

Warburg

Als Denkmal des Monats Juni hat der Vorstand des Warburger Vereins für Geschichte und Denkmalschutz den Sackturm und das Sacktor gekürt. Mit dieser Wahl solle auch auf die existenzielle Bedeutung der Stadtbefestigungen im Mittelalter für die Städte und ihre Freiheiten hingewiesen werden, heißt es in der Begründung des Vereins.

Der Sackturm und das Sacktor bilden das Denkmal des Monats Juni. Diese Wahl hat der Warburger Verein für Geschichte und Denkmalschutz Foto: Jürgen Vahle

Mit der Wahl des Sackturms und des Sacktors zum Denkmal des Monats möchte der Verein die nun schon Jahrhunderte währende Arbeit der Stadtverwaltung bei der Pflege der Stadtbefestigungsanlagen angemessen würdigen.

Geschichte

In einer im Stadtarchiv noch vorhandenen Urkunde von 1256, in der die formelle Gleichberechtigung beider Städte – Alt- und Neustadt – geregelt wurde, wurde die bisherige Trennung und die Verschiedenartigkeit ihrer Befestigungen als Grund für die Verschiedenartigkeiten des Stadtrechtes angegeben. „Der rechtsbildende Charakter von Stadtbefestigung wird durch diese Urkunde auch deutlich“, schreibt der Denkmalverein.

Wahrscheinlich handelte es sich bei der Stadtbefestigung zunächst um Palisadenzäune auf Erdwällen. Erst 1260 erlaubte der Paderborner Bischof Simon I. den Neustädtern, ihre Stadt zwischen sich und der benachbarten Altstadt durch eine Mauer und ringsherum mit den notwendigen Befestigungsanlagen zu sichern. Um 1390 wurde mit dem Bau einer zweiten Mauer um die Neustadt begonnen, während die Altstadt nur durch eine Mauer und im Tal zum Teil durch den Mühlengraben gesichert war.

Das bereits 1355 erwähnte Sacktor befand sich zunächst östlich des heutigen Standortes. 1414 wurde ein Turmwächter auf dem „Sacdoor“, das damals noch zur Altstadt gehörte, überliefert.

1443, wenige Jahre nach der 1436 erfolgten Vereinigung der beiden Städte, schoben diese gemeinsam das Sacktor nach Westen vor. „So war der Zugang zur mit Ministerialen des Paderborner Bischofs besetzten Burg nur noch über städtisches Gebiet möglich“, erläutert der Denkmalverein. Zudem erhöhte die vereinigte Stadt den Sackturm, um so neben dem Stadtzugang nach Westen auch die Burg besser kontrollieren zu können. Der Sackturm hatte damit eine ähnliche Funktion wie beispielsweise der Mehlsack in Ravensburg.

Das obere Geschoss des Turmes ist durch ein umlaufendes Gesims hervorgehoben und besaß – nach den erhaltenen Kragsteinen zu schließen – in alle vier Himmelsrichtungen balkonartige Gebilde für die Turmwächter. An der Westseite wurde zudem auf halber Höhe ein gut erhaltener Sandsteinerker als Aussichtspunkt nach Westen angebracht.

Das spitzbogige Sacktor neben dem Turm trägt noch ein Stück des ehemaligen Wehrgangs, von dem aus der Turm zugänglich ist. An der Feldseite ist über dem Tor eine Nische angeordnet, die eine Figur des heiligen Petrus enthält und dadurch auf die ehemalige vor dem Tor auf der Hüffert gelegene Peterskirche verweist.

Wie die Burg unter den Veränderungen litt, zeigte sich 1471, als der Bischof Simon III. zur Lippe sie Johann von Horhusen überließ mit der Verpflichtung, sie wieder auszubauen.

Senkrechte Schießscharten zum Einsatz von Feuerwaffen

Im 16. Jahrhundert wurde die Befestigungsanlage vor dem Sackturm durch eine dritte Mauer noch weiter nach Westen vorgeschoben. Senkrechte Schießscharten in der äußeren Mauer weisen auf die neuzeitliche Entwicklung zur horizontalen Verteidigung und den Einsatz von Feuerwaffen hin. Die nun drei hintereinander liegenden Stadttore ermöglichten es, Einreisende gründlich zu kontrollieren und notfalls zurückzuweisen oder zu inhaftieren.

Die Burg zeigte 1584 erneut Verfallserscheinungen und bestand nur noch aus dem bereits dachlosen und mit einem Strauch überwachsenen Bergfried, einem dreigeschossigen steinernen Hauptgebäude, und einigen errichteten Nebengebäuden.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das zunächst kegelförmige Dach des Sackturms durch eine barocke, geschweifte Haube ersetzt.

1955 erfolgte der Einbau einer Gedächtnisstätte für die Gefallenen im Zweiten Weltkrieg im Erdgeschoss. Das Obergeschoss mit seiner Aussicht in alle Himmelsrichtungen wurde zu Freizeiträumen für Jugendliche ausgebaut.

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