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Ausstellung im Kreismuseum Wewelsburg: Bürener Fotograf Jürgen Kemper zeigt „Lost Places“

Verlassene Orte in Szene gesetzt

Büren-Wewelsburg

Was bleibt von einem Ort, an dem einst reges Leben herrschte, wo Menschen wohnten und arbeiteten, Züge fuhren oder in Fabriken produziert wurde? Die Natur holt sich die charmant-morbide wirkenden Orte zurück.

Verlassene Orte in Büren und Umgebung, so wie hier das alte Stellwerk, hat Fotograf Jürgen Kemper in Szene gesetzt. Seine Darstellungen von „Lost Places“ sind zurzeit im Kreismuseum Wewelsburg zu sehen. Foto: Jürgen Kemper

Sie sind verlassen, verfallen und geraten in Vergessenheit. Die Rede ist von sogenannten „Lost Places“. Im Rahmen der Fotoausstellung „Verlassene Orte - Vergessene Orte (?) in Büren“ des Fotografen Jürgen Kemper, zeigt das Kreismuseum Wewelsburg jetzt einige dieser Orte.

Bis zum 24. Oktober sind 60 Bilder mit ergänzenden Texten von Jürgen Kemper im Sonderausstellungsraum des Museums zu sehen. Der Zugang erfolgt durch die Gedenkstätte, der Eintritt ist frei.

Ursprünglich sollte die Fotoausstellung, die in Kooperation mit dem Heimatverein Büren entstanden ist, bereits im vergangenen Jahr im Rahmen des 825. Bürener Stadtjubiläums gezeigt werden, musste aber aufgrund von Lockdowns zweimal verschoben werden. „Wir hatten die Fotos gerade alle aufgehängt, da kam der Lockdown. Wir mussten das Museum sieben Monate lang schließen. Somit passte der Titel der Ausstellung ‚Verlassene Orte‘ sinnigerweise, aber ungewollt zu unserer realen Situation: Die Ausstellungsräume waren verlassen“, erzählt Museumsleiterin Kirsten John-Stucke. Sie freut sich daher besonders, die Fotografien nun endlich zu Öffentlichkeit zeigen zu können.

Bei der Ausstellungseröffnung in der Wewelsburg: (von links) Jürgen Kemper, Reinhold von Rüden und Hans-Josef Dören vom Heimatverein Büren, Museumsleiterin Kirsten John-Stucke und Christopher Horstmann vom Kreismuseum. Foto: Kreismuseum Wewelsburg

Die Idee zu der Fotoausstellung hatte Kemper schon lange im Kopf. Spätestens, als viele markante Bauwerke in Büren und seinen Ortschaften leer standen oder abgerissen wurden, nahm die Idee konkrete Form an. Er begann in den vergangenen Jahren gezielt so genannte „Lost Places“ in Büren und der Umgebung zu fotografieren.

Besonders interessiert haben ihn die Entwicklung der Almetalbahn und der militärischen Anlage der NATO im Waldgebiet Stöckerbusch, zumal sich um letztere etliche Legenden ranken, was die Lagerung atomarer Sprengköpfe dort anbelangt.

Auch die Geschichte des Bürener Krankenhaus-Gebäudes im Leerstand hat der Fotograf festgehalten. Eine weitere mystische Anlage verbirgt sich mit der Muna im Ringelsteiner Wald. Besonders die beiden Backsteinviadukte findet Kemper fotografisch interessant.

Auch die am Ortseingang Büren befindliche ehemalige PAM-Tankstelle geriet in seinen Focus. Der laufende Verfall war stetig zu beobachten und ergab interessante Fotomotive.

Weiterhin gelang es Kemper noch, Fotos vom legendären „Kasten“, dem Internat Moritz von Büren, zu machen, der ganze Generationen von Internatsschülern des Mauritiusgymnasiums beherbergt hatte, bevor er abgerissen wurde.

Einer der wohl bekanntesten verlassenen Orte in Büren dürfte die ehemalige Burania-Halde sein. Foto: Jürgen Kemper

Die Firma Heinrich Spahn GmbH und Co. KG, bekannt über Büren hinaus als Produzent hochwertiger Stühle, Tische und Gastronomiemöbel, war noch in Betrieb und einer der wichtigsten Arbeitgeber, als der Fotograf nach Büren zog. Die Insolvenz 2004, der Verfall der Produktionshallen, der Wiederaufbau einer Nachfolge-Firma der Adform Spahn AG und die Errichtung des Handwerkerparks auf dem Gelände ist eine lange und spannende Geschichte, die das ein oder andere Foto in der Ausstellung verdient hat.

Die Ausstellung zeigt noch viele weitere „Lost Places“ in und um Büren. Im Anschluss an die Ausstellung will Fotograf Kemper die Bilder an den Heimatverein Büren übergeben. „Diese Fotoausstellung im Kreismuseum Wewelsburg im Jahr nach dem Jubiläumsjahr ‚825 Büren‘ ist eine Ergänzung zur Geschichte Bürens und dem Stadtjubiläum und verdankt ihre Realisierung dem Heimatverein Büren und dem Kreismuseum“, betont Jürgen Kemper.

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