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Auswirkungen der Corona-Pandemie beschäftigen auch die Bielefelder Verbraucherzentrale

Viele schwarze Schafe im Netz

Bielefeld

Gutscheine statt Geld für ausgefallene Veranstaltungen und Reisen. Vermeintliche schufafreie Sofortkredite. Online-Bestellungen, die wochenlang unterwegs sind oder gar nicht eintreffen. Und nicht zuletzt einschüchternd auftretende Inkassobüros, die Verbraucher unter Druck setzen.

Der Online-Handel boomt in Corona-Zeiten, doch nicht alle Anbieter sind seriös. Foto: Tom Weller/dpa

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben sich auch auf die Arbeit der Bielefelder Verbraucherzentrale ausgewirkt. 5700 Anliegen wurden im vergangenen Jahr vorgetragen. Bei mehr als 2900 Rechtsberatungen und -vertretungen setzten sich die Verbraucherschützer für die oftmals berechtigten Ansprüche der Ratsuchenden ein.

Viele Anfragen rund ums Reisen

Angesichts von Reisewarnungen, Quarantäne- und Testpflichten, Absagen und Umbuchungen rangierten Anfragen rund ums Thema Reisen in der Statistik der Beratungsstelle ganz oben. Oft beklagten Betroffene schleppende oder verweigerte Rückzahlungen von Veranstaltern bei Stornierungen sowie das Vertrösten mit Gutscheinen. „Besonders verärgerte die Menschen, wenn Anbieter auf ihre Anfragen gar nicht oder erst nach Wochen reagierten“, berichtete Ingrid Deutmeyer, Leiterin der Bielefelder Beratungsstelle.

Fallstricke im Online-Handel

Ob gefälschte Internetseiten, Fakeshops, Pishing-Mails oder irreführende Werbung zu Sofortkrediten: „Immer wieder suchten Verbraucher unseren Rat, die auf unseriöse Angebote oder gezielte Betrugsmaschen im Internet hereingefallen waren und dann mit untergeschobenen Verträgen oder mangelhaften Warenlieferungen zu kämpfen hatten“, erläuterte Diana Böhler-Bachmann, Rechtsexpertin der Beratungsstelle. Dass auf ihre Kosten eingekauft oder auf ihre Namen Verträge abgeschlossen worden waren, erfuhren die Betroffenen oftmals erst, wenn sie Rechnungen erhielten, unbekannte Abbuchungen feststellten oder sogar ruppige Inkassoschreiben im Briefkasten landeten. „Mach Dein Passwort stark!“ lautete denn auch die Botschaft einer vom Landeskriminalamt NRW initiierten Kampagne gegen Cyberkriminalität.

Ärger um verspätete Lieferungen


Aufgrund von Beschwerden besonders in den Blick genommen hat die Verbraucherzentrale aktuell verspätete Lieferungen im Online-Handel. So berichteten Ratsuchende aus Bielefeld von verspätet oder gar nicht gelieferten Bestellungen von Büchern, Möbeln und Kleidung. „Was viele nicht wissen: Online-Shops müssen eine konkrete Lieferfrist angeben und diese auch einhalten. Nachträgliche Veränderungen der Lieferfrist aufgrund von Produktions- oder Lieferschwierigkeiten des Händlers müssen Kunden nicht akzeptieren“, erklärt Ingrid Deutmeyer.

Unseriöse Notdienste


Weit überzogene Forderungen von Schlüsseldiensten, Rohreinigungs- und Schädlingsbekämpfungs-Notdiensten sind ein Dauerärgernis. „1000 Euro sollte ein Bielefelder beispielsweise für die nächtliche Öffnen einer zugefallenen Wohnungstür bezahlen“, so Ingrid Deutmeyer Anlässlich des Weltverbrauchertags klärte die Beratungsstelle auf, wie sich Ärger und Abzocke vermeiden lassen und Rechnungen im Lot bleiben. Praktische Tipps von der Anbietersuche bis zur Notfallkarte sowie Hinweise zum Check von Rechnungsposten rundeten das Infopaket ab.

Abzocke bei Computerspielen

Böse Überraschungen haben Eltern mit so genannten In-App-Käufen erlebt. Diese werden oftmals bei Computerspielen angeboten. Die Apps sind kostenlos, die Nutzer müssen dann aber in der App für weitere Funktionen bezahlen. Das kann zum Problem werden, wenn Kinder diese Spiele nutzen und auf dem Smartphone die Kreditkarten-Daten der Eltern hinterlegt sind. Dass die zusätzlichen Funktionen Geld kosten, ist vielen Kindern nicht bewusst. So flatterte einer Bielefelder Familie eine vierstellige Rechnung ins Haus. „Es war offenkundig, dass ein Missbrauch von außen vorlag, die Summe war innerhalb weniger Stunden entstanden“, so die Verbraucherschützer. Eltern müssten oft lange kämpfen, um ihr Geld zurückzubekommen. Noch schwieriger werde es, wenn noch ein Finanzdienstleister an dem „Geschäft“ beteiligt sei (zum Beispiel Apple, Google, Paypal).

„Sobald die Infektionslage es erlaubt, werden wir auch wieder Termine für die persönliche Beratung vereinbaren“, erklärt Ingrid Deutmeyer. „Auch wenn die vergangenen Monate gezeigt haben, dass die von uns angebotenen digitalen Alternativen sehr gut funktionieren und wir sie auch beibehalten werden, freuen wir uns sehr darauf, die Bielefelder wieder im persönlichen Austausch zu unterstützten.“

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