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Gefühlvolle Inszenierung von Domkantor Patrick Cellnik und Domorganist Tobias Aehlig bringt besonderes Klangerlebnis

Virtuos inszenierte Orgelvesper im Dom

Paderborn

Die Orgelvesper zu Libori im festlich illuminierten Dom stand ganz im Zeichen von „40 Jahre Paderborner Dom­orgel“ und überzeugte mit großartiger Musik.

Von Hermann Knaup

Domorganist Tobias Aehlig (links) und Domkantor Patrick Cellnik inszenierten die Orgelvesper im Dom. Foto: Hermann Knaup

Angesichts der noch bestehenden Corona-Einschränkungen hatten Domorganist Tobias Aehlig und Domkantor Patrick Cellnik ihr gemeinsames Konzert unter das aktuelle, aufmunternde Libori-Motto „Grenzenlos“ gestellt.

Domvikar Dr. Rainer Hoffmann betonte in seiner Begrüßung, „dass Musik uns über die Begrenztheit manch banaler Alltagssituationen hinwegheben kann“. Vom Generalspieltisch aus eröffnete Domorganist Tobias Aehlig das Konzert mit den ersten beiden Meditationen aus „L‘Ascension“ (Die Himmelfahrt) von Oliver Messiaen, in denen es um die „Majestät Christi“ und um das „Fröhliche Halleluja einer Seele, die nach dem Himmel verlangt“ geht.

Patrick Cellnik, seit Februar neuer Domkantor, interpretierte vier Lieder aus „Sechs religiöse Gesänge“ op. 157 (1888) von Josef Rheinberger. Von der Turmorgel aus trug er diese Lieder, sensibel gestaltet, mit warmer Bassbaritonstimme vor, umsichtig begleitet vom Domorganisten.

Wiederum von der Chororgel aus erklangen anschließend die weiteren Meditationen „Freudenausbrüche einer Seele angesichts der Herrlichkeit Christi“ und „Gebet des zum Vater auffahrenden Christus“ aus „L’Ascension“. Als 23-Jähriger schuf Messiaen dieses Werk 1932 zunächst als Orchesterwerk und modifizierte es dann 1934 zu einem grandiosen Orgelwerk. Immerhin war Messiaen über sechs Jahrzehnte Titularorganist an der Église de la Sainte-Trinité in Paris. Als erfolgreicher Schüler von Marcel Dupré und Paul Dukas wurde er über seine Organistentätigkeit hinaus einer der bedeutenden Komponisten der Moderne, der eine Fülle von Kompositionstechniken beherrschte und doch der Tradition der französischen Orgelmusik verbunden blieb.

Tobias Aehlig erwies sich mit der Darbietung dieses schwierigen Orgelwerks erneut als versierter Organist

Tobias Aehlig erwies sich mit der Darbietung dieses schwierigen Orgelwerks erneut als versierter Organist. Gekonnt setzte er die vielen technischen und klanglichen Möglichkeiten der Domorgel ein. Insbesondere im 3. Satz von „L’Ansension“ brillierte Aehlig mit virtuoser Spieltechnik. Die schwierigen Akkord-Triolen dieser Toccata meisterte er mit atemberaubender Tempostringenz. Die spürbare Klangfaszination solch großartiger Musik lässt sich aus der phänomenalen Akustik französischer Kathedralen nachvollziehen, zu denen auch der Dom von Le Mans zählt, der Heimat des hl. Liborius.

Zum wirkungsvollen Ausklang sang Patrick Cellnik, begleitet vom Organisten, mit feinfühliger Stimmgestaltung das „Urlicht“ von Gustav Mahler. Den Text entnahm Mahler der Gedichtsammlung „Des Knaben Wunderhorn“. Seine erste Version, zunächst für Solostimme und Klavier konzipiert, übernahm Mahler später im 4. Satz seiner 2. Sinfonie, der „Auferstehungssinfonie“, in der Fassung für Alt und Orchester. Der Komponist selbst äußerte in einem Brief: „Das ‚Urlicht‘ ist das Fragen und Ringen der Seele um Gott und um die eigene göttliche Existenz über dieses Leben hinaus.“

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