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Paderborner Bauern ziehen Bilanz zum Erntedank – durchschnittliche Getreide- und Rapsernte

„Von den Kräften der Natur abhängig“

Paderborn

„Wir danken traditionell für die Früchte des Feldes und einen reich gedeckten Tisch“, sagt Hubertus Beringmeier, Bauernpräsident und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Paderborn, anlässlich des Erntedanks an diesem Sonntag. „Wir konnten in diesem Jahr eine durchschnittliche Getreide- und Rapsernte einfahren“, resümiert Beringmeier.

Derzeit läuft die Maisernte auf Hochtouren Foto: Florian Pottkamp

Nach drei trockenen Jahren war das Frühjahr feucht und kühl, der Sommer unbeständig. Es regnete reichlich, die Grundwasserspeicher konnten sich „Gott sei Dank“ erholen. Doch die Ernte war aufgrund des Wetters eine Hängepartie. „Zum Glück blieben wir von den verheerenden Unwettern und sintflutartigen Regenfällen verschont“, betont Beringmeier. „Sie zeigen uns aber, dass wir doch nicht alles in der Hand haben und wir von den Kräften der Natur abhängig sind.“

Bauernpräsident Hubertus Beringmeier Foto:

Die Ernteaussichten waren sehr hoffnungsvoll. Die gute Versorgung mit Regen im Mai/Juni und der gute Eindruck der Pflanzen ließen optimistische Ergebnisse erwarten. „Leider traf es nicht so ein“, berichtet der Vorsitzende. „Wir haben zwar viele, aber kleine Körner geerntet.

Außerdem litten die Qualitäten unter dem Wetter zur Haupterntezeit. Vor allem Backweizen sei witterungsbedingt knapp, sagt er. „Verbleibt das reife Korn zu lange bei feuchter Witterung auf dem Halm, setzen Keimungsprozesse ein, was die Backeigenschaften verringert.“ So gebe es in diesem Jahr deutlich weniger Backweizen.

„Doch nach mehreren Jahren, in denen die weltweite Getreideerzeugung die Nachfrage nicht decken konnte, sind die Getreidepreise gestiegen“, sagt Beringmeier. Auf dem Weltmarkt treffe eine gute Nachfrage auf reduzierte Mengen. Diese seien durch schlechtere Ernten in Russland und Europa bis hin zu Missernten in Nordamerika bedingt. Besonders Brotweizen mit guten Backqualitäten würde am Markt nachgefragt. „Hohe Getreidepreise wirken sich auch auf die Futterpreise aus, sie sind in die Höhe gegangen“, schildert der Vorsitzende. Das belaste natürlich die Tierhalter noch mehr in der aktuell schwierigen Situation mit niedrigen Erzeugerpreisen für Fleisch.

Zu kühl für Spargel und Erdbeeren

Die Rinderhalter können in diesem Jahr in puncto Futterversorgung aufatmen. Sie ziehen bei der für sie wichtigen Grasernte eine positive Bilanz. „Grünland braucht Feuchtigkeit und die hatten wir im Frühjahr und Sommer“, so der Vorsitzende. Die Landwirtsfamilien mit Rindern, Pferden und Schafen müssten sich im Vergleich zu den letzten drei Dürrejahren keine Sorgen um das Futter machen.

Dagegen litt die Spargel- und Erdbeerernte in diesem Jahr unter der kühlen Witterung. Außerdem machte den Spargel- und Erdbeerbauern ein erneutes coronabedingtes Wegbrechen der Nachfrage durch die Gastronomie zu schaffen.

Bei den Kartoffeln gehen die Landwirte von einer gut durchschnittlichen Ernte aus. Beim Mais erwarten sie eine gute Ernte. Bei den Zuckerrüben sehe es nach guten Erträgen, aber aktuell noch geringeren Zuckergehalten als im Vorjahr aus.

„Die meisten Bürger halten die hiesige Landwirtschaft für ein hohes Gut“, sagt Hubertus Beringmeier. Doch vielen Bauernfamilien fehle bei nicht auskömmlichen Preisen das Geld und die Perspektive angesichts hoher Investitionskosten, den stetig steigenden Anforderungen bei unklaren politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Doch er gibt zu bedenken: „Keinem ist geholfen, wenn die Tierhaltung ins Ausland abwandert, am wenigsten unseren Mitgeschöpfen, den Tieren.“

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