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Vor 125 Jahren wurde das Kaiser-Wilhelm-Denkmal eingeweiht

Von Preußens Glanz und dem Leid der Zwangsarbeiter

Porta Westfalica

Den britischen Besatzern war das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ziemlich egal. Am 23. April 1946 sprengten sie den Denkmalstollen – einen 20 Meter hohen und 150 Meter langen ausgebeuteten Erzstollen unterhalb des Monuments.

Von Christian Althoff

Das Besucherzentrum mit Fernblick wurde 2018 im Sockel der Denkmalterrasse fertiggestellt. Foto:  Althoff

Die Nazis hatten hier drei Stahlbetondecken eingezogen und eine Fabrik für Rüstungsgüter eingerichtet. Dort mussten 120 ukrainische Zwangsarbeiterinnen in Zwölf-Stunden-Schichten Kugellager für Jagdflugzeuge bauen.

Die Explosion zerstörte die große Aussichtsterrasse vor dem Denkmal und ließ Teile den Berg hinunterrutschen. Aber das Denkmal überlebte. Am Montag jährt sich der Tag seiner Einweihung zum 125. Mal.

Eine Kutsche stand am Mindener Bahnhof bereit, als der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria am 18. Oktober 1896 um die Mittagszeit eintrafen. An den mit Fahnen und Girlanden geschmückte Straßen warteten Menschentrauben, um einen Blick auf das Kaiserpaar zu erhaschen. Mit dem Vierspänner ging es auf den Kamm des Wiehengebirges. Dort sollen mehr als 15.000 Menschen versammelt gewesen sein, um die feierlichen Einweihung des Denkmals zu erleben. Das Monument sollte den acht Jahre zuvor verstorbenen ersten deutschen Kaiser Wilhelm I. (1797 bis 1888) würdigen. Die Feier war auf den 18. Oktober gelegt worden, weil dies der 35. Jahrestag der Krönung Wilhelms I. war.

Kaiser Wilhelm II. und die Kaiserin fahren am 18. September 1896 mit einer Kutsche durch Minden in Richtung Barkhausen, das heute zu Porta Westfalica gehört. Foto: LWL

Den Bau hatte der Landtag der Provinz Westfalen beschlossen. Die Porta Westfalica hatte sich als Standort gegen die Hohensyburg bei Dortmund durchgesetzt, weil das Denkmal hier weithin sichtbar war. Den Architekturwettbewerb gewann der Berliner Architekt Bruno Schmitz, und Bildhauer Caspar von Zumbusch aus Herzebrock schuf die sieben Meter hohe Bronzeskulptur. Der Bau des Denkmals aus Porta-Sandstein dauerte fünf Jahre und sicherte etwa 200 Menschen Arbeit.

Die Einweihungsfeier vor 125 Jahren fand mit großem Brimborium statt. Der Männergesangverein Minden und weitere Chöre gaben ihr Bestes, der Vorsitzende des Landtags hielt eine Ansprache, und vom gegenüberliegenden Jakobsberg schallte Kanonendonner herüber. Dann besichtigte das Kaiserpaar das Denkmal – „unter der Huldigung von 600 - 700 Westfälischen Posaunenbläsern“, wie es im Programm hieß.

Bis heute ist das Monument, das manche Ostwestfalen schlicht Porta-Denkmal nennen, jedes Jahr Ausflugsziel für mehr als 100.000 Menschen. 2019 wurde es zum ersten Mal in seiner Geschichte gereinigt – eine Spende des Unternehmens Kärcher, das acht Industriekletterer einsetzte und fünf Wochen benötigte.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe investierte als Eigentümer seit 2016 fast 17 Millionen Euro in die Restaurierung des Denkmals und in den Bau eines Sockelgeschosses. Letzteres musste mit 270 Stahlbetonankern, die 32 Meter in den Berg reichen, verankert werden.

2018 wurde das Sockelgeschoss eröffnet. Dort findet man ein Restaurant mit Fernblick und ein kostenlos zugängliches Besucherzentrum mit einer Ausstellung, für die das Preußenmuseum Minden verantwortlich zeichnet. Besucher erfahren von Römern, die schon den Gebirgsdurchbruch nutzten, und von Preußens Glanz, aber auch vom Elend der Zwangsarbeiter und dem KZ-Außenlager, das es hier von 1944 bis 1945 gab.

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