1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Wahlkampf an 5000 Haustüren

  6. >

Demnächst im Bundestag? Aussichtsreiche Kandidaten aus OWL – Heute: Oliver Vogt (CDU) aus dem Wahlkreis Minden-Lübbecke I

Wahlkampf an 5000 Haustüren

Minden.

„Einer von hier. Einer von uns. Einer für Berlin.“ Mit diesem Slogan kandidiert Dr. Oliver Vogt im Wahlkreis Minden-Lübbecke I für den Bundestag. Der CDU-Kreisvorsitzende setzt also auch auf das Argument, als einziger der aussichtsreichen Bewerber seinen Lebensmittel­punkt tatsächlich im Wahlkreis zu haben.

Von Andreas Schnadwinkel

Dr. Oliver Vogt (CDU) setzt trotz der Corona-Pandemie auf Wahlkampf an den Haustüren.Foto: Andreas Schnadwinkel Foto: Foto: Andreas Schnadwinkel

Sein Konkurrent Achim Post (SPD-Fraktionsvize), gegen den er vor vier Jahren mit 35,5 zu 37,4 Prozent knapp unterlag, wohnt mit seiner Familie schon länger in Berlin.

2017 machten zwei Dinge Vogt einen Strich durch die Rechnung: die Folgen der Flüchtlingskrise und die Abkehr der Kanzlerin vom Nein der Union zur Homoehe. Beides kam bei einigen CDU-Stammwählern so schlecht an, dass der AfD-Kandidat im Mühlenkreis 9,9 Prozent der Erststimmen holen konnte. Stimmen, die Vogt am Ende wohl fehlten.

Das soll dieses Mal anders werden. „Ich kann mich ganz sicher nicht auf meinen Listenplatz 19 verlassen. Ich muss um jede Stimme kämpfen, und das tue ich“, sagt der 44-Jährige, der in Espelkamp wohnt und am Mindener Besselgymnasium Physik und Mathematik un­terrichtet. Aus zwei Gründen ist Vogt optimistisch: „Viele Leute rechnen es mir hoch an, dass ich in den vergangenen vier Jahren vor Ort präsent gewesen bin und Kommunalpolitik gemacht habe. Manche hat erstaunt, dass ich Termine besucht habe, obwohl ist nicht gewählt worden bin. Und ich bin, wie gesagt, Mühlenkreisler. Ich bin überzeugt, dass man die Menschen als Politiker nur gut vertreten kann, wenn man unter ihnen lebt.“

Auch deswegen setzt Vogt auf Haustürwahlkampf – trotz der Corona-Pandemie. Den größten Teil der Zeit ist er auf den Straßen unterwegs und geht von Haus zu Haus. 1000 Türen hat er schon hinter sich, 5000 sollen es bis zum 26. September werden. „Die Rückmeldungen sind durchweg positiv, auch in SPD-Gebieten wie Rothenuffeln in Hille. Die negativen Reaktionen auf meine Besuche kann ich an zwei Händen abzählen“, sagt Vogt, der ganz bewusst nicht nur in CDU-Hochburgen die Stammwähler aktivieren will. Dabei spürt er, dass die Bürger den Kontakt zu Politikern durchaus wollen, um ihre Anliegen adressieren zu können. „Die Wähler fühlen sich immer weniger wahrgenommen. Was in der Berliner Politik- und Medienblase an Themen erzeugt wird, hat mit ihrem Alltag oftmals nichts zu tun, schon gar nichts mit dem Leben im ländlichen Raum.“

Vogts Eindrücke an den Haustüren sind interessant. „Viele Leute im Handwerk und im Mittelstand machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz, das hat mich etwas überrascht. Hintergrund sind da die steigenden Materialkosten und die Frage, ob diese Kosten an die Kunden weitergegeben werden können“, berichtet Vogt. Und die Art der Klimadebatte werde weitgehend abgelehnt. „Diese Hysterie stößt viele Leute ab. Sie vermissen bei diesem wichtigen Thema politischen Verstand und rationale Ansätze.“ Auch die Corona-Krise bleibe wichtig, aber da gehe es jetzt um die Frage, was Ungeimpfte dürfen sollen und was nicht.

Rückenwind von der Bundes-CDU spürt Vogt vor allem aus dem Konrad-Adenauer-Haus, die Unterstützung aus der Parteizentrale sei „so gut wie noch nie“. Der Wahlkampf, das findet auch der CDU-Kreisvorsitzende, könnte jetzt mal an Fahrt aufnehmen. Vogt: „Armin Laschet sollte seine Ankündigung eines ‚Modernisierungsjahrzehnts‘ mit Leben füllen und vier, fünf Ziele vorgeben.“

Startseite