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Wetterfrosch Hermann-Josef Sander blickt auf den Dezember: zu mild, zu trocken und sonnenscheinarm

Wann wird‘s mal wieder richtig Winter?

Beverungen

„Von klassischem Winterwetter konnte im vergangenen Dezember wieder einmal nicht gesprochen werden – zeigte dieser sich doch zu mild, zu trocken und recht sonnenscheinarm“, sagt Hermann-Josef Sander, Wetterfrosch des HVV Stadt Beverungen. Er blickt für das WESTFALEN-BLATT auf den vergangenen Dezember.

Schnee und Sonnenschein – diesen herrlichen Anblick wie hier am Kaiserbrunnen in Brakel gab es im Dezember 2021 recht selten. Foto: Frank Spiegel

„Im vergangenen Monat fühlte man sich trotz zwölf Nächten mit frostigen Temperaturen zwischen -0,2 und -8,5 Grad wiederum an die Worte des deutschen Schriftstellers Karl Krolow erinnert, der schon vor Jahrzehnten meinte, der Winter sei mittlerweile eine beinahe verloren gegangene oder doch eine entkräftete Jahreszeit“, betont Sander weiter. Doch immerhin: Es gab einen Hauch von weißen Weihnachten.

Eine scharfe Luftmassengrenze, die kalte Luft im Nordosten von milderen Luftmassen im Südwesten trennte, vermochte sich zunächst nicht zu entscheiden und verlagerte sich mal mehr, mal weniger nach Westen. Hatte am 21. und 22. Dezember im Kreis Höxter noch trockenes Frostwetter geherrscht, das an den beiden Folgetagen aber von Maximaltemperaturen bis 7,9 Grad abgelöst wurde, gab es dagegen am ersten und zweiten Weihnachtstag – und damit erstmals wieder seit 2010 – erneut Dauerfrost mit nächtlichen Tiefsttemperaturen bis -8,5 Grad und ein wenig Schnee. „Erinnert sei an den zweiten Weihnachtstag 2015, als in der Kernstadt Beverungen 17 Grad den einen oder anderen animierten, den Nachmittagskaffee auf der Terrasse zu genießen“, so Sander.

In diesem Jahr gelang es anschließend der milden Luftmasse, sich gegen die kältere Luft dauerhaft durchzusetzen, und am Silvestertag herrschte mit 13,5 Grad nicht nur die Maximaltemperatur des Monats, sondern zugleich die höchste Temperatur, die an einem Jahresende seit Bestehen der Wetterstation gemessen wurde. Sogar in der Silvesternacht fiel die Temperatur nicht unter 11,3 Grad.

Der Blick in die Drenker Wetterchronik zeigt: Zweistellige Maximaltemperaturen am Silvestertag hatten in den vergangenen 22 Jahren lediglich 2006 (10,1 Grad) und 2017 (11,7 Grad) geherrscht. Die mittlere Monatstemperatur von 2,9 Grad übertraf das langjährige Soll um 0,9 Grad.

„Lässt man die vergangenen 22 Jahre Revue passieren, ist der letzte Monat des Jahres 15 Mal zu warm und siebenmal zu kühl gewesen“, erläutert der Wetterfrosch. Dabei bewegte die Spanne der Durchschnittstemperaturen sich zwischen -4,1 Grad (2010) und 7,1 Grad (2015) – statistisch fiel jeder Dezembermonat mit 2,4 Grad um 0,4 Grad zu warm aus.

Der Dezember 2021 war auch deutlich zu trocken: 33,6 Millimeter Niederschlag (Dezember 2016: 16 Millimeter) fielen an 20 Tagen und unterschritten das langjährige Mittel um rund 30 Prozent. Zwei Drittel des Niederschlags ließen sich allein in der letzten Dezemberwoche verbuchen.

Im gesamten Jahr 2021 fielen übrigens 603,7 Millimeter Niederschlag – ungefähr dem langjährigen Referenzwert von 607 entsprechend.

Der Rückblick auf die Niederschlagsmengen in den jeweiligen Dezembermonaten von 2000 bis 2021 zeigt 13 Mal einen zu nassen und neun Mal einen zu trockenen Monat – die Spanne der Niederschlagsmenge reichte in diesem Zeitraum von 16 Millimeter (2016) bis 117,5 Millimeter (2018) – statistisch kam jeder Dezember somit auf ein Mittel von 58,1 und war somit um 25 Prozent zu nass.

Zum Sonnenschein: An 18 Tagen (an sieben Tagen in der ersten und an elf Tagen in der zweiten Monatshälfte) hatte sich die Sonne überhaupt nicht in Drenke an der Wetterstation blicken lassen. Und so war der vergangene Dezember mit lediglich 28,7 Sonnenscheinstunden (25 Prozent unter dem langjährigen Soll von NRW) der zweitsonnenscheinärmste Monat des gesamten Jahres. Nur im Januar hatte die Sonne noch gut drei Stunden weniger geschienen. Zum Vergleich: Im Dezember 2011 gab es 11,7 Stunden, im Dezember 2015 stolze 55,3 Stunden.

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