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Warburger Aspekte von Jürgen Vahle

„Warburg traut sich wieder was“

Warburg

Es gibt Themen, bei denen fühlt sich in Warburg nahezu jeder kompetent. Beim Fußball zum Beispiel, vor allem wenn es um Dortmund oder Schalke geht. Mittlerweile auch bei allen Fragen rund um Corona. Und das gilt natürlich auch für die Warburger Oktoberwoche. Doch alle sollten sich freuen, dass es sie wieder gibt, meint Redaktionsleiter Jürgen Vahle in seinem Wochenendkommentar.

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2019 war es auf der Oktoberwoche brechend voll, als die Höhner auf der Bühne standen. 2021 wird es beschaulicher zugehen. Aber die Festwoche findet statt. Das ist die gute Nachricht. Foto: Ralf Benner

Wer sich in seinem Freundes- oder Bekanntenkreis in den vergangenen Tagen oder Wochen einmal umgehört hat, der dürfte von jedem eine Meinung zu den Oktoberwochen-Planungen von Organisationschef Norbert Hoffmann erfahren haben. Kommentare wie „Ob das was wird?“; „Eine richtige Festwoche ist das nicht!“ oder „Reichen 3000 Besucher auf dem Festgelände überhaupt aus?“ gibt es da.

Da die Warburger in Sachen Oktoberwoche – wie schon erwähnt – kompetent sind, haben sie mit ihren Anmerkungen natürlich alle Recht. 3000 Besucher könnten tatsächlich an manchen Tagen etwas zu wenig sein. Für eine „richtige“ Festwoche fehlen wichtige Bestandteile – wie etwa der große Festumzug, der Erntedankmarkt und natürlich die Gewerbeausstellung. Und nein, es ist tatsächlich keine normale Oktoberwoche. Aber es gibt sie in dieser vermaledeiten Coronazeit. Und das ist eine der besten Nachrichten, die es seit Monaten in der Stadt gibt.

Bei allem Respekt für andere Veranstalter: Kein Fest ist für die Menschen im Warburger Stadtgebiet so wichtig wie die Wies‘n. Kein Schützen- oder Dorffest, kein Reiter- oder Rosenball, kein Sport- oder Musikerfest. Auch kein Kälkenfest, Mittelalter- oder Weihnachtsmarkt. Die Oktoberwoche ist die einzige Einzelveranstaltung, die alle Generationen und Schichten aus allen Ecken der Stadt und darüber hinaus miteinander verbindet.

Ob aus Bonenburg oder Daseburg, aus Hohenwepel oder Welda, ob aus Alt- oder Neustadt – auf der Oktoberwoche trifft man sich eben. Manchmal ist das sogar die einzige Gelegenheit im Jahr, bei der einem der alte Schulfreund oder Sportskollege, der ehemalige Lehrer, Chef oder Arbeitskollege über den Weg läuft. Und das Schöne an der Festwoche ist ja: Wenn man nicht mit ihm reden möchte, ist das Gedränge meist so groß, dass man sich schnell wegducken kann.

Redaktionsleiter Jürgen Vahle Foto: Besim Mazhiqi

Die Oktoberwoche ist aber auch über diese ganz persönliche Ebene hinaus wichtig. Beim Festzug haben Vereine und Verbände Gelegenheit, sich zu präsentieren und Öffentlichkeit herzustellen. Gleiches gilt für die Landwirtschaft beim Erntedankmarkt oder die Schützen beim Stadtkönigsschießen. Firmen im Warburger Land, die im Gewerbezelt aktiv waren, freuen sich über so manches Nachfolgegeschäft nach guten Kundengesprächen. Und für Politik und Verwaltung ist es auch enorm wichtig, weil so mancher inhaltlicher Streit nach dem zweiten Urtyp ein für alle Mal begraben werden kann.

Im Klartext: Die Oktoberwoche ist immens wertvoll. Und daher muss man den Hut vor der Stadt und den Stadtwerken ziehen, dass sie mit Mut das Neun-Tage-Programm auf die Beine gestellt haben. Selbstverständlich ist das nicht, wie ein Blick auf die ausgefallenen Volksfeste in der Region zeigt. Warburg traut sich wieder was – und daher sollten wir nicht über das meckern, was fehlt, sondern über das freuen, was geht. Und das ist auch für die in der Sache kompetenten Warburger doch eine ganze Menge.

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